Kolumne

Vorsicht, Outsourcing ist für Unternehmen so kompliziert wie die Partnerwahl!

Prüfe, wer sich ewig bindet: Dieser Grundsatz ist nicht nur in der Partnersuche, sondern auch in der IT hilfreich, wenn es um Outsourcing geht.

3 Min
Waldemar Grudzien

Waldemar Grudzien

© CORE SE

Die IT im Finanzsektor, das heißt Banken, Versicherungen, Zahlungsinstitute und E-Geld-Institute, sowie in Kritischen Infrastrukturen unterliegt mannigfaltigen gesetzlichen Anforderungen. Zu nennen sind da die Kodexe BAIT, VAIT, ZAIT und IT-Sicherheitsgesetz. Diese stellen unter anderem Anforderungen bezüglich des Outsourcings von IT-Dienstleistungen (bei Banken und Finanzinstituten Auslagerung und bei Versicherungen Ausgliederung genannt). Diese lauten in etwa so: Prüfe, wer sich ewig bindet, ob dieser Outsourcing-Partner erstens vertrauenswürdig, verlässlich und überhaupt belastbar ist, sozusagen in guten wie in schlechten Zeiten.

Zweitens, und hier kommt der erste Unterschied zum Institut der Ehe: Bedenke immer, was passiert, wenn dein Outsourcing-Partner dich nicht mehr mag und den Vertrag kündigen will! Das war die Variante mit Vorankündigung. Es gibt auch die Variante ohne, übertragen auf die Ehe das „Schatz ich muss mal kurz Zigaretten holen“: Dann hat der Outsourcer ein schwerwiegendes Problem! Denn er muss die abrupt nicht zur Verfügung stehende Ressource ersetzen.

Neu im Forderungskatalog ist die Exit-Strategie

Diese „Überraschungsvariante“ gibt es auch von einem Staat angeordnet. Das nützt zwar dem „Verlassenen“ nicht weiter, denn ohne IT ist ohne IT, aber der Systematik halber sei das hier genannt. Und viertens und letztens gibt es natürlich auch die Variante, dass sich der Outsourcer selbst von seinem Outsourcing-Nehmer trennen will, übertragen ist das der „Schatz, lass uns reden“-Ansatz. Ihr Kopf glüht, werte Leserinnen und werte Leser? Also zusammengefasst gibt es vier Ausstiegsszenarien: vor der Ehe, währenddessen abrupt oder mit Ansage und die staatlich unterstützte abrupte Variante.

Zu den Unterschieden zur Ehe: Während man/frau/div in der Ehe das Risiko gar nicht streut und alles auf eine Karte setzt und tunlichst nicht an eine bessere Variante denken sollte – denn das macht alles kaputt –, verlangt die Compliance genau das bei der Wahl des Outsourcing-Partners. Da geht es um Geschäftsfortführungspläne (BCP), Geschäftsauswirkungsanalysen (BIA), Risikoauswirkungsanalysen (RIA), Notfallpläne in Notfallhandbüchern (nein, beide haben keine 3-Buchstaben-Abkürzung) und noch weitere Analysen und Pläne. Richtig, es muss auch geübt werden, denn im Ernstfall hilft nur simulierte Erfahrung (wie bei einer Impfung). Das nennt sich dann Notfallübungen und Alarmierungstests. Und neu im Forderungskatalog ist die Exit-Strategie! Diese muss alles enthalten, um un-/freiwillig den Partner zu wechseln.

Selbst die größten Traumtänzer müssen irgendwann die Realitäten anerkennen

Das war der Teil zum Ochsen. Kommen wir noch kurz zum Jupiter. Wo Jupiter wie beschrieben viel von der Wirtschaft bei Resilienz und risikoaffiner Vorausschau und Planung verlangt, hat der Staat selbst eklatant versagt. Er hat sich mustergültig wie in einer Ehe verhalten: Alle Karten auf eine große Liebe gesetzt, in der Ehe nicht nach links und rechts geschaut und in Nibelungentreue selbst dann unerschütterlich zum Partner gehalten, als Freund und Feind längst zu mehreren und anderen Partnern rieten. Doch selbst die größten Traumtänzer müssen irgendwann die Realitäten anerkennen. Nun ist das Geheule groß, die Partner rar und die Scheidung wird noch sehr viel echtes, politisches und moralisches Kapital zerschlagen. Korrekt, die Rede ist von unserer fossilen Partnerschaft.

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