„Western Union“

Nach Hause telegrafieren

Alexandra Seitz hat einen Schatz auf DVD entdeckt. Mit „Western Union“ verfilmte Fritz Lang 1941 einen Roman des bedeutenden Western-Autors Zane Grey, der von der Erstellung einer Telegrafenleitung von Omaha nach Salt Lake City handelt.

BLZ
3 Min
"Western Union" von Fritz Lang.

"Western Union" von Fritz Lang.

© Koch Media Lizenz

Ein wiederkehrendes thematisches Motiv des Western-Genres ist die Rolle, die Technik – in Gestalt von Kommunikations- und Verkehrssystemen – für die US-amerikanische Landnahme gespielt hat. Erschlossen wurde der „Wilde Westen“ durch Gewalt. Zivilisiert, befriedet und kontrollierbar aber wurde er erst durch die Möglichkeit von Informationsaustausch und (vergleichsweise) freier Bewegung.

Der Postkutsche folgte die Eisenbahn, dem Pferdekurier das Telegrafenamt – gestaltet in Geschichten voller Spannung und Abenteuer: In Western wie „Wells Fargo“, in dem Frank Lloyd 1937 von den Anfängen des berühmten Reiterbotendienstes erzählt. Oder „Union Pacific“ von Cecil B. DeMille aus dem Jahr 1939 über den Bau der ersten transkontinentalen Eisenbahn. Oder eben „Western Union“, mit dem Fritz Lang 1941 einen Roman des bedeutenden Western-Autors Zane Grey verfilmt, der vom Bau einer Telegrafenleitung von Omaha nach Salt Lake City handelt.

Der Weg des Bautrupps, dem „Western Union“ folgt, führt durch das Land nicht eben wohlgesonnener Indianer, doch nicht diese sind es, von denen Gefahr droht. Die eigentliche Gefahr droht von innen her – ja, sie hat ihre Wurzel gar tief im Inneren des Helden: Vance Shaw, vormals Bandit auf der schiefen Bahn, nunmehr Scout auf dem rechten Weg. Seiner zwielichtigen Vergangenheit zum Trotz wurde Shaw vom leitenden Ingenieur Edward Creighton engagiert.

Immer wieder humorvoll

Dessen Schwester, die Funkerin Sue, sticht Shaw in Auge und Herz. Sogar mit seinem Konkurrenten um deren Gunst, Greenhorn Dick Blake, scheint Freundschaft möglich zu sein. Eine bessere Zukunft schimmert am Horizont. Da erscheint der böse Bruder und bringt alles in Gefahr. Also ist Shaw gezwungen, einen klassischen Loyalitätskonflikt auszufechten. Gegen das zerstörerische Alte, gegen die Blutsbande, die den Aufbruch in ein neues Leben verhindern wollen.

„Western Union“ zeichnet sich durch die narrative Dichte von Robert Carsons Drehbuch ebenso aus wie durch Langs ökonomische, höchst effektive Regie. Im Zentrum des lebhaften, farbenfrohen und immer wieder auch humorvollen Films aber ist es ruhig. Dort steht Randolph Scott, der stoische Held der stoischen Western von Budd Boetticher, und verleiht der Figur des Vance Shaw mit minimalen Mitteln Gefühl und Tragik.

Western Union, erschienen bei Koch Media, ca. 12 Euro.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de