Theaterkritik

Wenn die Liebe Schädel rattern lässt: Rambazamba spielt Shakespeares „Was ihr wollt“

Das inklusive Berliner Theater braucht in der Regie von Sarah Kurze wenig Anlauf, um der Shakespeare-Komödie ins schlagende Herz zu springen. Die Kritik.

5 Min
Bierpause im Liebesrausch: „Was ihr Wollt“ im Rambazamba. Szene mit Tobias Kreßmann, Eva Fuchs, Elias Arens und Sascha Perthel (v.l.n.r.)

Bierpause im Liebesrausch: „Was ihr Wollt“ im Rambazamba. Szene mit Tobias Kreßmann, Eva Fuchs, Elias Arens und Sascha Perthel (v.l.n.r.)

© Katrin Ribbe

Melancholie und Tiefsinnigkeit, die in Shakespeares „Was ihr wollt“ stecken, sind grenzenlos. Aber für das Theater ist die Liebeskomödie vor allem deshalb so unübertrefflich geeignet, weil sie die Schauspieler immer wieder mit den vorgeführten Rollen fremdeln lässt, mit denen der anderen und mit der eigenen. Und weil sie damit das Spiel nicht etwa verderben, sondern erst richtig in Gang bringen. Die farbenfrohen Nebelwolken der Begriffsstutzigkeit, die dabei aufwallen, gehören zum Herrlichsten, was es im Theater zu erleben gibt.

Hier noch mal der Plot: Die schiffbrüchige Adelstochter Viola spielt den Knaben Cesario und verliebt sich in den Fürsten Orsino, der für die schöne Gräfin Olivia schmachtet, die in ihrer depressiven Trauer gerade ihren Lebenswillen wiederentdeckt – natürlich in der Liebe, und zwar zu Cesario. Das funktioniert in seiner Pointenmechanik freilich nur, wenn man die heteronormative Unmöglichkeit von gleichgeschlechtlicher Liebe voraussetzt. Und wenn man diese Unmöglichkeit zum Teil der Theaterverabredung macht, kann man sie dann umso besser unterlaufen, womit Shakespeare selbst vorangegangen ist.

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