Shuttle in die Popkultur

Nasa verkauft sich als Retro-Marke

Warum immer öfter T-Shirts und Socken mit dem Nasa-Logo auftauchen.

Thomas Klein
2 Min
Dieses Logo sieht man immer häufiger auf T-Shirts und anderen Kleidungsstücken.

Dieses Logo sieht man immer häufiger auf T-Shirts und anderen Kleidungsstücken.

© Imago/Imagebroker

Ein gutes Logo, Markenzeichen, Maskottchen ist Gold wert, das hilft, Zeiten durchzustehen, in denen das Geschäft nicht so toll läuft. Das im Bierkrug versteckte Berliner Kindl, der stilisierte Seemann von Ahoi Brause, das Atari-Logo und der VW-Käfer – alles verankert in der Popkultur, Retro-Identifikations-Kürzel im öffentlichen Bewusstsein.

Zuletzt hat der Jeans-Hersteller Levi’s gezeigt, wie man aus sentimentaler Anhänglichkeit maximale Werbewirkung ziehen kann: Seit einigen Jahren tragen zahllose Hipster, Bierbäuche wie auch Neubau-Kinder T-Shirts mit dem Levi’s-Logo.

Jetzt bringt sich auch die National Aeronotics and Space Administration, die Nasa, auf dem Popkultur-Umweg wieder ins Gespräch. Die US-Raumfahrtbehörde, die in diesem Sommer ihren 60. Geburtstag feiert, steht eigentlich recht glücklos da: Mit dem Ende des Kalten Krieges wurde die Kritik an der Größe und den Kosten der Behörde zum politischen Wahlkampf-Schlager, China schickt heute mehr Menschen aus eigener Kraft ins All als die USA, ohne russische Hilfe wäre die Internationale Raumstation ISS längst verwaist. Ausgiebig dokumentierten Misserfolgen der Nasa stehen Durchbrüche gegenüber, für die sich keiner so recht interessiert. 

Nasa stemmt sich gegen Budget-Kürzungen

Seit über 40 Jahren entfernt sich Voyager 1 von der Erde, mehr jwd geht nicht, über und auf dem Mars ist ein halbes Dutzend Forschungsfahrzeuge unterwegs, doch das sind nur noch mediale Fußnoten. Und die ISS kommt nicht durch fortgesetzte Forschungsarbeit ins Gespräch, sondern weil man der Besatzung kurz nach der Premiere den neuesten Star Wars-Film hochgebeamt hat.

Mit ihrem popkulturellem Auftritt stemmt sich die Nasa gegen Budget-Kürzungen und Desinteresse. Immer öfter taucht die Behörde auf T-Shirts und ähnlichem auf: Das 1958 von James Modarelli entworfene, liebevoll als Design-„Fleischbällchen“ (meatball) verspottete Logo mit  rundem Sternenhimmel und kreisendem Kometen findet man jetzt auf Kapuzenpullis oder Söckchen.

Sehr freigiebig gibt die Nasa nicht nur ihr Logo, sondern nun auch Fotos und Videos aus ihrem Archiv her, ein Herr Ulrich (bert.ulrich@nasa.gov) ist offizieller Merchandising-Ansprechpartner. Erst die Marke aufpolieren, so die Logik, Retroruhm in positive Assoziationen umsetzen, so öffentliches Interesse für das All zurückholen und dann das Budget retten. Die Nasa lässt nix unversucht.

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