Tatort-Kritik

„Der kalte Fritte“ schafft den Schwenk zum Drama nicht

Für Späßchen ist sich der Krimi mit Tschirner und Ulmen aber nicht zu schade.

Torsten Wahl
3 Min
Skeptisch:  Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen).

Skeptisch:  Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen).

© ARD

Ha-Ha-Ha – der Täter muss ein Clown sein“, konstatiert Kommissarin Kira Dorn (Nora Tschirner) gewohnt lakonisch beim Blick auf den Toten. Denn der Killer hatte dem Milliardär ins Hirn, ins Herz und in die Hoden geschossen, deshalb dreimal „Ha“. Noch besser gepasst hätte „Hi-He-Ho“. Höherer Blödsinn oder niederer Schwachsinn – das ist die Frage, die der „Tatort“ aus Weimar auch diesmal stellt. Kein Team spaltet die Zuschauer so stark. Nora Tschirner ist gerade von den Lesern des Playboy zur „Tatort“-Kommissarin gewählt worden, mit der sie am liebsten mal ein Bier trinken gehen würden. Ihr letzter Fall „Der wüste Gobi“ hatte die schlechteste „Tatort“-Quote seit sieben Jahren. Manche wollen sich an Filme von den Coen-Brüdern erinnert fühlen, andere hören hier eher die Witze von Fips Asmussen raus.

Den sechsten Fall hat der Autor Murmel Clausen, der aus der Truppe um Bully Herbig stammt, ohne den Krimiprofi Andreas Pflüger verfasst – die Kalauerdichte ist noch höher als sonst. Der Titel folgt dem Muster von „Die fette Hoppe“ bis „Der wüste Gobi“, diesmal also „Der kalte Fritte“ – Fritte ist der Chef des Bordells „Chez Cheriechen“. Da hätte der Krimi auch „Der graue Stich“ heißen können – als grau melierter Vater von Kripo-Chef Stich gibt Hermann Beyer hier ein kurioses Gastspiel.

Der Schwenk zum Drama klappt leider nicht

Sein Sohn Kurt Stich (Thorsten Merten) muss in jeder Folge den Ausruf „Ich glaub, mein Hamster bohnert“ variieren. Er ruft diesmal: „Ich glaub, mein Hering hupt!“ Vorschlag für die nächste Folge: „Ich glaub, mein Sittich reihert!“ Der Fall um die Ansiedlung eines „Goethe-Geo-Museums“ ist nur ein Transportband für Gags jeder Art. So bekam eine Figur offenbar den Namen Bock, damit die Kommissare alle erdenklichen Wortspiele ausführen können: „Nun werden Sie mal nicht bockig“, „Sie hat versucht, den Bock zu melken“ bis zu „Der Bock macht seinem Namen alle Ehre“.

Dabei sind Nora Tschirner und Christian Ulmen in den privaten Szenen noch am komischsten, etwa, wenn es um die Erziehung ihres „Zwerges“ geht. Regisseur Titus Selge hat seinen Spaß daran, auf seine beiden Hauptschauplätze – ein Bordell und einen Steinbruch – aus möglichst verschiedenen Perspektiven zu blicken. Kommissarin Dorn tanzt zwischendurch mal inkognito mit Stiefeln und roter Perücke als falsches Go-Go-Girl an der Stange – und zwar so aufreizend unerotisch, dass Bordellchef Fritte der Mund offen stehen bleibt. Den Schwenk vom Geblödel zum Drama bekommt dieser „Tatort“ nicht mehr hin.

Tatort: Der kalte Fritte So, 20.15, ARD

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de