An diesem Wochenende findet der Wettbewerb für junge Literatur, Open Mike, statt, zum 31. Mal. Viele renommierte Autorinnen und Autoren begannen mit einem Auftritt dort ihren Weg in die literarische Öffentlichkeit. Deshalb steht vor den Wettbewerbslesungen am Freitag ein Abend mit Buchvorstellungen. Josefine Soppa ist mit ihrem Roman „Mirmar“ dabei. Wir fragen ihre Lektorin Friederike Schilbach vom Aufbau-Verlag: Haben Sie die Autorin beim Open Mike entdeckt?
Friederike Schilbach: Ja, der Open Mike ist eine der wichtigsten Veranstaltungen für Debütantinnen und Debütanten im deutschsprachigen Raum. Er ist wie ein erstes Fenster in die Welt der Verlage. Einmal im Jahr präsentieren sie dort ihre Texte und kommen zum ersten Mal in Kontakt mit dem Literaturbetrieb. Deshalb gehe ich mit vielen Kolleginnen aus den Lektoraten anderer Verlage regelmäßig hin, um die Stimmen von morgen zu entdecken.
Berühmte Sätze und ihre Geschichte: „Zurück zur Natur“ hat Rousseau nie gesagt
GIFs, Memes, Reels und die Revolution der Bilder
Eigentlich bin ich dann im Publikum, aber 2020 war ich in der Vorjury, die die Texte ausgewählt hat. Dafür bekommt man rund hundert Manuskripte anonymisiert zugeschickt und wählt aus denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer für den Wettbewerb. Der Text von Josefine Soppa – ohne dass ich damals wusste, wer ihn geschrieben hat – stach aus der Menge sofort hervor: durch eine ganz eigene Sprache, einen eigenen Ton, eine besondere Figurenzeichnung. In dem kleinen Ausschnitt, der jetzt immer noch im Roman enthalten ist, war die Geschichte von Mutter und Tochter, die in einer prekären Lebenssituation unterwegs sind und von einem Leben am Meer träumen, schon sehr eindrücklich gestaltet.
Der Wettbewerb fand unter Pandemie-Bedingungen stand, Josefine Soppa war von zu Hause zugeschaltet, aber sie überzeugte die Jury und hat den Preis für Prosa gewonnen. Von da an war ich sehr eng mit ihr in Kontakt – es war klar, dass aus dem Text ein Roman entstehen würde. Im Dezember 2021 hatte sie den ersten Entwurf fertig. Andere Verlage hatten auch Interesse, aber ich hatte das Glück, dass sie sich entschieden hat, das Buch mit mir auf den Weg zu bringen. Das Jahr 2022 haben wir mit dem Lektorat verbracht. Im April dieses Jahres ist „Mirmar“ dann erschienen. Die Autorin Verena Güntner, die damals in der Jury war, wird Josefine am Freitag zur Lesung begleiten.
Lesung, Freitag, 19.30 Uhr. Wettbewerb, 4.11. ab 14 Uhr, 5.11. ab 11.30 Uhr, Heimathafen Neukölln
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de