Stadtbild

Warum ich über jeden Hauch von Freundlichkeit froh bin

Es gibt sie noch die Freundlichkeit in der Stadt. Mir ist es selbst passiert.

Lutz Schnedelbach
3 Min
Ein freundlicher Taxifahrer versüßte mir den Tag, in dem er auf mich wartete und die Uhr ausschaltete.  

Ein freundlicher Taxifahrer versüßte mir den Tag, in dem er auf mich wartete und die Uhr ausschaltete.  

© imago images / Bernd Friedel

Der Fahrer störte sich nicht an seinen Fahrgästen. Er fuhr einfach. Auch beim Aussteigen ging alles gut, keine Drängelei, wie sonst. Keine Koffer versperrten den Weg. Das sonnige Wetter schien viele Leute zu beruhigen. In einem der beiden großen Elektronik-Märkte auf dem Alexanderplatz wollte ich dann eine neue Speicherkarte für den Fotoapparat erwerben. Fachkundige Beratung hatte ich nicht mehr erwartet, nach dem ich vor kurzem einen Verstärker für das Internet in meiner Wohnung kaufen wollte.

Kein Verkäufer war in der Nähe. Nur ein Lehrling. Den sprach ich freundlich an und sagte ihm, was ich suche. Zugegeben, meine Frage war nicht ganz fachkundig. Egal. Er motzte mich an, dass es Repeater hieße, nicht Verstärker und fragte, ob ich keine Ahnung hätte. Ich erwiderte, dass man das doch merke und ich ihn deshalb um Hilfe bitte.

Sonst wäre mir nicht eingefallen, ihn anzusprechen. „Steht doch allet druff“, so der Auszubildende. Fehlte nur noch der Satz „Du Dödel.“ Gesagt hat er es nicht. Er ließ mich aber stehen, der Bengel. Mein Internet funktioniert immer noch nicht reibungslos.

Wenn der Taxifahrer auf dich wartet 

Eine neue Speicherkarte habe ich aber. Dafür brauchte ich keine Hilfe. Ich hatte die alte Karte extra mitgenommen. Doch dann passierte es, was ich nicht zu glauben erhoffte und was den Tag noch rettete. Um dem Andrang in der Straßenbahn zu entgehen, setzte ich auf den Transport in einem Taxi. Ich entdeckte auch eins. Am Alex stehen meistens welche und warten auf Kunden. Ich kannte den Fahrer von vorherigen Fahrten. Er freute sich tatsächlich, mich zu sehen.

Ich wollte zur Sparkassenfiliale an der Danziger Straße, um eine Stromrechnung zu begleichen. Auf der Fahrt dorthin fragte der Chauffeur, wie ich nach dem Bankgeschäft von dort nach Hause kommen wolle. In einem Fahrzeug der BVG, antwortete ich. Egal ob Bus oder Straßenbahn. Laufen müsse ich das letzte Stück sowieso. Dann machte er mir einen Vorschlag, der es in sich hatte. Er würde warten, bis ich das Geld überwiesen habe. In dieser Zeit könne er eine Zigarette rauchen und einen Becher Kaffee trinken.

Auch die Uhr würde er abschalten, sodass mir keine zusätzlichen Kosten entstehen. Ich wusste nicht, wie mir geschah. Schwuppdiwupp war ich zu Hause. Ein sehr freundlicher Mann. Er war halt kein Lehrling.     

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