Diplomatie

Vorwurf russischer Cyberangriffe: Berlin bestellt russischen Botschafter ein

Deutschland, Frankreich, Polen: Eine Einheit des russischen Geheimdienstes soll nach Angaben der EU ganz Europa im Visier haben. Nun folgt die Antwort aus Brüssel und Berlin.

2 Min
Das Auswärtige Amt bestellte am Montag den russischen Botschafter ein.

Das Auswärtige Amt bestellte am Montag den russischen Botschafter ein.

© Monika Skolimowska/dpa

Die EU hat Russland für eine Serie von Cyberangriffen auf EU-Staaten und die Ukraine verantwortlich gemacht. Deutschland bestellte am Montag den russischen Botschafter Sergei Netschajew ein und kündigte weitere Sanktionen an, wie das Auswärtige Amt im Onlinedienst X mitteilte. „Cyberangriffe gegen Deutschland, EU-Partner und die Ukraine sind inakzeptabel“, hieß es weiter.

Das Gespräch mit dem Botschafter habe am Montagvormittag stattgefunden, sagte eine Ministeriumssprecherin laut der Nachrichtenagentur AFP vor Journalisten.

Für die Angriffe verantwortlich ist nach Angaben des EU-Außenbeauftragten das 16. Zentrum des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB, das mehrere Hackergruppen kontrolliere, darunter die als Turla bekannte Gruppe. Der FSB habe seit Jahren zunehmend schwerwiegende Cyberangriffe auf die EU, ihre Mitgliedstaaten und internationale Partner ausgeführt, hieß es in einer in Brüssel veröffentlichten Erklärung.

Betroffen seien unter anderem Frankreich, Deutschland, Polen, Zypern, die Niederlande, Österreich, die Slowakei, Rumänien und Finnland. In Frankreich habe das 16. Zentrum seit 2010 strategische Regierungsstellen und im Jahr 2025 die Rüstungsindustrie ausgespäht. In Deutschland habe der Geheimdienst Regierungsstellen angegriffen. In Polen seien zuletzt kritische Infrastruktur wie Heiz- und Kraftwerke sabotiert worden.

Nach Überzeugung der EU nutzt der FSB für seine Aktivitäten ein ganzes „Cyberökosystem“, das staatliche und nicht staatliche Akteure umfasst.

Sanktionen gegen neun Personen und vier Organisationen

Die EU verhängte nach eigenen Angaben Sanktionen gegen neun Personen und vier Organisationen. Betroffen seien Offiziere des Militärgeheimdienstes GRU sowie Cyberkriminelle, selbst ernannte „Hacktivisten“ und private Unternehmen, die zu Russlands Bemühungen beitrügen, die EU und ihre Partner zu destabilisieren.

Die EU verwies zudem auf eine enge Abstimmung mit dem Vereinigten Königreich. Man werde die Zusammenarbeit mit internationalen Partnern, auch mit der Nato, weiter ausbauen. Alle Staaten, auch Russland, seien aufgerufen, den UN-Rahmen für verantwortungsvolles staatliches Verhalten im Cyberraum einzuhalten.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema