UPDATE

Gesundheit

Weltärztebund-Chef gibt „Big-Pharma“ Schuld am Medikamentenmangel

In mehreren europäischen Ländern fehlt Kinderarznei und Antibiotika. Eine EU-weite Medikamentenreserve könnte das künftig verhindern, meint Frank Ulrich Montgomery.

Team News dpa
2 Min
Der Vorsitzende des Weltärztebunds, Frank Ulrich Montgomery

Der Vorsitzende des Weltärztebunds, Frank Ulrich Montgomery

© Thomas Trutschel/Imago

„Bei Massenprodukten außerhalb des Patentschutzes werden die Margen als gering eingeschätzt, ‚Big Pharma‘ hat kein Interesse mehr an diesen Medikamenten und schiebt die Produktion in Billiglohnländer wie China oder Indien ab. Brennt dort eine Fabrik ab, fehlt eine Grundsubstanz oder gibt es Qualitätsmängel - plötzlich fehlt ein Arzneimittel auf der ganzen Welt.“

Weniger Macht für die Pharmaindustrie, mehr Überwachung der Produktion

Eine EU-Reserve als „Verpflichtung für die Pharmaindustrie, überwacht und gemanagt von Staat und Ärzteschaft“, lasse sich sofort schaffen, erklärte Montgomery. Auch müsse die Politik mit passenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Produktionsstandorte zurück nach Europa holen. Lieferketten sollten mit mehreren Quellen für Medikamente gesetzlich abgesichert werden.

In der vergangenen Woche hatten Kinder- und Jugendärzte aus mehreren europäischen Ländern einen Brandbrief an ihre Gesundheitsminister verfasst und fehlende Kinderarzneimittel angeprangert. Das Bundesgesundheitsministerium erklärte jüngst offiziell einen Versorgungsmangel mit Antibiotikasäften für Kinder - damit können die Importregeln gelockert werden.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema