Vor drei Jahren mobbte Pferdebesitzer von Ullmann Reiter Suborics aus dem Job. Jetzt erhebt er ihn zum Privatjockey

Wiedergutmachung des Barons

Karl-Heinz Bergmann
4 Min

BERLIN, 1. Oktober. "Es ist der Tag der Deutschen Einheit, und wir wollen dementsprechend guten Sport bieten." Peter Boenisch, Präsident des Union-Klubs, hatte das Versprechen abgegeben, lange bevor Pferde und Reiter für den Renntag am 3. Oktober auf der Galoppbahn Hoppegarten feststanden.Das Versprechen wird eingelöst. Zwar kann sich das Starterfeld für den zum zwölften Mal stattfindenden "Preis der Einheit" nicht an dem des Premierenjahres messen, aber die Zeiten haben sich ja auch geändert. 1991 hatte die Vereinigungseuphorie die Menschen ergriffen. Nichts schien unmöglich. Zigarren-König Zino Davidoff spendierte das Preisgeld am ersten Jahrestag der deutschen Einheit: stattliche 520 000 Mark (ca. 260 000 Euro). Das lockte die internationale Elite an. Der in England trainierte Hengst George Augustus gewann, die Siegprämie ging an Dubai-Scheich Mohammed. Einkehr der Bescheidenheit Vergangenheit. Längst ist Bescheidenheit auf der Galoppbahn Hoppegarten eingekehrt. Nach all den Turbulenzen der zurückliegenden Jahre - zwischenzeitlich drohte die Insolvenz des Union-Klubs - darf es fast als Erfolg gewertet werden, dass es den Preis der Deutschen Einheit überhaupt noch gibt. Andere höherklassige Rennen, so das alljährliche Europa-Championat im August, haben längst das Zeitliche gesegnet. Der Preis der Deutschen Einheit 2002 ist mit 55 000 Euro dotiert. Was zur Folge hat, dass sich die ganz großen internationalen Ställe die Reise ersparen. Ein Gast aber kommt dennoch: der in Irland gezogene Valley Chapel, der in Norwegen vom Deutschen Wido Neuroth trainiert wird. Im Sattel sitzt der Schwede Frederic Johansson. Der sechsjährige Hengst hat in seiner Laufbahn bereits eine dreiviertel Million Euro auf das Konto seines Besitzers galoppiert. Ob sich Valley Chapel allerdings gegen die Übermacht aus den deutschen Rennställen durchsetzen kann, ist mehr als fraglich. Denn die bieten das Beste vom Besten für das Rennen über 2 000 Meter. Trainerchampion Andreas Schütz vertraut Vorjahressieger Limericks Boy und und dem dänischen Jockey Lennart Hammer-Hansen, mit 86 Jahresiegen die Nummer zwei in der aktuellen Championatswertung hinter dem Österreicher Andreas Suborics (87 Siege). Der 31-jährige Wiener hat den Preis der Einheit bereits zweimal gewonnen: 1999 mit Kalatos und 2001 mit Limericks Boy. Diesmal wird Suborics auf dem vierjährigen Wallach Simoun sitzen. Der gehört dem Präsidenten des Kölner Rennvereins Georg Baron von Ullmann. Von Ullmann, beruflich als Banker in London engagiert, ist einer der einflussreichsten Männer des deutschen Galoppsports. Und mit 18 Siegen und einer Gewinnsumme von 863 839 Euro der erfolgreichste Besitzer 2002. Es gab Zeiten, da waren der Reiter und der Banker nicht gut aufeinander zu sprechen. 1998 hatte sich Suborics als Jockey-Nachfolger des oftmaligen Champions Peter Schiergen im renommierten Stall Asterblüte in Köln am Ziel seiner Wünsche gesehen ("Asterblüte ist der FC Bayern des Galoppsports"). Von Ullmann, die stärkste Kraft der Besitzergemeinschaft, aber mobbte den Österreicher schon nach einem Jahr aus dem Job. Wegen Unfähigkeit hatte es geheißen. Der neue Asterblüte-Trainer Peter Schiergen war anderer Meinung, musste sich aber dem Diktat des Geldes beugen.Weltenbummler im SattelSuborics zog weiter nach Bremen, sorgte mit den Pferden von Trainer Andreas Wöhler in Hongkong, Singapur, Dubai, Rom, Mailand, Baden-Baden, Toronto und auch in Hoppegarten für Furore. Von Ullmann sah schließlich ein, sich geirrt zu haben. Er beließ es nicht dabei, den Fehler rückgängig zu machen, sondern erhob den Österreicher jüngst in die exponierte Position eines Privatjockeys. Suborics wird künftig alle Pferde des Bankers reiten, egal bei welchem Trainer sie stehen. So muss auch der letztjährige Champion Andrasch Starke, Stalljockey bei Trainer Andreas Schütz, die dort stehenden Galopper dem Konkurrenten überlassen. Was Starke sicherlich schmerzt. Und so wird er beim Preis der Deutschen Einheit in Hoppegarten mit Tomori beweisen wollen, dass er der bessere Jockey ist. Auf die dreijährige Stute hat Suborics keinen Zugriff. Tomori ist im Besitz von Trainergattin Manuela Schütz.Foto: FRANK SORGE Millimetersieg: Beim Hansa-Preis Ende Juni in Hamburg setzten sich Andreas Suborics und Simoun (r. ) gegen Andreas Helfenbein und Well Made.

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