Finanzen

Wegner will Reform der Schuldenbremse

Im Bundeshaushalt fehlen plötzlich viele Milliarden, die Auswirkungen auch auf die Länder sind noch unklar. Da stellt so mancher die Schuldenbremse in Frage....

dpa
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Kai Wegner (CDU).

Kai Wegner (CDU).

© Bernd von Jutrczenka/dpa

Wegner unterstrich, dass er die Schuldenbremse, die Bund und Ländern neue Verbindlichkeiten in ihren Haushalten abgesehen von bestimmten Ausnahmen verbietet, nicht abschaffen will. „Ich verstehe die Sorge vor viel zu vielen Schulden“, heißt es in seinem Post. „Deshalb will ich die Schuldenbremse nicht aus der Verfassung streichen, ich will sie zukunftsfest gestalten. Es darf Kredite ausschließlich für Investitionen geben - Kredite für konsumtive Ausgaben sind tabu.“

Das Bundesverfassungsgericht hatte in der vergangenen Woche die Umwidmung von 60 Milliarden Euro im Bundeshaushalt 2021 für nichtig erklärt. Das Geld war als Corona-Kredit bewilligt worden, sollte aber nachträglich für den Klimaschutz und die Modernisierung der Wirtschaft eingesetzt werden. Zugleich entschieden die Richter, der Staat dürfe sich Notlagenkredite nicht für spätere Jahre auf Vorrat zurücklegen. Dies hat zur Folge, dass weitere Milliardensummen für Zukunftsvorhaben gefährdet sind. Infolge der Entscheidung liegt der Bundeshaushalt 2024 erst einmal auf Eis.

Nach dem Urteil gibt es aus den Reihen von SPD, Grünen, Linken, der Gewerkschaften und auch von Ökonomen Forderungen, die Schuldenbremse wahlweise abzuschaffen, auszusetzen oder zu reformieren. Die Union positionierte sich dagegen. „Ich sehe im Augenblick nicht, dass wir an die Schuldenbremse heran müssen“, sagte CDU-Parteichef Friedrich Merz jüngst in der ARD-Talkshow „Maischberger“.

Wegner, der auch CDU-Landesvorsitzender ist, sieht das anders. „Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts macht deutlich, wie investitionshemmend die derzeitige Schuldenbremse ist“, sagte er dem „Stern“ und sprach von „Megabedarfen“ etwa bei Klimaschutz, Verkehrswegen, Schulen, sozialer Infrastruktur oder dem Umbau der Energieversorgung. „Ohne Investitionen bröckeln nicht nur unsere Straßen, Schienen und Schulen, ohne Investitionen bröckelt die Zukunft unseres Landes.“

Die Präsidentin des Berliner Landesrechnungshofs, Karin Klingen, hält wenig von Überlegungen, die Schuldenbremse auszusetzen. „Ich halte es für richtig, dass es eine Schuldenbremse gibt. Ich glaube auch, dass es nicht sinnvoll ist, unbegrenzt Schulden aufzunehmen“, sagte sie bei der Vorstellung ihres aktuellen Jahresberichts.

„Worüber man diskutieren kann, ist, ob es noch andere Ausnahmen geben sollte“, sagte Klingen und wies auf die Diskussion bei der Einführung der Schuldenbremse hin: „Die Länder haben eine Null-Verschuldung. Sie haben damals freiwillig auf 0,15 Prozent verzichtet. Das ist eine Diskussion, der ich mich gerne stelle.“

Die Schuldenbremse im Grundgesetz gibt dem Bund nur einen geringen Spielraum zur Aufnahme von Krediten. Ausnahmen sind bei Naturkatastrophen und in außergewöhnlichen Notsituationen zulässig. Zuletzt hatte der Bundestag mehrfach eine solche Notsituation erklärt: Wegen der Corona-Pandemie und dann wegen des Kriegs in der Ukraine.

Schon seit geraumer Zeit macht sich Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) für ein Aussetzen der Schuldenbremse stark - nicht zuletzt, um die Unterbringung, Versorgung und Integration Geflüchteter finanzieren zu können. Die finanziellen Belastungen seien enorm hoch, die Situation vergleichbar, wenn nicht noch schwieriger als in der Corona-Pandemie. „Deshalb muss die Regierung die Schuldenbremse aussetzen und Geld investieren“, sagte Kiziltepe Ende Oktober.

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