Klug, klüger, Berlin: In der Stadt arbeiten Tausende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler daran, Grundlegendes zu erklären und die Welt zu verbessern. Jede Woche stellen wir einen von ihnen vor.
Herr Barthel, woran arbeiten Sie gerade?
Ich untersuche derzeit die Igelpopulation in Berlin. Meine Kollegen und ich versuchen zu verstehen, inwieweit wir Menschen den Igeln das Leben schwer machen. Zum Beispiel schauen wir uns an, wie ein Festival das Verhalten der Igel beeinflusst. Oder wie die Tiere damit umgehen, dass ihr Lebensraum von Häusern, Straßen und anderen Hindernissen durchschnitten ist. Das machen wir mit diversen Methoden. Wir fangen und markieren Igel in verschiedenen Gebieten Berlins. Von diesen Tieren und anderen sammeln wir mithilfe des Tierheims und Tierärzten genetische Proben. Zudem statten wir Igel mit kleinen GPS-Geräten aus und verfolgen ihre Bewegungen.
Was bringt uns das?
Der Igel ist in diesem Fall ein Beispiel unter vielen kleinen Wildtierarten, die mit einem durch den Menschen gestalteten Lebensraum in Städten konfrontiert werden. Bei vielen dieser Arten bemerken wir gar nicht, wie stark sie von uns Menschen beeinflusst werden. Das Wissen darüber ist aber wichtig, um diese Arten zu erhalten und sie notfalls zu schützen. Es gilt vor allem herauszufinden, wie sich Städte naturfreundlicher entwickeln können, damit Tiere und Menschen weiterhin zusammenleben können.
Wie könnte man die Welt sonst noch verbessern?
Es ist wichtig, die Natur insgesamt zu schützen. Nur wenn ein System nicht zusammenbricht, kann es mit Veränderungen umgehen und diese ausgleichen. Das bedeutet zum Beispiel, dass man mit dem Anlegen von Wildblumenwiesen viel mehr bewirken kann, als wenn man seinen Fokus nur auf einzelne Tiere legt. Diese Wiesen sind Nahrung für Insekten, die dann wiederum als Nahrung für Igel, Vögel und Fledermäuse dienen. Es nützt nichts, wenn wir größere Tiere schützen, aber ihnen die Lebensgrundlage in Form von Nahrung, Unterschlupf und der Zugang zu Artgenossen fehlt.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de