Wegen wachsender Inflationsgefahren erhöht die EZB zum dritten Mal in Folge die Leitzinsen

Europäische Zentralbank verteuert Kredite

Sebastian Wolff
3 Min

BERLIN. Die Zeit der Niedrigst-Zinsen ist endgültig vorbei: Zum dritten Mal in Folge hat die Europäische Zentralbank (EZB) gestern die Leitzinsen für die Euro-Zone erhöht. Auf seiner Sitzung in Madrid hob der EZB-Rat den maßgeblichen Zins, zu dem sich Banken refinanzieren können, von 2,5 Prozent auf 2,75 Prozent an. Gut fünf Jahre hatte der Leitzins auf dem historisch niedrigen Niveau von 2,0 Prozent gelegen, ehe die EZB ihn im Dezember 2005 erstmals wieder um 0,25 Prozentpunkte anhob. Im März 2006 folgte dann ein weiterer Zinsschritt in dieser Größenordnung.EZB-Chef Jean-Claude Trichet begründete die Leitzinserhöhung mit Inflationsrisiken: "Diese Entscheidung spiegelt Aufwärtsrisiken für die Preisstabilität wider", sagte er. So war die Inflation im Mai in der Euro-Zone auf 2,5 Prozent gestiegen - und damit klar über das von der EZB als Preisstabilität definierte Ziel von zwei Prozent. Der Schlüsselzins sei im historischen Vergleich nach wie vor niedrig, und die Liquidität reichlich, sagte Trichet. Die EZB werde aber weiter alle Entwicklungen eingehend beobachten, um auf mittlere Sicht Preisstabilität sicherzustellen. Dies ist Experten zufolge als Ankündigung einer möglichen weiteren Zinsanhebung zu werten.Dax weiter auf TalfahrtDie Zinserhöhung trifft die Finanzmärkte in einer schwierigen Phase: Seit Tagen befinden sich der Deutsche Aktienindex (Dax) und die anderen wichtigen Börsen-Indizes der Welt auf Talfahrt. Auch gestern gab der Dax wieder kräftig nach. Die Zinsentscheidung der EZB hatte darauf aber unmittelbar kaum Einfluss, weil sie von den meisten Marktteilnehmern erwartet worden war.Volkswirte hatten aber vor allem wegen der Auswirkungen auf die Konjunktur vor einer Anhebung der Zinsen gewarnt, weil sie die Investitionen der Firmen erschweren sowie Verbraucher- und Immobilienkredite verteuern. Manche hatten sogar mit einer Anhebung um 0,5 Prozentpunkte gerechnet. Da sie letztlich nur 0,25 Punkte betrug, reagierten Vertreter der deutschen Wirtschaft erleichtert: "Die Entscheidung der EZB war angesichts des Inflationsdrucks so zu erwarten und nachvollziehbar", sagte der Volkswirt des Deutschen Industrie und Handelskammertages (DIHK), Niels Oelgart, der Berliner Zeitung. Die Wirtschaft habe sich schon seit längerem darauf einstellen können. "Aus unserer Sicht wird das die Finanzmärkte auch nicht nachhaltig beeinflussen", so Oelgart.Dennoch bedeute der Zinsschritt einen "leichten Dämpfer für die Unternehmen, weil sich die Finanzierungsbedingungen etwas verschlechtern", so der DIHK-Experte. Die EZB werde jetzt genau darauf achten, wie die Konjunktur und die Finanzmärkte reagieren und gegebenenfalls im Herbst die Zinsen noch einmal anheben.Offen ist unter Beobachtern allerdings, bei welchem Zinsniveau die EZB die Inflationsgefahr als gebannt ansieht. Die meisten Volkswirte erwarten, dass der Leitzins bis zum Jahresende auf 3,25 steigt.------------------------------Folgen für die VerbraucherSparguthaben: Sparern bringt eine Erhöhung Vorteile - vor allem, da die EZB auf weitere Zinsanhebungen in diesem Jahr zusteuert. Die Geldinstitute reichen die höheren Zinssätze aber nur teilweise und mit zeitlicher Verzögerung an die Kunden weiter. Festgeld und Sparbriefe erhalten ein Zinsplus.Kredite: Für Schulden müssen Verbraucher künftig höhere Zinsen zahlen. Die Banken und Sparkassen reagieren bei Kreditzinsen üblicherweise schnell auf eine Leitzinsanhebung und erhöhen die Sätze für Dispo-, Überziehungs- und Ratenkredite.Baudarlehen: Für Häuslebauer sind die langfristigen Zinsen am Kapitalmarkt entscheidend. Sie können, müssen aber nicht unbedingt mit dem Leitzins steigen. Immobilienkäufer, die einen Vertrag mit variabler Verzinsung abgeschlossen haben, müssen sich auf höhere Zinsen einstellen. Die langfristigen Hypothekenkredite werden dagegen weiter günstig bleiben.Autokauf: Verbraucher müssen nicht fürchten, dass hier die Zinsen steigen. Der Markt ist hart umkämpft. Die Autobauer bieten mit ihren hauseigenen Banken günstige Finanzierungen.------------------------------Grafik: Seit Ende 2004 liegt der Leitzins in den USA über dem der Euro-Zone.------------------------------Foto: Kurse fallen: Börsianer hatten die Zinserhöhung zwar erwartet, doch fürchten sie negative Folgen für das Wachstum.

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