Lyrik

Warum Jesus, wenn auch Snickers geht: Die Poesie des Jakub Eskier

„Auf dem Nachbargleis“ – Jakub Ekiers Gedichte berichten vom Schrecken, in dem allein die Poesie noch hilft. Die Lyrikkritik

Björn Hayer
3 Min
Jaku Ekier

Jaku Ekier

© Lidia Sokal

Auf den ersten Blick scheint die Welt in Ordnung: Im Supermarkt läuft Musik, die Menschen essen ihr Brot oder warten im Bahnhof. Dass diese Alltäglichkeit in Jakub Eskiers Lyrik trügt, wird deutlich, sobald unversehens das Unheil in die Gedichte hereinbricht – wenn man von Bluttaten in den Zeitungen liest oder die Gewalt der „fünfzehn-zoll-kriege“ auf den heimischen Fernsehgeräten sichtbar wird.

Dabei erweist sich das Übel nicht nur als entfernte Chimäre, sondern zeigt sich ebenso als Naherfahrung. Insbesondere der Tod scheint allpräsent und durchkreuzt den Lauf der Dinge. Während in dem Abschiedspoem „wir wollten uns noch sehen“ diverse Buslinien vorüberfahren, wird gerade ein Sarg in die Erde gebettet. Derweil scheint der „gekreuzigte“ „zwischen zwei / schachteln snickers und einer tulpe aus holz“ in einem Krankenhauskiosk ein mehr als skurriles Nachleben zu führen. Verlieren wir somit den Blick für das, was wichtig ist? Sind wir in einen irreversiblen Werteverfall geraten?

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