Dort begann die große Tournee der Halbfinale-Jurysitzungen der International Emmy-Awards, des wichtigsten Fernsehpreises der USA. Bevor es Jurysitzungen in Köln, Mexico City, Rio de Janeiro, Buenos Aires, Melbourne, Paris, Miami, Kiew, Budapest, Kopenhagen, Cape Town, Sidney und Bangkok geben wird, trafen sich Produzenten und Regisseure, Schauspieler und TV-Verantwortliche im extrem lauschig gelegenen Gästehaus des Auswärtigen Amts zum Auftakt des diesjährigen Jury-Marathons. Gastgeberin in Berlin war Produzentin Regina Ziegler, die im Jahr 2009 in der Kategorie „Fernsehfilm/Miniserie“ mit ihrer Produktion „Die Wölfe“ einen Emmy gewann, was neben der Retrospektive drei Jahre zuvor im Museum of Modern Art bisher ihre größte internationale Auszeichnung war.
Villa Borsig und der Emmy passen zueinander
Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, der als Schirmherr der Veranstaltung fungierte, freute sich über den Besuch der Emmy-Jury in Berlin. Er genoss es dabei sichtlich, Rosamunde Pilcher zu treffen. Dem Fan der Dauerserie „Lindenstraße“ fiel es nicht schwer, sich auch zu dieser Facette seines sehr wählernahen Geschmacks zu bekennen: „Ja, ab und zu schaue ich auch einen Pilcherfilm.“ Manchmal komme schließlich am Sonntagabend kein gescheiter Krimi im Ersten ...
Rosamunde Pilcher, die wie eine Literaturnobelpreisträgerin empfangen wurde, bedauerte am Rande angesichts des Regenwetters, dass sie den schottischen Sommer mit nach Berlin gebracht hat.
Wowereit weiß auch genau, was er sagen muss, um die Stadt für spitz rechnende auswärtige Produzenten interessant zu machen (denn an diesem Abend ging es schließlich nicht nur darum, Rosamunde Pilcher seiner beeindruckenden Privatsammlung von Promi-Treffen hinzuzufügen): „Durch Berlins attraktive Kosten- und Förderstruktur gibt es eine hervorragende Basis für Produktion und Kreativität.“ Früher behauptete er mal, Berlin sei arm aber sexy. Wenn es um die internationalen TV-Produzenten geht, verlässt Wowereit sich nun aber wohl doch lieber auf die Anziehungskraft des schnöden Mammons.
Regina Ziegler freut sich über den Coup, diese wichtige Auszeichnung zusammen mit dem Produzentenkollegen Michael Smeaton in ihre Heimatstadt gelockt zu haben. Und darüber, dass Wowereit (für sie „Klaus“) nicht zögerte: „Er hat sofort zugesagt, diese Schirmherrschaft zu übernehmen.“ Das und die Pracht der Villa Borsig verfehlte seine Wirkung nicht: „Ich empfange Signale von der Academy, dass man sich vorstellen kann, wieder nach Berlin zu kommen.“
Schauspielerin Katrin Saß besuchte nur den Empfang am Abend und war tagsüber nicht bei den Jurysitzungen dabei: „Man hat mich gefragt, ich habe aber abgesagt, weil mein Englisch dafür zu schlecht ist.“ Dafür saßen dann Regisseur Carlo Rola, Produzentin Alice Brauner und Schauspieler Friedrich Mücke in der Jury für lateinamerikanische Miniserien. Die waren mit englischen Untertiteln versehen, weil es sonst mit dem Verstehen nicht weit her gewesen wäre. Carlo Rola fand das „anstrengend, aber interessant“ und durfte ansonsten nichts sagen, weil die Jury geheim tagt. Alice Brauner: „Wir durften uns nicht einmal miteinander unterhalten.“
Interessant ist auf jeden Fall die Konstruktion, mit der Mauscheleien unterbunden werden: Bei den Jurysitzungen in Berlin wurde nicht über deutsche Produktionen entschieden, sondern über die Vorauswahl für die Emmy-Kategorien Fernsehfilm/Miniserie (englischsprachig), beste darstellerische Leistung einer Schauspielerin (Asien), Kinder-Fernsehfilm/Miniserie (englischsprachig), Fernsehfilm/Miniserie (Lateinamerika). So kam niemand in die dumme Situation, einen Freund oder Gesprächspartner bevorzugen zu müssen.
Die 40. Verleihung der International Emmy Awards in insgesamt 20 Kategorien soll es am 19. November in New York geben.
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