Bildung

Vom Wert eines Studiums - Neue OECD-Studie zeigt: Bildung zahlt sich aus

Die Studie „Bildung auf einen Blick“ vergleicht die Anzahl der Hochschulabsolventen in 38 OECD-Ländern und zeigt, wie sehr sich höhere Bildung auszahlt.

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Andreas Schleicher, OECD-Direktor für Bildung und Kompetenzen, Kornelia Haugg, Staatssekretärin im Bundesbildungsministerium, und Karin Prien, Präsidentin der Kultusministerkonferenz, bei der Vorstellung der OECD-Studie „Bildung auf einen Blick“.

Andreas Schleicher, OECD-Direktor für Bildung und Kompetenzen, Kornelia Haugg, Staatssekretärin im Bundesbildungsministerium, und Karin Prien, Präsidentin der Kultusministerkonferenz, bei der Vorstellung der OECD-Studie „Bildung auf einen Blick“.

© Wolfgang Krumm/dpa

Der Bildungsforscher Andreas Schleicher hat am Mittwoch die neue OECD-Studie „Bildung auf einen Blick“ vorgestellt. In den Räumen der Bundespressekonferenz saß er mit KMK-Präsidentin Karin Prien und Kornelia Haugg, Staatssekretärin im Bundesbildungsministerium, auf dem Podium. Die Studie vergleicht die Bildungssysteme in verschiedenen OECD-Staaten anhand verschiedener Indikatoren mit der Absicht, Bildungspolitiker anzuspornen, ihr nationales System besser und effektiver zu gestalten.

Ein besonderes Augenmerk der Studie lag in diesem Jahr auf der Untersuchung der tertiären Bildung, die an Universitäten und Fachhochschulen stattfindet. Weltweit lässt sich ein großer Zuwachs an jungen Menschen feststellen, die an der tertiären Ausbildung teilnehmen. Wer studiert hat, kann in der Regel mit einem deutlich höheren Verdienst und einer leichteren Arbeitsmarkt-Integration rechnen. Bachelorabsolventen in Deutschland verdienen durchschnittlich 67 Prozent mehr als junge Erwachsene, die „nur“ Abitur oder Fachabitur gemacht haben. Auch haben hochqualifizierte Arbeitnehmer in Krisenzeiten sehr viel bessere Chancen, ihre Arbeit zu behalten beziehungsweise neue Arbeit zu finden.

Zugleich profitieren der Arbeitsmarkt und die Volkswirtschaft eines Landes ungeheuer von der wachsenden Zahl höher qualifizierter Menschen. So lässt sich auch das Motto verstehen, das Andreas Schleicher der Pressekonferenz voranstellte: „Bildung zahlt sich aus: Für den Einzelnen, für den Staat und die Gesellschaft als Ganze.“

In Deutschland vollzieht sich der Anstieg im tertiären Sektor allerdings längst nicht so schnell wie in anderen Ländern. Das liegt wohl zum Teil an unserem leistungsfähigen beruflichen Ausbildungssystem. Das duale System hat in den vergangenen Jahrzehnten sehr zum Wohlstand in diesem Land beitragen. „Doch müssen wir uns auch dringend um seine Weiterentwicklung kümmern“, sagte Karin Prien. „Man muss die Weiterbildung stärken, damit die berufliche Bildung noch als echte Alternative zur universitären Bildung wahrgenommen wird. Und wir müssen uns um ein besseres Matching kümmern.“

Zuvor hatte die Staatssekretärin Kornelia Haugg beschrieben, dass ausbildende Unternehmen im Moment händeringend nach Jugendlichen suchen und die Jugendlichen wiederum händeringend nach ausbildenden Unternehmen, dass die beiden Parteien aber nicht zusammenfinden.

Zu viele Schüler verlassen deutsche Schule ohne einen validen Abschluss

Eine Schwachstelle besteht auch bei der Absicherung der Grundqualifikationen. In den meisten Ländern ist der Anteil der 25- bis 34-Jährigen ohne Sekundarbereich-II-Abschluss mit dem allgemeinen Anstieg des Bildungsniveaus gesunken. Nicht so in Deutschland. 2021 hatten dort 14 Prozent der jungen Erwachsenen kein Abitur oder einen vergleichbaren Abschluss, mehr als im Jahr 2011, als es 13 Prozent waren.

Andreas Schleicher sagte, dass man diese Entwicklung nur zu einem kleinen Teil mit Migrationsbewegungen entschuldigen könne, mit der Tatsache nämlich, dass im Zuge der ersten und der zweiten Flüchtlingskrise viele Kinder und Jugendliche ins deutsche Bildungssystem integriert werden sollen. Unser Bildungssystem sei nach wie vor nicht sehr gut darin, Bildungsaufstiege aus sozial schwachen Milieus zu ermöglichen und dafür zu sorgen, dass alle Schüler ordentlich lesen, schreiben und rechnen lernen.

Auch im Hinblick auf den herrschenden Lehrermangel wartet die Studie mit aufschlussreichen Daten auf: Sie zeigt, dass die deutschen Lehrkräfte im internationalen Vergleich zu den Spitzenverdienern gehören. Die Durchschnittsgehälter von Lehrkräften des Sekundarbereichs sind mehr als doppelt so hoch wie im OECD-Durchschnitt.

Die Arbeitszeit ist eher hoch, aber die reine Unterrichtszeit pro Jahr liegt mit 641 Stunden leicht unter dem OECD-Durchschnitt. Und das bedeutet, dass Lehrkräfte im Verhältnis mehr Zeit haben für die Unterrichtsvorbereitung und die Interaktion mit den Schülern außerhalb des Unterrichts.

Finanziell sei der Lehrerberuf in Deutschland nach wie vor attraktiv, erklärte Andreas Schleicher. Was aber zu wünschen übrig lasse, sei die intellektuelle Attraktivität des Berufs. „Es gibt im Grunde keine Aufstiegsmöglichkeiten und keine Differenzierung der Aufgaben je nach Interesse und Begabung. Es fehlt an Mentoren für die beginnenden Lehrkräfte, und es gibt immer noch zu wenig professionelle Zusammenarbeit im Team.“

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