Es war ein letzter Versuch. Die Online-Suche, die das Berliner Fundbüro bis vor Kurzem anbot – nun wird das System umgestellt –, hatte nichts ergeben. Aber die Hoffnung stirbt wirklich zuletzt, wie ich nun an mir selbst erfahren durfte. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass jemand so hartherzig sein kann, meinen Schlüsselbund nicht abzugeben. Nicht wegen der Schlüssel, sondern wegen des orangefarbenen Anhängers mit der Aufschrift „Mama“, den mein Kind an einem Girls’ Day fabriziert hatte, der sie in eine Metallwerkstatt führte.
Das Berliner Fundbüro befindet sich im Erdgeschoss des Flughafens Tempelhof. Auf ihrer Webseite haben sie ein Foto des Gebäudes platziert und einen Pfeil hineingemalt, der einem den Weg zum Eingang weist. Eine höchst wirkungsvolle Maßnahme, denn das Gebäude ist riesig, die Eingänge zahlreich. Hier sitzen Experten, dachte ich. Wer wüsste besser als sie, dass etwas gefunden werden muss.
Die Handreichungen zum Finden setzen sich im Innern des Büros fort. Wegweiser Fundbüro, heißt es hier unübersehbar. Verschiedene Fundgegenstände sind hier einem der drei Schalter zugeordnet. Die Schlüssel befinden sich bei Schalter zwei, so wie auch Gehhilfen und Fahrräder.
Im Fundbüro gibt es eine Schmunzel-Ecke
Beim Warten vertreiben einem das Schwarze Brett und eine Schmunzel-Ecke mit Fundbüro-Witzen die Zeit. Die gehen zum Beispiel so: Eine Spinne geht ins Fundbüro: „Ich glaube, ich habe meinen Faden verloren.“
Die Schlüssel hängen nach Monaten geordnet an der Wand, doch meiner war nicht dabei. Die Frau hinter der Plexiglasscheibe riet mir, noch nicht aufzugeben. Aus ihrer Erfahrung wusste sie: Mancher Schlüssel wird erst Wochen später abgegeben, weil die Finderin, der Finder ihn vergisst oder erkrankt. Das Fundbüro ist das Büro der Hoffnung.
Auf die Frage, wie es sein könne, dass noch Hunderte von Schlüsseln an den Brettern für Januar, Februar, März und so weiter hängen, die doch sicher schmerzlich vermisst werden, hatte die Dame eine so einfache wie verblüffende Antwort: Viele wüssten nicht, dass es so etwas wie das Fundbüro gibt.
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