Hausaufgaben sind das, was gemacht werden muss. Jeden Tag. In der Schule, am Arbeitsplatz, im Leistungssport. Hausaufgaben sind eine Art Grundlage für die großen Tests, die schwierigen Aufgaben, die großen Spiele. Eine komplizierte Klassenarbeit steht an diesem Mittwoch (19.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle) für die BR Volleys in der Champions League an. Dort sind im Playoff-Hinspiel der besten Sechs die russischen Riesen von Dynamo Moskau in Berlin zu Gast. Eine internationale Topmannschaft; das Leistungsniveau steigt in der Champions League bekanntlich mit jeder Runde.
"Die halbe russische Nationalmannschaft"
Das weiß natürlich auch Roberto Serniotti: „Dynamo hat die halbe russische Nationalmannschaft in seinen Reihen und diese zählt bekanntermaßen zu den besten der Welt. Ich schätze Moskau wesentlich stärker ein als unseren letzten russischen Gegner aus Surgut vor einem Jahr im CEV-Cup-Finale. Diese Mannschaft verfügt über Erfahrung, hat eine enorme Athletik und ist bestens organisiert“, sagt der Volleys-Trainer.
Unterschied zwischen national und international
Seine Mannschaft hat in dieser Saison bisher vor allem in den internationalen Spielen begeistert. Zum Beispiel beim 3:1-Heimsieg gegen die Italiener von Cucine Lube Civitanova Anfang Dezember, beim 3:2-Sieg über das polnische Spitzenteam Asseco Resovia Rzeszow Mitte Februar, und vor allem natürlich beim dramatischen 4:2 gegen Istanbul BBSK vor knapp zwei Wochen, als die Berliner in einem hochspannenden Match im Golden Set gewannen.
„Zwei Titel sind schon weg“
In der Liga und auch im Pokal blieben solche besonderen Glanzleistungen bisher aus. Zumindest in den Begegnungen mit Friedrichshafen. Da scheiterten die Volleys im Supercup, im Pokalendspiel und in der Bundesliga-Hauptrunde in allen vier Duellen jeweils ziemlich deutlich an der Konkurrenz vom Bodensee. Nationale und internationale Aufgaben bilden eine Art Parallel-Universum in dieser Saison. Nicht umsonst merkte Kaweh Niroomand nach einem dieser triumphalen Champions-League-Siege konträr zur allgemeinen Stimmungslage an: „In dieser Art müsste die Mannschaft auch mal ihre Hausaufgaben machen.“ Hausaufgaben? Was meinte der Manager damit?
„Tja, zwei Titel sind ja schon weg“, antwortete er. Es klang ein wenig sarkastisch in diesem Augenblick. Aber Niroomand, der die Dinge meist lieber beim Namen nennt, als sie zu verschweigen, sprach ein Risiko an, das diese Saison für die BR Volleys birgt: das Risiko, am Ende nach einer Saison mit drei Titeltriumphen dieses Mal ohne Trophäe dazustehen.
Die Annahme als Schwachstelle
Klar, die Top sechs in der Champions League zu erreichen, ist bereits ein Riesenerfolg. Es ist den BR Volleys zum ersten Mal überhaupt auf sportlichem Weg geglückt. Aber jetzt stehen auf der anderen Seite des Netzes Männer wie der 2,04 Meter große Diagonalangreifer Konstantin Bakun, der 2,10 Meter große Mittelblocker Alexander Volkov, der vor etwa einem Jahr mit Meldonium gedopte Außenangreifer Alexander Markin sowie die beiden Weltklasse-Zuspieler Sergej Grankin und Sergej Antipkin, die vom EM-Titel bis zu Olympiagold schon jede Menge Titel gesammelt haben.
Berlins Trainer Serniotti sagt: „Ich verschwende keine Gedanken daran, wie unsere Chancen stehen. Wir müssen am Mittwoch unser bestes Spiel zeigen, stabil und druckvoll aufschlagen wie gegen Lube oder Istanbul und den Gegner immer unter Druck setzen.“ Als Schwachstelle im russischen Team haben die Berliner die Annahme ausgemacht.
Mit Unterstützung des Publikums
Aus Erfahrung wissen sie, dass mit der Unterstützung des Schmelinghallen-Publikums auch schwierige Klassenarbeiten erfolgreich erledigen können. „Wir haben in dieser Saison bewiesen, dass wir zu Hause sogar die ganz Großen schlagen können“, meint Serniotti. Die Hausaufgaben in der Bundesliga stehen noch an.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de