"Wetten, dass..?"

Jodeln und gurgeln

„Wetten dass..?“ scheitert auch als Volksmusik-Show. Trotz der Einsätze von Celine Dion und Teenie-Göre Miley Cyrus verpufften Lanz' Gags zwischen eher langatmigen Wetten.

Torsten Wahl
3 Min
Armin Rohde und Diana Amft nach einer verlorenen Wette in vertauschten Kleidern.

Armin Rohde und Diana Amft nach einer verlorenen Wette in vertauschten Kleidern.

© dpa Lizenz

Am enthusiastischen Publikum in Halle hat es nicht gelegen, Oberbürgermeister Bernd Wiegand hatte sogar noch während der Show Aufbauhilfe Ost zugesagt: „Wir tragen dazu bei, dass die Sendung wieder boomt“. Doch die Zahlen sind ernüchternd: Nur 6,55 Millionen wollten „Wetten dass..?“ noch sehen – ein neuer Tiefpunkt.

Moderator Markus Lanz gastierte mit der Show zum ersten Mal im Osten – und wollte dies auch unbedingt zeigen. Doch der Osten ist für den gebürtigen Südtiroler offenbar ein fremdes und uniformes Terrain. Das zeigte sich nicht nur in jenem peinlichen Moment, als er die Hallenser als Leipziger anredet. Er attestierte Stadtwetten-Patin Stephanie Stumph, die er als „Tochter des Ostens“ vorstellte, Halle sei „fast ihre Heimat“.

Dabei sind Dresden und Halle so weit voneinander entfernt wie Nürnberg und München oder Hamburg und Hannover. Ein tiefer Griff in die Klischeekiste Ost war auch der Wetteinsatz von Lanz: Er wollte zwei Gäste mit einem Trabi nach Magdeburg kutschieren.


Markus Lanz sorgte während der Sendung einen Moment lang für eisiges Schweigen beim Saalpublikum, sogar Buh-Rufe erntete der Moderator. Er hatte Halle mit Leipzig verwechselt.


Insgesamt wirkte „Wetten dass..?“ wie eine betulich volkstümliche Folklore-Show, wie sie der MDR früher mal produzierte. Das Jodeln wurde zur wichtigsten Lautäußerung, die Tracht zum prägenden Outfit. Das war noch halbwegs amüsant bei Gaststar Celine Dion, die sich redlich mühte, der Show einen Schub zu geben.

Sie zeigte ihr Jodel-Talent, gurgelte mit der Stimme, bejubelte die Akkordeon-Wette zweier Kinder und gab in Interviews fast dadaistischen Nonsens von sich. Dagegen blieben die deutschen Couch-Gäste blass: Diana Amft und Armin Rohde promoteten im Trachtenlook ihr Kinosingspiel „Weißes Rössl“, das Markus Lanz kühn in „White Rössl“ übersetzte.

Florian Silbereisen präsentierte seine neue Frisur und grüßte DJ Ötzi – warum auch immer. Die Versuche von Lanz, die routinierten Promotion-Auftritte durch Gags zu unterbrechen, endeten meist im Nirgendwo: So verglich er den 2,2-Abi-Schnitt von Elias M’Barek mit dem Wahlergebnis der FDP, nur warum? Parteien wünschen sich möglichst hohe Werte, Abiturienten möglichst niedrige.

Im Erdbeer-Kostüm

Auch die Wetten waren deutsche Folklore pur: Handwerklich begabte Männer, die mit Baggern und Stichsägen allerlei Kunststücke vollführen, sind ja Klassiker von „Wetten dass..?“. Dass ein Kandidat, der diesmal einen Wagenheber unter einem Rennwagen aufpustete, schon zum fünften Mal in der Sendung gastierte, überraschte nicht – die Show zitiert sich überhaupt gern selbst.

Doch echte Spannung, die aus der Gefahr des Scheiterns resultiert, kam nur bei der ersten Wette auf, die mit großem Abstand zum Sieger gekürt wurde. Ein junger Mann versprach, jedes Bundesligaergebnis samt der Torschützen der letzten zehn Jahre zu kennen – in Frage kamen immerhin mehr als 3 000 Spiele und 9 000 Tore.

Es verging ermüdend viel Zeit, bis endlich jener Gast auftrat, der der Folklore-Show noch die größte Portion Pop verpassen könnte. Doch auch Miley Cyrus passte sich der volkstümlichen Tradition an, erschien in einem Erdbeer-Kostüm, als wäre sie von ihrer Mutter für den Kinderfasching ausstaffiert worden. Ihrem belanglosen Rocksong „Wrecking Ball“ allerdings hätte eine Jodel-Einlage ganz gut getan.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema