Mies van der Rohe

Wie Kunst in Lichtenberg ein Zuhause fand: Neues Buch über Mies-van-der-Rohe-Haus

Im Buch „Schlicht und ergreifend“ erzählt die Museumsleiterin Wita Noack, wie alles begann, begleitet von besonderen Fotografien des Mies-van-der-Rohe-Hauses.

3 Min
Auch bei schlechtem Wetter ist es hell im Mies-van-der-Rohe-Haus. Zurzeit ist dort eine Ausstellung mit Werken von Shannon Finley zu sehen. 

Auch bei schlechtem Wetter ist es hell im Mies-van-der-Rohe-Haus. Zurzeit ist dort eine Ausstellung mit Werken von Shannon Finley zu sehen. 

© Anna Olthoff

Vor ziemlich genau 90 Jahren, im April 1933, ist das Ehepaar Lemke in ihr neues Häuschen am See eingezogen. Bis dahin wohnte der Druckereifachmann Karl mit seiner Frau Martha Lemke in einer Wohnung in Weißensee. Doch 1930 erwarb der Mann das Grundstück am Obersee und beauftragte zwei Jahre darauf einen bis heute berühmten Architekten, ein „kleines, bescheidenes Häuschen“ zu bauen. 160 Quadratmeter sollte es groß sein, der Architekt stimmte zu: Es war Mies van der Rohe.

Die Lemkes verließen ihr Häuschen bei Kriegsende. Es wurde während der DDR-Zeit unter anderem als Kantine für das Ministerium für Staatssicherheit genutzt und in den 1980er-Jahren etwas halbherzig restauriert. Heute ist es ein Kulturort, der immer wieder mit Ausstellungen und Vorträgen das Kulturleben Lichtenbergs bereichert. Vor allem an Wochenenden stehen Gäste am Ufer des Obersees und schauen verträumt auf die andere Seite.

Ein neues Buch erzählt jetzt nicht nur die wechselvolle Geschichte des Backsteinhauses in Hohenschönhausen, sondern verbindet diese Geschichte mit Fotografien von Michael Wesely. Er habe „Backstein zum Sprechen“ gebracht, sagt Wita Noack, die seit fast 30 Jahren die Museumsleiterin im Mies-van-der-Rohe-Haus in Alt-Hohenschönhausen ist. Sie sei stolz, auf eine lange gemeinsame Zusammenarbeit zurückzublicken.

Dass Wesely das Haus gut kennt, merkt man den Bildern an: „Es war wie ein Spiel mit dem Licht“, sagt er, „mal hab ich mich dem Haus morgens um 5 Uhr genähert, mal hab ich meine Kamera abends zur Dämmerung aufgebaut.“ Jedes Mal sei das Ergebnis ein anderes gewesen. Ihm gefalle, dass das Haus Lemke eben Teil einer Landschaft sei, und das wollte der Fotograf zum Ausdruck bringen.

Herausgekommen sind zum einen Überblendungen mit historischen Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die zeigen, wie sehr sich Dinge verändert haben über die Jahrzehnte. Im hinteren Teil des Buches beginnt der Foto-Essay, der betont, wie sehr die Bäume und Büsche rund um das Gebäude erst den besonderen Charakter dieses Kleinods, aber wichtigen Teils der Berliner Architekturgeschichte ausmachen.

Überliefert ist eine kurze Weihnachtsbotschaft von Karl Lemke an Mies van der Rohe aus dem Dezember 1934, die ebenfalls abgedruckt ist. Sie endet mit dieser Bemerkung: „Im übrigen bin ich mit Ihrem schönen Haus sehr zufrieden und freue mich auch heute noch darüber, Sie für diese Mitarbeit gewonnen zu haben.“ Er unterzeichnet mit: „Ihr ergebener Lemke.“

Noack, Wita: Mies van der Rohe – Schlicht und ergreifend: Landhaus Lemke 1932/33. 136 Seiten, 20 Euro.

Korrektur: In einer früheren Version des Textes hieß es, dass das Mies-van-der-Rohe-Haus in Weißensee steht. Allerdings steht es im heutigen Stadtteil Hohenschönhausen, der wiederum Teil vom Bezirk Lichtenberg ist.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema