Volks-Rock’n’Roller Andreas Gabalier sitzt an diesem Morgen ganz entspannt und ohne PR-Berater im Schlepptau in einem Hamburger Hotel und lässt die letzten Monate Revue passieren. Mit seinem im Mai veröffentlichten Album „Mountain Man“ landete der Österreicher erstmals auch in Deutschland auf Platz 1 der Charts. Am Sonnabend stellt der 30-Jährige neue und alte Songs in der Mercedes-Benz-Arena vor.
Herr Gabalier, dieses Jahr gab’s reichlich Wirbel um Sie. Genießen Sie das?
Zum Teil gibt’s daran nichts zu genießen. Aber in der Summe sehe ich es mit einem Lächeln. Es gehört nun mal zum Showbusiness dazu, wenn man oben mit den großen Haifischen mitschwimmt. Dann gibt es auch Gegenwind. Es werden Worte umgedreht und Schlagzeilen leicht anders abgedruckt, als wie man es gesagt hat, die dann aber eine komplett andere Bedeutung bekommen.
Und das nehmen Sie leicht?
Ich versuche es zumindest. Es reicht oft schon eine kleine Meldung irgendwo, über die sich dann alle auf einmal aufregen. Dann wird gefragt: Was ist denn der Gabalier nun – homophob? Frauenfeindlich? Bis hin zu „rechts“ wegen der Schlagzeilen um die Bundeshymne war schon alles dabei. Darüber kann ich dann wirklich nur noch lachen und freue mich über die Aufmerksamkeit sowie den unglaublichen Sympathiezuwachs im Land.
Schulterklopfer selbst beim AC/DC-Konzert
Gibt es den denn?
Es vergeht kein Tag mehr, auch bei uns daheim in Österreich, an dem nicht Leute auf mich zukommen und mir auf die Schulter klopfen. Selbst als ich beim AC/DC-Konzert mitten unter den heftigsten Rockern stand, war das so.
Auf Ihrer neuen Platte singen Sie sogar davon, dass die meisten die Schnauze halten, wenn’s drauf ankommt.
Ja, das ist fast überall so, nicht nur in der Politik. Immer mit dem Fähnchen im Wind. Es gibt Leute, die, sobald sie nur den kleinsten Hauch von Gegenwind spüren, der immer da sein wird, wenn man eine Meinung in die Öffentlichkeit trägt, umfallen. Aber das Schlimmste ist ja, dass eigentlich keiner mehr eine Meinung hat. Deshalb habe ich sie, stehe dahinter, und es tut eigentlich nur gut.
"Höchstens ein gesunder Macho"
Waren Sie früher schon so ein provozierender Charakter?
Nein, ich will auch gar nicht bewusst provozieren! Begonnen hat es vor anderthalb Jahren beim Formel-1-Rennen in Österreich mit unserer Bundeshymne, zu der ich den alten Text gesungen habe, der die Alpenrepublik als Heimat „großer Söhne“ beschreibt. In einer neuen Fassung heißt es aber „Heimat großer Töchter und Söhne“. Ich wurde für etwas angegriffen, was wir in Österreich vor zwei Jahren noch alle ganz selbstverständlich gesungen haben und heute immer noch bei Fußballspielen und Skirennen tun. Dass ich die alte Version singe, hat auch nichts mit einer abschätzigen Haltung gegenüber Frauen zu tun. Da geht es einfach um ein Stück musikalisches Kulturgut, das seit 70 Jahren so präsentiert wird.
Sind Sie ein Macho?
Nein, und wenn überhaupt, dann ein gesunder Macho, ganz sicher kein unguter Macho.
Lederhose auch mit T-Shirt
Aber Sie sind schon Traditionalist, oder?
Ja, aber auf moderne Art und Weise. Ich trage auch gerne Lederhose, aber nicht unbedingt so, wie man es schon immer gemacht hat. Das geht auch mit Turnschuhen und T-Shirt. Ich bin nicht ganz so brav, original und traditionell zugeschnitten wie ein Kastelruther. Ich kann mich nicht Hinterwäldler oder ewig Gestriger schimpfen lassen, weil das nicht passt. Ich mache ja keine Volksmusik wie vor 50 Jahren. Das Moderne ist im Auftreten, in der Einstellung und auch in meiner Musik vorhanden. Wenn man dann so verteufelt wird für solche Dinge und sogar braun angemalt wird dafür, dann kann man sich nur wundern über unsere ach so tolerante Gesellschaft. Denn Toleranz steht ja seit zwei, drei Jahren ganz hoch im Kurs bei uns in Österreich, speziell auch seit dem Sieg beim Eurovision Song Contest.
Was haben Sie gegen Conchita Wurst?
Überhaupt nichts! Sie ist absolut super, hat eine Mega-Stimme, ist ein abgefahrener Charakter, lieber Kerl und intelligenter Bursche. Auch da versucht die Presse immer gleich einen Krieg anzuzetteln, das ist schrecklich, aber ich habe mich damit abgefunden. Es ist ein großer Zirkus.
Gerade in der Schwulenszene gibt es viele bunte Charaktere. Sehen Sie sich auch als Paradiesvogel?
Nein.
"Ich bin ein großer Fan von Seemannsliedern"
Stimmt es eigentlich, dass Sie als Mann aus den Bergen gerne Seemannslieder singen?
Na, sicher, ich bin ein großer Seemannslieder-Fan! Am allermeisten liebe ich Freddie Quinn. Ich bin ja ein leidenschaftlicher Motorradfahrer, und wir fahren mit sechs bis zwölf Mann drei, vier Touren im Jahr über verlängerte Wochenenden. Irgendwer hat immer Akkordeon, Harmonika oder Gitarre auf der Almhütte dabei. Und dort singt man dann viel Traditionelles, viel Österreichisches, aber zu später Stunde auch Freddie Quinn. Das Lebensgefühl des Motorradfahrens habe ich mit 18 eigentlich erst durch solche Lieder lieben gelernt.
Das wär’s ja noch: ein Shanty-Album vom Gabalier!
Da würden wohl Santiano was dagegen haben.
Am Sonnabend um 20 Uhr spielt Gabalier mit seiner Band in der Mercedes-Benz-Arena. Tickets kosten 52 bis 84 Euro.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de