Vorsicht, Aufschwung!

Birgitt Eltzel
2 Min

Tausende Menschen passieren täglich den Bahnhof Alexanderplatz. Es sind Touristen aus Italien und Spanien darunter, Leute aus Australien und Kolumbien und auch Besucher aus Baden-Württemberg. Berliner hasten auf dem Weg zur Arbeit und nach Hause zu U- und S-Bahnen oder zum Regionalexpress. Manchmal legen sie einen Stopp in den Geschäften der Bahnhofspassage ein, um Gesichtscreme, Katzenfutter oder Zigaretten zu kaufen. Dann geht es weiter. Zum Bummeln hat kaum einer Zeit.So bemerken auch die wenigsten die Plakate zu ihren Füßen. Schon lange sind spezielle Folien im Format A0 auf dem Bahnhofs-Fußboden aufgebracht. Sie werben für den Besuch einer Männertruppe, die im Theater am Potsdamer Platz mit blauer Farbe um sich wirft. Jetzt gibt es neue Folien im Bahnhof. Sie erinnern an deutsche Ortseingangsschilder: Auf gelbem Grund ist "Krise" mit roter Farbe durchgestrichen, darüber verheißt ein schwarzer Pfeil auf weiß die nächste Etappe: "Aufschwung". Und damit das auch jeder kapiert, steht auf der Plakatsäule die Erläuterung: "Es geht wieder aufwärts." Das meint jedenfalls das Bundeswirtschaftsministerium, das solcherart für eine Gründerwoche wirbt.Die eiligen Fahrgäste haben kaum einen Blick dafür. Im Gegenteil, sie treten die Worte mit Füßen. Vorsicht Leute, passt bloß auf, wohin Ihr die Treter setzt: Wissen wir doch alle, dass der Aufschwung ein ganz, ganz zartes Pflänzchen ist.

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