Wenn tausende Menschen baden

Diese Rettungsschwimmer sind die Helden auf dem Wasser

Während die Badegäste ihre freie Zeit genießen, haben Rettungsschwimmer viel zu tun.

Florian Thalmann
4 Min
Tausende Badegäste kommen an den heißen Sommertagen an den Wannsee. Für die Rettungsschwimmer bedeutet das: Sie müssen ständig in Alarmbereitschaft sein. 

Tausende Badegäste kommen an den heißen Sommertagen an den Wannsee. Für die Rettungsschwimmer bedeutet das: Sie müssen ständig in Alarmbereitschaft sein. 

© imago/Ulli Winkler

Eine der wichtigen Stationen der DRK-Retter ist der Wannsee: Hier arbeiten auch Sandro Wagenknecht (19) und Paula Molnar (19). Die beiden sind fast jedes Wochenende im Einsatz, verbringen ihre Freizeit in der Wasserwacht. „Wir stehen um 8 Uhr auf, dann werden die Boote eingeteilt“, sagt Sandro.

„Nach dem Frühstück fahren wir auf Patrouille.“ Am häufigsten haben sie mit gekenterten Seglern zu tun oder mit Hobby-Kapitänen, die auf Sandbänke stoßen. Auch wenn beim Baden jemand verschwindet, muss alles schnell gehen.

„Wir fahren ausgerüstet zum Einsatzort, bilden eine Tauchkette und suchen unter Wasser. Wenn wir in einer Tiefe von drei Metern niemanden finden, kommen unsere Taucher“, sagt Paula Molnar. Bei ihren Einsätzen erleben die Wasser-Retter viele spannende Geschichten. Sie berichteten von ihrem Weg zur Wasserwacht, ihrer Motivation und besonderen Erlebnissen am See.

Die Wasserwacht sucht immer Helfer. Interessierte können sich unter 030-6003001190 melden oder unter wasserwacht@drk-berlin.de.

Sandro Wagenknecht: Mit sieben Jahren Leistungsschwimmer 

Seit der Kindheit sei Wasser sein Element, sagt Sandro Wagenknecht. „Wenn ich schwimme, fühle ich mich schwerelos.“ Der 19-Jährige ging schon im Alter von sieben Jahren zum Leistungsschwimmen, nahm an Wettkämpfen teil. Seit vier Jahren schwimmt er beim DRK für Menschenleben. „Meine Eltern waren Rettungsschwimmer, deshalb sprachen wir am Esstisch oft über die Einsätze. Das fand ich so spannend, dass ich es ausprobieren wollte“, sagt er.

Sandro Wagenknecht war früher Profi-Schwimmer.

Sandro Wagenknecht war früher Profi-Schwimmer.

© Volkmar Otto

Sein einprägsamster Einsatz drehte sich um ein auf Grund gelaufenes Boot. „Der Bootsführer stieß mit seinem Außenbordmotor an eine Stange, die aus dem Wasser ragte, dabei entstand ein Riss im Boot. Statt anzulegen, sollte seine Tochter Wasser schöpfen. Er kam 800 Meter weit, dann lief er auf Grund.“

Laura Motzek: Mit viel Leidenschaft

Laura Motzek (19) ist seit 2009 beim DRK, trat in die Jugendabteilung ein, vor vier Jahren kam sie zur Wasserrettung. Sie sagt, sie habe früher Medizin studieren wollen. „Ich habe mich immer mit Erster Hilfe beschäftigt, habe aber nach einem sportlichen Hintergrund gesucht.“ Am Wannsee ist sie jedes Wochenende. Viel Leidenschaft stecke darin, man müsse aber auch ein dickes Fell haben. „Wir kümmern uns nicht nur um Verletzte, auch um Angehörige.

Laura Motzek ist jedes Wochenende am Wannsee. 

Laura Motzek ist jedes Wochenende am Wannsee. 

© Volkmar Otto

Ich hatte kürzlich eine Personensuche im Wasser. Als wir eintrafen, war der Vermisste gefunden. Aber die Familie war mit auf dem Boot, sie mussten alles mit ansehen. Wir versorgten sie, das geht ans Herz. Aber da ich mit dem Job aufgewachsen bin, habe ich ein anderes Verständnis für solche Dinge als andere.“

Paula Molnar: Dankbarkeit spüren

Für Paula Molnar (19) aus Marzahn ist es die schönste Motivation, die Dankbarkeit der Menschen zu spüren, denen sie mit ihrem Einsatz helfen kann. „Vor ein paar Wochen half ich zwei Seglern, die mit ihrem Boot auf dem Wannsee gekentert waren. Sie waren völlig entkräftet, konnten nicht mehr“, erzählt sie. „Also fuhren wir hin, holten die beiden auf unser Boot und ich stellte ihr Segelboot wieder auf.“

Paula Molnar ist seit drei Jahren beim DRK.

Paula Molnar ist seit drei Jahren beim DRK.

© Volkmar Otto

Sie seien glücklich gewesen, dass sich die Retter um sie kümmerten. „Solche Momente sind ein großer Anreiz.“ Paula kam durch eine Freundin schon früh zum Schwimmen, stieg mit 11 bei den Junior-Wasserrettern ein. „Mit 16 kam ich dann erstmals auf eine DRK-Station, es gefiel mir super. Heute bin ich jedes Wochenende draußen.“

Dennis Lloyd Brätsch: Fasziniert vom Blaulicht

Schon 2014 trat Dennis Lloyd Brätsch (22) ins Deutsche Rote Kreuz ein, damals arbeitete er als Sanitäter an Land. Das Blaulicht faszinierte den Marzahn-Hellersdorfer immer – deshalb betreibt er den Internet-Blog „Blaulichtreport“ mit Nachrichten von Feuerwehr- und Polizeieinsätzen. Zwischendurch kam er zu Besuch zur Wasserwacht.

Dennis Lloyd Brätsch koordiniert die Einsätze.

Dennis Lloyd Brätsch koordiniert die Einsätze.

© Volkmar Otto

„Es gefiel mir so gut, dass ich blieb. Als Sanitäter hat man oft auf großen Festen zu tun, aber hier ist die Herausforderung eine andere. Auch, weil wir auf dem Wasser zum Beispiel keine Straßennamen haben.“

Gerade für Dennis ist das wichtig: Er sitzt in der Leitstelle, koordiniert die Einsätze. „Einmal fuhr ich als Sanitäter zu einem Notfall mit – dort hatte eine Frau einen allergischen Schock wegen eines Bienenstichs.“

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