BERLIN. In Berlin regnet es im Vergleich mit anderen Regionen in Deutschland eher wenig. Doch fallen selbst in der Hauptstadt durchschnittlich noch 645 Millimeter im Jahr pro Quadratmeter. Mancher Eigenheimbesitzer macht aus dem kostenlosen Wasser ein Geschenk des Himmels. Mit einer Anlage zur Regenwassernutzung kann der Verbrauch von Trinkwasser verringert werden. Das schont die Umwelt und spart auf die Dauer Kosten.Dabei wird Regenwasser in Anlagen gesammelt, gefiltert und in Zisternen geleitet. Von dort wird das Wasser Toiletten, Waschmaschine oder Duschen gepumpt. Bis sich die Anlage für den Besitzer rein wirtschaftlich rechnet, dauert es jedoch einige Jahre. "Ein fachgerechter Aufbau kostet zwischen vier- und sechstausend Euro", sagt der stellvertretende Geschäftsführer des Zentralverbandes Sanitär Heizung Klima (ZVSHK,), Franz-Josef Heinrich. Dem stehen 2,31 Euro gegenüber, die ein Kubikmeter Trinkwasser von den Berliner Wasserbetrieben kostet. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von rund 200 Kubikmetern pro Jahr spart eine vierköpfige Familie jährlich 463 Euro. Bis sich die Anlage amortisiert hat, dauert es somit womöglich über zehn Jahre. Dennoch entscheidet sich mancher Hauseigentümer für diese Variante. "Hauptgrund ist die größere Unabhängigkeit von Preiserhöhungen", beobachtet Heinrich. Auch das Gefühl, aktiv etwas für den Umweltschutz zu tun, motiviert manchen Hauseigentümer zu dieser Investition.Obwohl die Zisternen inzwischen so gebaut werden, dass sich dort kaum Algen und Bakterien bilden, ist das Wasser nicht zum Trinken geeignet. Eine Anlage muss dem Gesundheitsamt gemeldet werden, teilt der ZVSHK mit. Der Experte Heinrich rät, die Zisternen unterirdisch anzulegen. Dort sei es stets kühl und das Wasser sei so vom Sonnenlicht abgeschirmt. Unter diesen Umständen wachsen keine Algen oder Bakterien. Wichtig sei jedoch, dass organische Stoffe wie Laub oder Vogelkot aus dem Wasser herausgefiltert werden. Das sich dann im Tank bildende Biosystem trage eher zu einem reinen Wasser bei, weshalb die Reinigung der Zisterne nicht nur teuer, sondern auch kontraproduktiv sei, sagt Heinrich.Zwei WasseruhrenWährend die Besitzer einer Anlage zur Regenwassernutzung weniger Geld für den Bezug von Wasser zahlen, müssen sie aber weiterhin Abwasser voll bezahlen. Egal woher das Wasser kommt, sobald es in die Abwasserkanalisation geleitet wird, muss es auch gereinigt werden und das kostet. In Berlin verlangen die Wasserbetriebe 2,47 Euro pro Kubikmeter Schmutzwasser. Um die Menge korrekt zu ermitteln, müssen Nutzer von Regenwasser neben der Wasseruhr für Trinkwasser eine zweite Uhr installieren, betont der Sprecher der Wasserbetriebe, Stephan Natz. Etwas geringer fällt jedoch das Entgelt für Niederschlagswasser aus. Denn dies wird für den ablaufenden Regen erhoben, der bei der Anlage ja gerade gesammelt wird.------------------------------REGENQualität: Noch bis in die 1980er-Jahre galt Regen als belastet, manche empfanden ihn sogar als giftig. Unter dem Schlagwort "Saurer Regen" wurde über die im Regen gelösten Schadstoffe aus der Luft diskutiert. Vor allem Schwefel aus Abgasen der Industrie und Autos machte das Regenwasser so aggressiv, dass es sogar Baudenkmäler angriff. Inzwischen ist Regenwasser jedoch unbedenklich. Durch den Einsatz von Entschwefelungsanlagen und schwefelarmen Kraftstoffen hat sich die Qualität des Wassers wieder normalisiert.Verbrauch: Eine vierköpfige Familie verbraucht im Jahr durchschnittlich 200 Kubikmeter Wasser. Allein die WC-Spülung schlägt mit 24 Litern pro Person und Tag zu Buche. Durch Duschen fließen um die 36 Liter durch den Abfluss. Hinzu kommen mehrere kleine Handwäschen zwischendurch. So braucht man allein für Körperpflege rund 50 Liter am Tag. Etwa 10 Liter Wasser pro Person und Tag benötigt die Wäsche. Dabei sind die Waschmaschinen heute bereits so sparsam, dass das Waschpulver zum Teil gar nicht mehr richtig ausgespült wird. Etwa 50 Liter verbraucht eine Ladung Wäsche. Vor dreißig Jahren war es noch dreimal so viel.Getränk: Nur ein sehr geringer Teil des Trinkwassers wird tatsächlich getrunken. Der Wasserverbrauch für die Essenszubereitung kommt erst an fünfter Stelle hat das TV-Magazin Planet-Wissen ermittelt. Jeder Deutsche trinkt nur etwa drei Liter täglich.------------------------------Grafik: Wie viel Wasser eine Regenwasseranlage einspart------------------------------Foto: Regenwasser ist kostenlos und fällt immer wieder an.
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