Der Mensch ist das einzige Wesen, das weiß, dass es sterben wird. Wie leben wir also mit dem Tod? Noch immer ist das Sprechen und Nachdenken über die eigene Endlichkeit mit Tabus behaftet. Das Wissen darum ist aber auch ein wichtiger Antrieb für Kunst, Kultur und Wissenschaft. In diesem Spannungsfeld bewegt sich die interaktive Ausstellung „un_endlich. Leben mit dem Tod“, die noch bis Ende November im Humboldt Forum zu sehen ist. Eine ungewöhnliche Ausstellung in einer hedonistischen Stadt wie Berlin und eine außergewöhnliche Ausstellung für das Humboldt Forum.
SHF / Alexander Schippel
Besucher*innen starten den Rundgang mit einem filmischen Vorwort zur Rolle des Homo Sapiens im Universum und arbeiten sich dann durch die wie ein Drama in fünf Akten konzipierte Ausstellungsfläche. Installationen und durchdachte Raumerlebnisse machen das Themenfeld auf ganz unterschiedliche Weise erfahrbar. So erzählen Stimmen unterschiedlicher Glaubensgemeinschaften über ihre Vorstellungen vom Jenseits. In einer Videokonferenz mit Sterbebegleiter*innen aus zwölf Ländern werden verschiedene Perspektiven auf die letzten Momente eines Menschenlebens vermittelt.
SHF / Alexander Schippel
„un_endlich. Leben mit dem Tod“ spannt aber auch einen Bogen zu den Fragen, die weit jenseits des eigenen Horizonts liegen: Wie (un)gleich sind die Lebens- und Sterbebedingungen weltweit? Welche Verantwortung haben wir für den Tod anderer Menschen? Und droht im Zuge des gegenwärtigen Artensterbens gar die Selbstauslöschung unserer Spezies?
SHF / Alexander Schippel
Einen Höhepunkt im begleitenden Veranstaltungsprogramm bildet ein mehrtägiges mexikanisches Totenfest vom 1. – 5.11. mit Live-Musik, Tanz, Ofrenda und Markt mit freiem Eintritt. Einer lebendigen Auseinandersetzung mit dem Tod quer durch verschiedene Kunstformen und Generationen ist nicht zuletzt damit der Weg geebnet.
SHF / Alexander Schippel