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Vom Reflex zu Grüßen, wenn man Prominente trifft

Unser Autor kommt aus einer Kleinstadt und ist Zufallsbegegnungen gewohnt. Wenn er in Berlin auf bekannte Gesichter trifft, gehören die aber meistens Promis – und „Hallo“ sagen ist eher unpassend.

3 Min
Schauspieler Robert Stadlober hat ein bekanntes Gesicht – ist aber deshalb noch lange kein Bekannter.

Schauspieler Robert Stadlober hat ein bekanntes Gesicht – ist aber deshalb noch lange kein Bekannter.

© Volkmar Otto

Ich bin in einer Kleinstadt aufgewachsen und habe später in einem typischen Universitätsstädtchen studiert, habe die ersten Lebensjahrzehnte also in Konstellationen verbracht, die Soziologen als „Face-to-face“-Gesellschaft bezeichnen. Man trifft sich zufällig in der Fußgängerzone, man trifft sich im Supermarkt. „Na, wie geht’s?“ – „Ja, ne, muss ja.“ Oder, wenn es etwas peppiger sein soll: „Long time, no see.“ Lange nicht gesehen also.

In Berlin sind diese Zufallsbegegnungen seltener, vor allem wenn Freundes- und Bekanntenkreise über die Stadt verteilt und nicht in einem Kiez konzentriert sind. Und doch ist mein Hirn derart auf die Zufallsbegegnung gepolt, dass mir auch nach Jahren in der Metropole immer wieder der schlechteste Anmachspruch der Welt auf der Zunge liegt: „Kenne ich dich nicht irgendwo her?“ Dann nämlich, wenn man, was in Berlin weit öfter der Fall ist als in Kleinstädten, Prominenten begegnet.

So war das, als ich Robert Stadlober auf einem Konzert begegnete und schon auf ihn zugehen wollte im Glauben, das müsse ein alter Schulfreund sein, immerhin kam mir das Gesicht doch so bekannt vor. Und so war das, als ich Enie van de Meiklokjes im Berliner Tierpark traf. Zum Glück merkte ich rechtzeitig, dass ich beide nur vom Bildschirm und nicht aus einer Bildungseinrichtung kannte – und verzichtete auf Grußwörter.

Enie van de Meiklokjes: Von einer alten Dame ausgefragt

Andere sind da weniger zurückhaltend. Eine ältere Dame lobte und befragte die frühere Bravo-TV-Moderatorin, die da längst für ihre Backshow bekannt war. Fand sie nicht schön, die Enie, das war deutlich zu erkennen.

Apropos erkennen: Wer genau mir da so bekannt vorkommt, weiß ich manchmal gar nicht so recht. So ging es mir mit Volker Bruch, der sich einmal, bevor er cool und dann wieder uncool war, am Maybachufer sonnte. Ich hatte ihn in der TV-Produktion „Unsere Mütter, unsere Väter“ gesehen, aber keinen Namen, nur eine vage Ahnung. Meine Frau musste helfen und war peinlich berührt ob des offensichtlichen Starrens und Tuschelns im Angesicht der Prominenz. Immerhin hatte ich gleich erkannt, dass es sich um eine einigermaßen berühmte Person handelte und entwickelte gar nicht erst einen Grüßreflex.

Plötzlich sitzt Joseph Goebbels am Tresen

Ganz andere Reflexe kamen wiederum auf, als ich in einem Wilmersdorfer Lokal Joseph Goebbels am Tresen sitzen sah. „Das ist doch...“, dachte ich und musste mich sogleich korrigieren: Das war nicht Hitlers Propagandaminister, der da ein Getränk schlürfte, sondern der Schauspieler Ulrich Matthes, der die Figur im Film „Der Untergang“ spielt. Gegrüßt hab ich trotzdem nicht.

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