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Kiezleben

„Alle Vorurteile über Prenzlauer Berg sind wahr“: Reddit-Post entfacht Debatte

Ein Reddit-Nutzer behauptet, dass die Bewohner Prenzlauer Bergs ihr Umweltbewusstsein heucheln. Auch weitere Vorurteile über den Stadtteil sollen stimmen. Eine Diskussion bricht aus.

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Über die Bewohner von Prenzlauer Berg kursieren einige Vorurteile. In einem Online-Post werden sie bestärkt.

Über die Bewohner von Prenzlauer Berg kursieren einige Vorurteile. In einem Online-Post werden sie bestärkt.

© Zoonar/imago

Die Straßen zeichnen sich durch kleine Cafés, alternative Geschäfte und Kübel mit Pflanzen an den Hauswänden aus. Zwischen den Läden, mit nachhaltiger Kleidung und veganem Eis, sind die Familien unterwegs. Auf den Gehwegen vor den Bioläden werden die Lastenräder abgestellt.

An dem Ortsteil Prenzlauer Berg in Berlin-Pankow scheiden sich schon lange die Geister. Für die Einen ist es der Rückzugsort in Berlin, um von dem Trubel und dem Dreck im Rest der Stadt wegzukommen, für andere ist es ein Symbol der Gentrifizierung und der Scheinheiligkeit der gehobenen Mittelschicht. 

Prenzlauer Berg: Nutzer über die Umweltheuchelei der Bewohner

Auf Reddit berichtet ein Nutzer von seiner Erfahrung in dem Stadtteil und löst eine Debatte aus. Er kommt zu dem Schluss: Alle Vorurteile über Prenzlauer Berg sind wahr. Anwohner durchkämmen den Müll, um falsch recycelte Joghurtbecher aufzuspüren und den anderen zu belehren, schreibt er. Die Umweltprobleme würden insbesondere dann angeführt, wenn es in die eigene Agenda passe.

Zudem nutzten sie ihre „Umweltüberlegenheit“, um den eigenen „inneren Faschisten“ zu rechtfertigen. Etwa wenn es gelte, eine Flüchtlingsunterkunft im eigenen Kiez zu verhindern, um einige alte Bäume zu retten. Gleichzeitig würden sie Anti-AfD-Plakate in ihren Fenstern präsentieren. Auch die Biomärkte gebe es zum Teil nur, damit die bürgerlichen Menschen unter sich bleiben könnten, behauptet der Autor des Posts.

In die Beschreibungen stimmen viele andere, offenbar selbst in Prenzlauer Berg lebende Menschen, ein. Rund 300 Kommentare befassen sich mit den Eigenheiten der Bewohner. Viele sind sich einig: Unter den Prenzlauer Bergern leben einige Umweltheuchler. So berichtet jemand, dass er von seinem Mitbewohner gescholten worden sei, dass er seine Familie in den USA mit dem Flugzeug besucht. Kurz darauf sei der Mitbewohner selbst für einen „dringenden“ Kurzurlaub auf die Azoren geflogen.

Onlinedebatte: Tummeln sich in Prenzlauer Berg die NIMBYs?

Das Kürzel NIMBY fällt häufiger. Es steht für „Not in my backyard“ und bezeichnet Menschen, die bestimmte politische Positionen vertreten, diese aber ändern, sobald sie persönlich davon betroffen sind. Das kann zum Beispiel den sozialen Wohnungsbau, Migration oder erneuerbare Energie betreffen. So soll der Vorschlag, das Kind doch einfach auf die nächstgelegene Schule zu schicken, auf einer Party in einer teuren Wohnung in Prenzlauer Berg für Erheiterung gesorgt haben. Schließlich würden die ganzen ausländischen Kinder, das andere Kind zurückhalten. „Peak migrant nimbyism“, lautet der Kommentar dazu.

Die Nutzer berichten in verschiedenen Anekdoten von einer Ignoranz der bürgerlichen Anwohner in Prenzlauer Berg gegenüber Ärmeren. So schreibt einer, dass seine Büromitarbeiter sich für die Erhöhung der Flugpreise aussprachen. Auf die Frage, ob sich wie früher nur noch reiche Westeuropäer das Reisen leisten können sollen, müssten aber dann plötzlich alle zurück zur Arbeit.

Prenzlauer Berg: Bewohner freuen sich über Sauberkeit und Ordnung

Doch auch Verteidiger des Ortsteils finden sich unter den Kommentatoren. So kann der Nutzer Lost_Howl mit den Schattenseiten der Gegend leben, denn im Gegenzug brauche er sich nicht mit Faschisten und Möchtegern-Gangstern herumschlagen, schreibt er. In Prenzlauer Berg könne man einen Blumentopf zum Verschenken aufstellen, ohne dass jemand sofort hineinpinkele. Da müsse man abwägen.

Das Thema Sauberkeit scheint auch für viele andere Nutzer ein Pluspunkt in Prenzlauer Berg zu sein. „Ich mag es aus der Tür zu gehen und nicht sofort in Hundekacke, Müll oder zerbrochenes Glas zu treten“, heißt es in den Kommentaren. Ein weiterer Nutzer schreibt, „Kinder, merkt euch, Menschen können Ordnung und Sauberkeit dem Chaos vorziehen, ohne automatisch ein Faschist zu sein, richtig?“.

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