Duane „Keffe D“ Davis, 63, schrieb ein Buch über die Tatnacht, gab Interviews und prahlte öffentlich mit seiner Rolle. Genau diese Worte bringen ihn nun vor Gericht.
Am kommenden Montag, dem 10. August 2026, beginnt in Las Vegas der Tupac-Mordprozess gegen Davis. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, das tödliche Attentat vom 7. September 1996 organisiert zu haben. Ein Angebot auf 15 Jahre Haft schlug er aus – jetzt droht ihm lebenslange Haft ohne Bewährung.
Was Duane Davis im Tupac-Mordprozess vorgeworfen wird
Davis muss sich wegen Mordes mit einer tödlichen Waffe verantworten, begangen zugunsten einer kriminellen Gang. Seit Ende 2023 sitzt er in Haft und bekennt sich nicht schuldig.
Die Anklage will nicht klären, wer abdrückte. Sie will beweisen, dass Davis die Tat anordnete und die Waffe lieferte – die Schüsse fielen aus dem Cadillac, in dem er saß.
Duane „Keffe D" Davis am Bezirksgericht Clark County in Las Vegas – im Mordprozess um Tupac Shakur droht ihm eine lebenslange Haftstrafe
© ETHAN MILLER
Er ist einer der Wenigen aus jener Nacht, die noch leben.
Die Tatnacht am 7. September 1996 in Las Vegas
Shakur saß auf dem Beifahrersitz eines schwarzen BMW, am Steuer Death-Row-Mitgründer Marion „Suge“ Knight. Kurz zuvor hatten beide gesehen, wie Mike Tyson den Boxer Bruce Seldon k. o. schlug.
Auf dem Weg in einen Club hielt der Wagen an einer roten Ampel nahe dem Las Vegas Strip. Ein weißer Cadillac zog daneben, dann fielen Schüsse.
Shakur wurde mehrfach getroffen und starb sechs Tage später. Knight überlebte mit leichten Verletzungen. Heute verbüßt er eine 28-jährige Haftstrafe wegen einer tödlichen Fahrerflucht.
Warum sich Tupacs mutmaßlicher Mörder selbst belastet
Jahrelang lag der Fall auf Eis. Erst als sich Davis als Anführer der South Side Compton Crips öffentlich äußerte, kam die Ermittlung wieder in Gang.
2019 erschienen seine Memoiren „Compton Street Legend“. Buch und Interviews rollten den Fall neu auf.
Anfang Juli 2026 ließ das Gericht genau dieses Buch als Beweis zu, trotz eines Co-Autors. Ende Juli erlaubte Richterin Carli Kierny zusätzlich die Tonaufnahme eines Polizeiverhörs aus dem Jahr 2008.
Im Buch schreibt Davis über die Attacke auf seinen Neffen: „We couldn't let no record company studio gangsters do us like that.“
Der Streit zwischen Death Row und Bad Boy Records
Laut den Protokollen der Grand Jury war die Tat der Höhepunkt einer langen Fehde: zwischen den Labels Death Row Records und Bad Boy Records und den Gangs Mob Piru und South Side Compton Crips.
Die Crips schützten Bad Boy, das Label von Sean „Diddy“ Combs mit Stars wie The Notorious B.I.G. Mob Piru, Teil der Bloods, stand Death Row nahe – dem Label von Shakur.
Das Motiv laut Anklage: Rache. Stunden vor den Schüssen sollen Shakur und seine Leute Davis' Neffen Orlando „Baby Lane“ Anderson im MGM Grand verprügelt haben.
Wie die Verteidigung den Prozess drehen will
Davis' Anwälte sehen keinen Beweis, dass er die Schüsse befahl. Der Staat stütze sich auf Zeugen, die gar nicht dabei gewesen seien.
Seine früheren Geständnisse deuten sie als reine Unterhaltung, als „Storytelling“. Das Angebot auf 15 Jahre Haft lehnte Davis ab.
Nach Berichten mehrerer Branchenmedien will die Verteidigung sogar die Todesursache anfechten: Shakur sei nach den ersten Operationen stabil gewesen. Die Staatsanwaltschaft hält dem den Bericht des Rechtsmediziners entgegen.
Wo im Fall die harten Beweise fehlen
Handfeste Spuren gibt es kaum. Weder der weiße Cadillac noch die Tatwaffe wurden je gefunden, und im BMW der Opfer lag laut dem pensionierten Ermittler Clifford Mogg keine Waffe.
Die drei weiteren Insassen von Davis' Cadillac starben, bevor Anklage erhoben wurde.
Die Staatsanwaltschaft reichte eine Liste mit über 200 möglichen Zeugen ein, darunter Suge Knight, Nevadas Gouverneur Joe Lombardo und Ex-Bürgermeister Oscar Goodman. Ob Knight aussagt, ist offen: Davis' Anwalt Michael Sanft rechnet nicht damit.
Was der Prozess für Tupacs Familie bedeutet
Für Shakurs Familie waren die letzten 30 Jahre zermürbend, sagt sein Stiefbruder Maurice „Mopreme“ Shakur. Der Prozess reiße alte Wunden auf, dennoch sei er vorsichtig optimistisch.
„I hope that the trial is fair, and we find out the truth“, sagte er: Er hoffe auf einen fairen Prozess und darauf, die Wahrheit zu erfahren.
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