BERLIN, 5. April. Auch im laufenden Jahr wird das Geschäft der Bankgesellschaft Berlin durch hohe Aufwendungen für die Risikovorsorge belastet. Das sagte Wolfgang Rupf, der Vorstandssprecher des Konzerns, im Gespräch mit der "Berliner Zeitung". Trotz der Wertberichtigungen für 1998 in Höhe von 1,7 Milliarden Mark netto (brutto: 2,1 Milliarden Mark) müsse das Institut wiederum hohe Korrekturen vornehmen. Für 1999 sei daher mit Risikoaufwendungen von gut einer Milliarde Mark zu rechnen, sagte Rupf."Wenn es das Geschäftsergebnis zuläßt, werden wir die Milliarde auch als Risikovorsorge ausweisen", so Rupf. In diesem Betrag werde dann aber "ein gewisser Teil an Vorsorge" stecken. In den drei Jahresabschlüssen seit Eintritt Rupfs in den Konzern hatte die Bankgesellschaft Berichtigungen von jeweils mehr als einer Milliarde Mark ausgewiesen. Daß ihm die Eigentümer dies nicht als Versagen anlasten, ist für Rupf nur selbstverständlich: "Die Wertberichtigungen waren absolut notwendig." Der "Nachsorgebedarf" des Instituts resultiere aus Entscheidungen, die vor seinem Amtsantritt gefällt worden seien.Neugeschäft mit kleinem RisikoÜber das Neugeschäft mit Volumina von mehr als fünf Millionen Mark lasse er sich laufend informieren. Zwar gebe es auch dabei vereinzelte Fehlschläge, die stünden jedoch in keinem Verhältnis zu den seit 1990 übernommenen Risiken. Rupf: "Wir betreiben eindeutig Nachsorge." Mit Kritik an seinen Amtsvorgängern hielt sich Rupf dennoch zurück. Die Hauptstadt-Euphorie der frühen 90er Jahre habe Fehlbewertungen begünstigt, sagte er. So sei man damals von einer Bevölkerungszunahme bis zu fünf Millionen Einwohnern für Berlin ausgegangen. Entsprechend optimistisch seien die Engagements im Immboliengeschäft ausgefallen. Dabei habe man jedoch außer acht gelassen, daß Berlin mit dem Mauerfall aus der Insellage befreit und erstmals seit fünfzig Jahren wieder Zugang zum Umland gewonnen habe. Entsprechend hoch sei in den vergangenen Jahren die Abwanderungswelle gerade auch vermögender Berliner Haushalte in die Region ausgefallen. Dies habe so niemand vorausgesehen, auch seine Amtsvorgänger nicht. Rupf: "Auch Banker haben ein Recht auf Irrtum."Bei seinem Eintritt in die Bankgesellschaft 1996 sei das Berichtswesen des Hauses nicht sonderlich ausgeprägt gewesen, sagte Rupf. Vor dem Hintergrund dieses "Erkenntnisdefizits" habe der Konzern allzulang versucht, die sich aus den falschen Weichenstellungen der Vorjahre entwikkelnden Risiken durch eine Ausweitung des Geschäftsvolumens zu überspielen. Rupf: "Als ich anfing, lag mein Erkenntnisstand hinsichtlich der tatsächlichen Dimension der Konzernrisiken bei Null." Nur so habe die Situation entstehen können, daß die Bankgesellschaft für das Geschäftsjahr 1996 überhaupt noch eine Dividende auszahlte. Diese Zahlung mußte seinerzeit komplett aus der Substanz bestritten werden. Der geplante Verbund mit der NordLB habe sich später bremsend auf die fällige Umstrukturierung des Konzerns ausgewirkt, sagte Rupf. Allerdings sei das Scheitern der Fusion kein Hinweis darauf, daß die NordLB bei der Bewertung ihres potentiellen Partners noch mehr Risiken gefunden habe als dieser selbst. Rupf: "Die NordLB vermutete die Probleme in erster Linie bei unserer Immobilien- und Baumanagement-Tochter." Die jedoch arbeite nachweislich profitabel, und das Fondsgeschäft habe sich positiv entwickelt. Rupf: "Diesen Trend wollen wir ausbauen." Vorgesehen sei eine vorsichtige Ausweitung des Neugeschäfts der Immobilien-Tochter IBG in Deutschland und einigen Ländern Mittel- und Westeuropas.Wesentliche Risiken für die Zukunft sieht Rupf vor allem im Geschäft mit Mittelständlern, die durch Immobilienprojekte versucht haben, in ihrem Kerngeschäft einen "Quantensprung" zu erreichen. Hier gehe die ursprüngliche Kalkulation vielfach nicht mehr auf. Gerade vor diesem Hintergrund lege der Vorstand größtes Gewicht auf mehr Risikotransparenz, sagte Rupf. Bis Mitte dieses Jahres sei die Bonitätseinschätzung aller relevanten Kreditengagements abgeschlossen. Derzeit liege der Kenntnisstand bei rund 80 Prozent.
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