Westjordanland

Kusra: Israelische Soldaten setzen Tränengas gegen Siedler ein

Bei dem Versuch, einen Siedler-Außenposten vor palästinensischen Häusern zu räumen, ist es zu einem seltenen Zusammenstoß zwischen Armee und Siedlern gekommen.

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Palästinensisches Wohnhaus in Kusra nach einem Brandanschlag israelischer Siedler

Palästinensisches Wohnhaus in Kusra nach einem Brandanschlag israelischer Siedler

© Debbie Hill/imago

Israelische Soldaten sind am Mittwoch am Rand des palästinensischen Dorfes Kusra südlich von Nablus mit radikalen israelischen Siedlern zusammengestoßen. Nach Angaben von Augenzeugen und von Videomaterial, das die Nachrichtenagentur Reuters geprüft hat, versuchten die Truppen, einen Außenposten aufzulösen, den Siedler direkt vor palästinensischen Wohnhäusern errichtet hatten.

Dabei setzten die Einsatzkräfte Tränengas ein. Die Soldaten entfernten die Plane eines der Zelte und zogen sich anschließend zurück, ohne die Siedler vollständig zu vertreiben.

Familie seit Tagen eingeschlossen

Eine Bewohnerin sagte Reuters, Siedler hätten den Außenposten vier Tage zuvor aufgebaut - die palästinensischen Familien seien seither faktisch in ihren Häusern gefangen. Die Siedler hätten versucht, das Tor aufzubrechen, Steine geworfen und die Bewohner beschimpft.

Der Zeitung Times of Israel berichtete ein Bewohner, er sitze mit seinem 18-jährigen Sohn seit Sonntag fest. Siedler hätten in den vergangenen Tagen Wasser- und Stromleitungen des Hauses gekappt. Die palästinensische Nachrichtenagentur WAFA meldete, die Zugänge zum Haus einer Familie seien mit großen Steinen blockiert worden.

Militär nennt Aktionen „nicht hinnehmbar“

Die israelischen Streitkräfte bezeichneten den Außenposten in einer Mitteilung als „illegal, verwerflich und nicht hinnehmbar“. Die Grenzpolizei habe das Zelt abgebaut und bemühe sich darum, die dort verbliebenen israelischen Zivilisten aus dem Gebiet abzudrängen. Nach Angaben der Zeitung Jerusalem Post besuchte der Chef des Zentralkommandos, Generalmajor Avi Bluth, das Gebiet und ordnete weitere Maßnahmen an. Das gesamte Gebiet wurde zur militärischen Sperrzone erklärt.

Laut Times of Israel haben Siedler nach einem tödlichen Zwischenfall im Dorf Tell im Vormonat 13 neue illegale Außenposten in der Region errichtet, von denen zwei in der Nacht abgerissen worden seien. Bei einem früheren Einsatz hatten Soldaten den Angaben zufolge lediglich gemeinsam mit den Siedlern gebetet, statt sie zu entfernen. Die Armee kündigte disziplinarische Maßnahmen gegen die beteiligten Soldaten an.

Besetzte Gebiete seit 1967

Israel hatte im Sechstagekrieg 1967 unter anderem das Westjordanland und Ostjerusalem erobert. Nach internationalem Recht gelten sie als von Israel besetzte Gebiete. Dort leben heute rund 700.000 israelische Siedler inmitten von drei Millionen Palästinensern, die die Gebiete für einen eigenen Staat beanspruchen. Nach Zahlen der israelischen Organisation Peace Now bestehen im Westjordanland rund 146 Siedlungen und 390 kleinere Außenposten.

Die Vereinten Nationen stufen die israelischen Siedlungen als illegal ein. Nach UN-Angaben wurden seit Jahresbeginn bis Ende Juni im Westjordanland 63 Palästinenser von israelischen Soldaten oder Siedlern getötet.

Der frühere deutsche Botschafter in Israel, Steffen Seibert, hat die Siedlungspolitik im Zeit-Magazin scharf kritisiert. Es handle sich um „Vertreibung mit Mitteln der psychologischen und der realen Gewalt“, sagte er. Die deutsche Staatsräson zur Sicherheit Israels gelte für ein Israel in den international anerkannten Grenzen von 1967, nicht für besetzte Gebiete wie das Westjordanland.

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