Diese Begebenheit wirft ein Schlaglicht darauf, wie es um viele Dienstgebäude der Berliner Polizei steht. Ratten gab es im feuchten Keller des Abschnitts 42 schon immer. Aber so frech haben sie sich noch nie nach oben getraut.
Das Haus an der Schöneberger Hauptstraße 45 gilt als marodestes Dienstgebäude der Polizei: Durch das Dach regnet es durch, die Dachbalken vermodern, die verstopften Regenrinnen laufen über, im Gebälk sitzt der Hausschwamm. In mehreren Räumen sichern Stützbalken die Decken ab, damit diese nicht einbrechen.
Desolate Gebäude
Am Abschnitt 61 (Pablo-Picasso-Straße) in Hohenschönhausen hängen Fangnetze an der Fassade, weil Putz herabfällt. Eine Polizistin wurde von einem Steinbrocken am Arm getroffen.
Die Abschnitte 52 (Friesenstraße, Kreuzberg) und 44 (Götzstraße, Tempelhof) sind ebenfalls marode.
Desolat sind auch die Schießstände. 11 von 73 Schießbahnen sind nutzbar. Bis Sommer soll die Anlage in Wannsee mit 23 Bahnen saniert sein. Bis 2018 sollen auch vier modulare Raumschießanlagen mit jeweils sechs Bahnen entstehen.
Zuständig für 82 000 Einwohner
Die im Jahr 1865 gebaute Stadtvilla, in der rund 170 Polizisten und Angestellte arbeiten, wird immer wieder von Havarien heimgesucht. Im Dezember 2013 waren die Sanitärtrakte von den Legionellen befallen.
Im Februar 2014 platzte ein Wasserrohr und überflutete den Keller, in dem sich unter anderem der Sicherungskasten befindet, mit etwa 30 Kubikmetern Wasser. Heizung, Wasser und Strom wurden abgestellt, über ein Notstromaggregat konnten über Tage nur drei Räume mit Strom versorgt werden. Polizeipräsident Klaus Kandt musste damals den Abschnitt 42 für den Publikumsverkehr schließen lassen. Dabei ist der Abschnitt für mehr als 83.000 Einwohner in Friedenau und im Süden Schönebergs zuständig.
Belastung mit einem längst verbotenen Holzschutzmittel
Im August 2015 musste das Haus zum Teil gesperrt werden, weil Raumluftmessungen eine erhöhte Belastung mit einem längst verbotenen Holzschutzmittel anzeigten. Den Mitarbeitern, die auf andere Gebäude verteilt wurden, legte man nahe, ihre Kleidung, die in den Räumen lag, daheim zu waschen. Wer am nächsten Tag kam und seine Uniform noch nicht gewaschen hatte, durfte in ziviler Kleidung seine Arbeit erledigen.
Das Objekt wird von einer alten Steinmauer begrenzt, die wegen Einsturzgefahr auf einer Länge von rund 17 Metern abgetragen werden musste. Auf dieser Länge wurde sie durch einen Bauzaun ersetzt, der den Abschnitt vom Nachbargrundstück abtrennt. Zusätzlich gesichert ist der Bauzaun durch Stacheldraht. Die Mitarbeiter des Polizeiabschnitts sehen dadurch nicht nur eine Verletzungsgefahr für die Kinder sondern auch einen Imageschaden für die Polizei.
Wiedermal im Abschnitt 42: Am Freitagmorgen erlebte eine Polizistin eine böse Überraschung.
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Auch in anderen Dienstgebäuden der Polizei sieht es schlecht aus: Wasser im Keller, oder Heizungen funktionieren im Winter nicht. Die Mitarbeiter der Mordkommissionen mussten wochenlang ihr Kaffeewasser selbst mitbringen, weil in dem alten Haus an der Schöneberger Keithstraße die bleiernen Wasserleitungen ihr giftiges Schwermetall ans Wasser abgaben.
Gebäude soll in den nächsten Jahren aufgegeben werden
„Es ist eine Zusammenlegung des Abschnitt 42 mit dem 41er beabsichtigt“, sagt Polizeisprecher Thomas Neuendorf. „Das Gebäude soll in den nächsten Jahren aufgegeben werden. Das, was absolut notwendig wird, wird gemacht, aber es gibt keine grundlegende Sanierung.
Seit 30 Jahren gebe es Versäumnisse und einen Sanierungsstau von einer Milliarde Euro bei der Polizei und 170 Millionen Euro bei der Feuerwehr, sagte Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses. Aber zunächst seien die Schulen bei den Renovierungsmaßnahmen dran, wofür fünf Milliarden Euro eingeplant sind. Für Polizeiwachen seien im Haushalt lediglich 40 und für die Feuerwehrgebäude zehn Millionen Euro eingeplant. Und bevor die Diensträume schöner gemacht werden, soll die Polizei mit 45 Millionen Euro aufgerüstet werden.
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