Die Berliner Wasserbetriebe drehen schon wieder an der Preisspirale: Zum Jahreswechsel will das Unternehmen die Tarife erneut um 2,5 Prozent erhöhen. Das Land Berlin, das immer noch mit 51 Prozent an den Wasserbetrieben beteiligt ist, wird dem Plan wohl zustimmen, denn anders ist dort ein wirtschaftliches Arbeiten nicht möglich. Außerdem hat der Senat den beiden privaten Anteilseignern RWE und Veolia eine Rendite zugesichert, die nun nur durch Preiserhöhungen zu erzielen ist. Und schließlich ist auch das Land Berlin selbst auf die Gewinnabführung dringend angewiesen ist, 47 Millionen Euro hat Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) im kommenden Jahr schon zur Haushaltssanierung eingeplant.Doch für die Berliner ist die ganze Sache bitter, denn sie müssen auch in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten immer tiefer in die Kasse greifen. Nicht nur die Wasserpreise steigen, auch für Gas, Strom und Müllabfuhr müssen die Hauptstädter in diesem Jahr mehr bezahlen. Beim Wasser sah es zunächst ganz gut aus: Nach der Privatisierung der Wasserbetriebe blieben die Tarife erst einmal stabil - so war es im Kaufvertrag festgeschrieben. Von 1996 bis 2003 stiegen die Preise nicht, dann aber kräftig. In den zwei letzten Jahren um 20 Prozent, nun folgt der nächste Sprung. Das Problem: Wegen der Preiserhöhungen sparen die Berliner beim Wasserverbrauch, die Wasserbetriebe nehmen immer weniger ein. Die Fixkosten - also beispielsweise die Kosten für die Unterhaltung des Rohrsystems - machen dadurch einen immer größeren Anteil am Wasserpreis aus. Inzwischen liegt dieser Anteil schon bei 80 Prozent und ist damit viel zu hoch.Um aus diesem Dilemma herauszukommen, schlagen die Wasserbetriebe einen Systemwechsel vor. Ein Abrechnungssystem, bei dem nach einem Grund- und einem Arbeits- oder Verbrauchspreis unterschieden wird, ist in den meisten deutschen Kommunen schon üblich. Es sieht vor, dass alle Verbraucher - ob Privathaushalte oder Gewerbetreibende - einen feststehenden Grundpreis zahlen. Dies garantiert den Wasserbetrieben ein festes Einkommen. Hinzu tritt der Preis, der sich nach der Menge des verbrauchten Wassers richtet. Die Wasserbetriebe wollen Großabnehmern einen Rabatt einräumen. Für ein Industrieunternehmen, das sehr viel Wasser für seine Produktion verbraucht, wird es also billiger, für den Single, der in einem Mietshaus lebt, oder den Eigenheimbesitzer mit Frau und zwei Kindern wird es teurer. Und für die Wasserbetriebe würde sich die ganze Sache rechnen, weil die Fixkosten am Wasserpreis sinken. Außerdem könnte vermieden werden, dass sich Unternehmen wegen der Preistreiberei auf ihrem Gelände einen eigenen Brunnen bohren und den Wasserbetrieben den Rücken kehren. Das ist in Berlin nicht nur möglich, sondern auch rechtlich erlaubt.Doch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) stellt sich quer. Denn ein Jahr vor der Abgeordnetenhauswahl will er eine Preiserhöhung zu Lasten von Mietern und Eigenheimbesitzern ausschließen. Wowereit befürchtet, dass ihm dann der Vorwurf gemacht wird, der rot-rote Senat begünstige die großen Unternehmen und benachteilige die kleinen Leute. Dass Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei.PDS) die Wasserbetriebe unterstützt und sich seit einem Jahr für den Systemwechsel einsetzt, kümmert Wowereit wenig. Er ist der Chef im Roten Rathaus.So wird es wohl nicht die letzte Tarifsteigerung bei den Berliner Wasserbetrieben sein. Da die Menschen nicht jedes Jahr mehr Gehalt bekommen, müssen sie also an anderer Stelle sparen. Beim Konsum. Dann darf sich der Senat aber auch nicht wundern, dass das nichts wird in Berlin mit dem Wirtschaftswachstum.
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