Testergebnisse

Welches Fahrradschloss sichert am besten? Die Ergebnisse der Stiftung Warentest

Faltschloss, Bügelschloss, Kettenschloss: Die Stiftung Warentest weiß, welche Fahrradschlösser gut sind, was sie kosten, wie sicher eine Selbstbauvariante ist.

7 Min
Welches Schloss man gut händeln kann, mag individuell sein. Wie sicher sie vor Diebstahl schützen, sind harte Fakten.

Welches Schloss man gut händeln kann, mag individuell sein. Wie sicher sie vor Diebstahl schützen, sind harte Fakten.

© Roshanak Amini für Berliner Zeitung; Bilder: imago

Pro Jahr werden in Berlin mehr als 28.000 Fahrräder geklaut; Tendenz steigend. Das geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik hervor, die jedes Jahr veröffentlicht wird. Die aktuellsten Zahlen stammen aus dem Jahr 2022 und verzeichnen einen Anstieg um mehr als 2000 Fälle im Vergleich zu 2013.

„Die meisten Fahrräder wurden unter erschwerenden Umständen entwendet“, bilanziert die Berliner Polizei in der Statistik. Heißt konkret: Der Großteil der gestohlenen Räder war gesichert. In der Regel schließen Menschen ihr Fahrrad irgendwo an oder bringen es in den Keller, wo es hinter verschlossenen Türen steht.

Dass nun angeschlossene Räder häufiger geklaut werden als nicht angeschlossene, liegt an der schlichten Tatsache, dass natürlich nur die wenigsten von uns ihr Rad ohne Sicherung irgendwo abstellen. Das Problem ist vielmehr, dass viele Schlösser nicht so gut sind, wie man meinen könnte.

Daher rät die Berliner Polizei: „Den besten Schutz bieten stabile Ketten-, Bügel- oder Faltschlösser. Dünne Ketten-, Bügel- oder Kabelschlösser lassen sich dagegen leicht mit einfachen Hilfsmitteln oder Werkzeugen zerstören. Beim Kauf sollte auf Qualität geachtet werden.“

Stiftung Warentest: Der Preis allein lässt keine Rückschlüsse zu

Was das konkret bedeutet, haben die Fachleute der Stiftung Warentest herausgefunden. Wie so oft gilt auch hier: Der Preis allein lässt keine Rückschlüsse auf die Zuverlässigkeit zu. Grundsätzlich jedoch ist es so, dass ein Schloss umso sicherer ist, je höher das angegebene Sicherheitslevel ist. Dieses ist normalerweise auf der Verpackung angegeben.

Allerdings gibt es hier keine standardisierten Kategorien, sodass der eine Hersteller sechs Sicherheitsstufen hat, der andere zehn und ein weiterer dann 15. Und je höher die Sicherheit, desto teurer logischerweise auch die Schlösser.

Getestet hat die Stiftung Warentest Schlösser der vier großen Anbieter Axa, Abus, Kryptonite sowie Trelock und ist ihnen „mit Schneid- und Schlagwerkzeugen zu Leibe gerückt“, wie es heißt. Darüber hinaus wurden Schlösser verglichen: die mit mittlerem Sicherheitsgrad mit jenen der höchsten Stufe. „Tatsächlich hatten unsere Experten an den Schlössern mit hohem Sicherheitsversprechen besonders lange zu knacken“, steht in der Zusammenfassung.

Solche einfachen Schlösser sind sekundenschnell durchgezwackt.

Solche einfachen Schlösser sind sekundenschnell durchgezwackt.

© Martin Gerten/dpa

Kettenschlösser

Kettenschlösser haben den Vorteil, sehr flexibel zu sein – anders als die starren Bügel- und mitunter etwas sperrigen Faltschlösser. Acht verschiedene Kettenschlösser hat die Stiftung Warentest untersucht. Das Ergebnis ist durchwachsen: Vier Schlösser sind gut, vier mangelhaft. In beiden Bewertungskategorien finden sich Schlösser der mittleren wie auch der höchsten Sicherheitsstufe.

Gewonnen haben zwei Schlösser des Herstellers Kryptonite, knapp die Nase vorn hat das Keeper 785, weil es nicht nur leichter, sondern auch deutlich billiger ist als das New Yorck Fahgettaboutit Chain 1410. Letzteres hat das Sicherheitslevel 10 von 10, das Siegerschloss 5 von 10. Preislich liegen fast 150 Euro zwischen beiden.

Das Keeper ist mit 87 Zentimetern zehn Zentimeter kürzer als das zweitplatzierte Schloss, dafür wiegt es auch nur 1,3 Kilo im Vergleich zu 4,7 Kilo beim Fahgettaboutit. Allerdings hat dieses teurere Schloss auch ein LED-Licht am Schlüssel, und es ist ein kleines bisschen sicherer. Die Tester geben dem 200-Euro-Schloss hier die Note 1,2; das Keeper bekommt eine 1,3.

Zugleich wird die Handhabung des billigeren Keeper mit „gut“ (2,5) bewertet, die des teuren Fahgettaboutit mit „befriedigend“ (3,5). In der Gesamtschau überzeugte das preiswertere Modell durch seine Alltagstauglichkeit und die Sicherheit, die es mitbringt.

Passiert nicht nur in Charlottenburg: Diebe haben das Rad abmontiert und den Rest mitgenommen. Daher raten Fachleute, den Rahmen anzuschließen.

Passiert nicht nur in Charlottenburg: Diebe haben das Rad abmontiert und den Rest mitgenommen. Daher raten Fachleute, den Rahmen anzuschließen.

© Stefan Zeitz/imago

Bügelschlösser

Irgendwas is’ immer, sagt man in Berlin. Oder auch: Alles Gute hat man nie beisammen. Das trifft umso mehr auf Bügelschlösser zu, die insgesamt die sichersten Schlösser sind, zugleich aber aufgrund ihrer Bauweise nur wenig Spielraum beim Anschließen lassen.

Und so nützt das beste Schloss eben nichts, wenn man keine geeignete Möglichkeit findet, sein Fahrrad damit anzuschließen. Denn die goldene Regel lautet: Das Fahrrad sollte an-, nicht nur abgeschlossen werden. Andernfalls könnte es einfach weggetragen oder auf die Ladefläche eines Transporters gestellt und mitgenommen werden.

Je kürzer und enger der Bügel eines Schlosses, desto schwieriger ist es, einen guten Ort zum Anschließen zu finden. Aber: „Die Metallbügel sind in unseren Tests oft besonders standhaft“, schreiben die Tester. Von acht getesteten Modellen wurde nur eines mit „mangelhaft“ (5,5) bewertet, was allerdings an Schadstoffbelastungen lag, nicht an der Aufbruchsicherheit.

Testsieger in der Kategorie Bügelschlösser ist das 2,6 Kilo schwere Kryptonite New Yorck Lock M18-WL, das 170 Euro kostet und vom Hersteller in die höchste Sicherheitskategorie eingestuft wurde. Die Aufbruchsicherheit ist laut Stiftung Warentest sehr gut (1,1) und mit einigem Abstand zum zweitplatzierten Schloss, das ein „gut“ (1,6) bekam.

Insgesamt bewerten die Fachleute den Testsieger mit 1,7. Wenig schlechter, aber deutlich günstiger ist das drittplatzierte Schloss: Das Trelock U6 bekam die Gesamtnote 1,8 und kostet 96 Euro. Die Aufbruchsicherheit wird mit „sehr gut“ (1,5) bewertet, und es ist mit 23 mal 10 Zentimetern auch nur minimal kleiner als das von Kryptonite. Zudem wiegt das U6 mit seinen 1,4 Kilo auch mehr als ein Kilo weniger als der Gruppen- und Gesamtsieger (siehe unten).

Faltschlösser

„Wie ein Zollstock aufklappbar, sind Faltschlösser flexibel nutzbar und kompakt zu transportieren“, schreibt die Stiftung Warentest. Allerdings zeigt sich im Alltag: Die Gliederkonstruktion macht das Anschließen manchmal zu einer echten Fummelei, nach der man nicht selten schmutzige Finger oder Ärmel hat.

Hinzu kommt: So richtig sicher sind Faltschlösser nicht, wie die Tester klarstellen. „Sehr aufbruchsichere Schlösser fanden wir in unseren Tests bislang nicht. Immerhin sechs sind in diesem Punkt aktuell gut.“

Testsieger in der Kategorie Faltschlösser ist das Bordo Granit 6500K von Abus für 170 Euro. Laut Hersteller hat es das höchste Sicherheitslevel. Im Test ist es mit 1,7 Kilo aber auch das schwerste der acht getesteten Faltschlösser. Genauso wie die Plätze zwei bis fünf bekam das Bordo Granit mit 1,9 die Gesamtnote „gut“.

In puncto Aufbruchsicherheit bekommt es die Note 1,6; ebenso wie das zweit- und drittplatzierte Schloss. In der Handhabung bekommen alle nur ein „befriedigend“ (Note 3,0). Der Verlierer der Gruppe kommt auch aus dem Hause Abus. Es ist das 80 Euro teure Bordo Lite 6055K, das insgesamt und auch im Bezug auf die Aufbruchsicherheit mit „mangelhaft“ (5,0) bewertet wird.

DIY aus dem Baumarkt: Kann man sein Rad auch anders sichern?

Im Internet wird immer wieder eine DIY-Variante empfohlen, die ebenso preiswert wie sicher sei: Man kaufe eine Gliederkette im Baumarkt, dazu ein normales Vorhängeschloss – und fertig ist das selbstgemachte Fahrradsicherungssystem.

Einzig: Die Alternative ist keine, wie die Stiftung Warentest herausgefunden hat. „Die Kombi aus einer ummantelten, sechs Millimeter starken Kette aus gehärtetem Stahl und einem Vorhängeschloss war nicht sehr robust“, bilanzieren die Fachleute. Im Test hätten sie nur ein „ausreichend“ vergeben können.

Die Kosten lagen bei 32 Euro, was im Vergleich zu echten Schlössern zwar relativ billig ist, aber für ein DIY-Projekt doch ziemlich teuer, vor allem in Hinblick auf die Sicherheit. Die Tester raten daher zum Kauf eines richtigen Fahrradschlosses wie dem Testsieger (siehe unten), für das man gerade mal knapp 25 Euro mehr ausgeben müsse, dafür aber sein Rad gut gesichert weiß.

Fazit: Die Testsieger

„Das sicherste Schloss im Test ist das Bügelschloss New Yorck Lock von Kryptonite“, schreiben die Expertinnen und Experten der Stiftung Warentest. „Neben einem enormen Preis von 170 Euro müssen Radelnde bei diesem Schloss aber auch ein vergleichsweise hohes Gewicht von 2,6 Kilogramm schultern – ein Grund, warum das New Yorck Lock nicht den Gesamtsieg davontrug.“

Stattdessen siegt letztlich das Kryptonite Keeper 785, ein Kettenschloss. „Es bietet laut Anbieter nur ein mittleres Schutzlevel, wiegt nur 1,3 Kilogramm, kostet nur 58 Euro – und gewinnt trotzdem das direkte Duell gegen das rund viermal so schwere 200-Euro-Kryptonite New Yorck Fahgettaboutit Chain mit höchster Sicherheitsklasse“, steht in der Testzusammenfassung.

Alle Ergebnisse zu Fahrradschlössern sowie weitere Tipps stehen auf der Website der Stiftung Warentest. Dort finden Sie die Auswertung zu insgesamt 81 Schlössern; der Test kostet 4,90 Euro.

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