Wenn Greta die Augen schließt, ist sie eine brillante Keglerin. Dann greift Greta zur Kugel, bringt sie mit Wucht und Gefühl auf die Bahn und kegelt alles um. Wenn Greta die Augen aufmacht, ist die Kugel ein Kohlkopf, die Bahn ein Bauernhof, der Hühnerhaufen verschreckt auseinander gelaufen und der prächtige Hahn leider tot. Um die kleine, aber das Leben so bestimmende Differenz zwischen Tagträumen und Traumtagen geht es in Vivian Naefes wunderbarer Tragikomödie "Einer geht noch". In Lotheim geht nämlich seit langem nichts mehr. Die örtliche Wasserbettenfabrik muss schließen, das Dorfkino ist nicht mehr zu retten, und auch der lang ersehnte Sieg beim traditionellen "Alemannen-Cup" wird die Agonie in der Ruhrpott-Region nicht aufhalten können. Weswegen die Kegler der Herrenmannschaft lieber gleich zu Hause blieben und in der Kneipe ihre Arbeitslosigkeit begießen, statt zu den anstehenden Vorausscheidungen zu fahren. Sicheres Gefühl für StimmungenEs ist schließlich das Damen-Team, das die Ehre des Ortes nicht kampflos preisgeben will. Mutig machen sich die Frauen auf nach Berlin, und auf diesem Weg werden sie mit ihren heimlichen Träumen, lang gehegten Hoffnungen, ungestillten Sehnsüchten konfrontiert. Keine der von Buchautor Christian Jeltsch so liebevoll gezeichneten Heldinnen wird bei ihrer Rückkehr noch so sein, wie sie war. Dass diese Beweglichkeit, Lebenslust und Selbstironie in jeder Minute glaubwürdig ist, liegt an der Schar brillanter Schauspieler. Und an der Regisseurin Vivian Naefe, deren sicheres Gefühl für Timing und Stimmungen, Charaktere und Milieu die Geschichte so leichtfüßig zum Leben erweckte. Ihr Film wurde im Vorfeld bereits mit der britischen Sozialkomödie "Ganz oder gar nicht" verglichen. Völlig zu Recht.Einer geht noch, 20.15 Uhr, ARD
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