Antisemitismus

„Methoden von Faschisten“: Wie ein interreligiöser Dialog in der U-Bahn scheiterte

Karoline Preisler, Ben Salomo und Eren Güvercin verabreden sich zum U-Bahn-Fahren. Das gefällt nicht jedem. Eine Beobachtung.

3 Min
Wie sicher ist das U-Bahn-Fahren für Jüdinnen und Juden sowie ihre Fürsprecher noch?

Wie sicher ist das U-Bahn-Fahren für Jüdinnen und Juden sowie ihre Fürsprecher noch?

© Sabine Gudath

Es dauert nicht lange, schon erscheint der erste Demonstrant. Die FDP-Politiker Eren Güvercin und Karoline Preisler sowie der Rapper Ben Salomo haben sich mit ein paar Begleitern am Montagnachmittag auf dem U-Bahnhof Yorckstraße versammelt, um ein von der Presse begleitetes Gespräch in der U-Bahn zu führen. Güvercin ist Muslim, Preisler Christin und Rapper Salomo Jude. Sie alle setzen sich entschieden gegen Antisemitismus ein. Noch bevor die U-Bahn abfährt, entdecken sie ihn.

Der Demonstrant filmt die Gruppe und hält ein Schild in die Höhe: „Freiheit statt Rassismus #NoFDP“ steht da. Ein weiterer Mann, der sich „Scotty“ nennt, taucht kurze Zeit später mit Beutel in Regenbogenfarben, Sonnenbrille und einem T-Shirt mit der Aufschrift „Another Jew For A Free Palestine“ auf. Fortan wird „Scotty“ nahezu pausenlos in seine Trillerpfeife pusten. Er unterbricht sein Pfeifen nur durch Rufe wie „Die FDP ist keine Stimme gegen Antisemitismus“, „Die FDP unterstützt den Genozid“, „Ben Salomo, you are not the only Jew, you are not the only Israeli in Berlin“ und „Sprecht über die Siedlergewalt“. Der Demonstrant mit dem Schild ruft manchmal noch: „Yallah, yallah Intifada“, was so viel wie ein Aufruf zum Widerstand bedeutet. Ein Gespräch der drei ist faktisch unmöglich. Die übrigen Fahrgäste wirken zudem genervt. Niemand solidarisiert sich – weder mit der einen noch mit der anderen Seite. Als die drei aussteigen, und das Gespräch an der Station Südstern fortsetzen oder besser: neu beginnen wollen, folgen ihnen die Demonstranten. Auch Orang-Utan-Geräusche sind zu vernehmen.

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