Hungerkrise

UN-Welternährungsprogramm: 17 Millionen Menschen im Norden Nigerias von Hunger betroffen

Angriffe und illegale Straßensperren erschweren Transporte. Besonders im Bundesstaat Borno spitzt sich die Lage zu, doch dem WFP fehlen die Mittel zur Versorgung der Menschen.

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Der Bundesstaat Borno im Nordosten Nigerias gehört zu den am stärksten von der Hungerkrise betroffenen Gebieten.

Der Bundesstaat Borno im Nordosten Nigerias gehört zu den am stärksten von der Hungerkrise betroffenen Gebieten.

© Gilbertson/imago

Im Norden Nigerias sind nach Angaben des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) mehr als 17 Millionen Menschen von schwerem Hunger betroffen. Die Ernährungslage habe sich damit auf den schlechtesten Stand seit fast zehn Jahren verschärft, teilte die UN-Organisation am Donnerstag in Abuja mit. Betroffen seien neun von Konflikten geprägte Bundesstaaten.

Grundlage der Zahlen ist die jüngste Cadre-Harmonisé-Analyse, ein regionales Bewertungsverfahren zur Ernährungssicherheit in West- und Zentralafrika. Danach ist die Zahl der Menschen in Krisen-, Notlagen- oder Katastrophensituationen gegenüber früheren Schätzungen um fast zwei Millionen gestiegen. Landesweit sind in Nigeria laut WFP inzwischen 36,2 Millionen Menschen von Ernährungsunsicherheit betroffen.

Lage in Borno besonders zugespitzt

Im nordöstlichen Bundesstaat Borno, einem Zentrum islamistischer Angriffe, sind nach WFP-Angaben mehr als drei Millionen Menschen akut von Nahrungsmangel bedroht. Mehr als 750.000 von ihnen befänden sich in einer schweren Hungerlage, über 10.000 in einer als katastrophal eingestuften Situation. Diese Gruppe sei zahlenmäßig klein, aber ein Warnsignal dafür, dass Konflikt, Vertreibung und schrumpfende Hilfen die Krise gefährlich verschärfen, so das WFP.

„Was uns am meisten beunruhigt, ist, wie sich diese Krise ausweitet", sagte Kinday Samba, WFP-Regionaldirektorin für West- und Zentralafrika, laut Mitteilung. Angriffe und Gewalt hätten sich früher weitgehend auf Teile des Nordostens beschränkt, mittlerweile breiteten sie sich über ein deutlich größeres Gebiet aus. Bauern würden von ihren Feldern vertrieben, der Zugang für humanitäre Helfer sei eingeschränkt.

Finanzierungslücke von 89 Millionen Dollar

Zugleich klaffen laut WFP große Finanzierungslücken. In drei Bundesstaaten im Nordosten seien 6,2 Millionen Menschen von Ernährungsunsicherheit betroffen, versorgen könne die Organisation davon derzeit nur 740.000. Zum Höhepunkt der Hungerperiode 2025 – der Zeit zwischen dem Aufbrauchen der Vorräte und der nächsten Ernte – seien es noch 1,3 Millionen gewesen. Die Aussetzung von Lebensmittelhilfen in einigen Lagern für Vertriebene habe zu einer Zunahme von Ausbeutung und geschlechtsbezogener Gewalt geführt, die vor allem Frauen und Kinder treffe.

Die Zahl der für Helfer unzugänglichen Orte habe sich verdoppelt, 15 weitere Gebiete gälten als teilweise unzugänglich. Transporte würden durch Angriffe und illegale Straßensperren behindert. Vielerorts seien Luftbrücken des WFP die einzige Versorgungsmöglichkeit. Für die kommenden sechs Monate benötige die Organisation nach eigenen Angaben 89 Millionen Dollar, um die Versorgung mit Nahrungsmitteln und die dafür erforderliche Logistik im Norden Nigerias fortzuführen.

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