Wie neu sind die neuesten Enthüllungen über den Vatikan und die Judenverfolgung?: Die entzauberte Enzyklika

"Die unterschlagene Enzyklika" von Georges Passelecq und Bernard Suchecky, 1995 in Frankreich erschienen und jetzt auf deutsch bei Hanser herausgekommen, ist eines der interessantesten Bücher dieses Frühjahrs (siehe die Besprechung in unserer Literaturbeilage vom 20. März, S. X). Es erzählt die abenteuerliche Geschichte einer 1938 im Auftrag von Papst Pius XI. entworfenen, aber niemals offiziell abgesegneten oder gar publizierten vatikanischen Stellungnahme gegen den Rassismus im allgemeinen und den Antisemitismus im besonderen. Wäre der Text als Enzyklika, als päpstliches Lehrschreiben, veröffentlicht worden, so hätte das an der Vernichtung der europäischen Judenheit wahrscheinlich nichts geändert. Wahrscheinlich nicht. Auf jeden Fall jedoch hätte es dem Vatikan den bis heute quälenden Vorwurf erspart, zur Judenverfolgung geschwiegen zu haben. Aber Pius XI., der 1938 schon krank war und im Februar 1939 starb, hat sich um den Entwurf offenbar nicht mehr kümmern können. Und sein Nachfolger auf dem Papstthron, der diplomatische Pius XII., verfolgte die Sache nicht weiter.Das Buch von Passelecq und Suchecky wird auf großes Interesse stoßen, denn Kirchenkritik und Nationalsozialismus sind öffentlichkeitswirksame, in der Kombination sogar sensationsverdächtige Themen. Nun haben Passelecq und Suchecky keineswegs verheimlicht, daß sie nicht als erste auf die Enzyklika-Geschichte gestoßen sind. Der Fall wurde im Winter 1972/73 aufgebracht, im amerikanischen "National Catholic Reporter". Die Zeitschrift hatte aus dem Nachlaß des Jesuitenpaters John LaFarge, jenes Mannes, der von Pius XI. aus heiterem Himmel während einer Privataudienz mit der Ausarbeitung des Enzyklika-Konzepts betraut worden war, Mikrofilmkopien mit LaFarges Entwurf und mit Dokumenten zur Entstehungsgeschichte und zum weiteren Schicksal des Papiers auswerten können. Der "National Catholic Reporter" zitierte als zusammenhängend aus dem Entwurf aber nur die Passagen über den Rassismus im allgemeinen, nicht den sozialphilosophischen ersten Teil und auch nicht die Stellen über den Antisemitismus im besonderen.Wenn Passelecq und Suchecky (die mit beträchtlicher Mühe den Mikrofilm noch einmal auftreiben konnten) jetzt in ihrem Buch den vollständigen Text bringen, ist das also in der Tat eine Neuigkeit. Sie folgen dabei einer französischen Version des Entwurfs, die gleichfalls auf dem Mikrofilm erhalten und von LaFarge als "authentisch und vollständig" bezeichnet ist. Insgesamt existiert der Text in drei Sprachen: auf Englisch, Französisch und Deutsch, denn LaFarge, der sich von dem päpstlichen Auftrag überfordert fühlte, hatte sich zwei Mitbrüder aus dem Jesuitenorden beiordnen lassen: den Franzosen Gustave Desbuquois und den Deutschen Gustav Gundlach.Mit der deutschen, Gundlachschen Version hängen nun einige Fragen zusammen, die das Buch von Passelecq und Suchecky in ein merkwürdiges Licht rücken. Der Theologe Johannes Schwarte hat 1975 eine Dissertation über Gustav Gundlach veröffentlicht, der ein bedeutender Vertreter der katholischen Soziallehre war. In diesem Buch hat Schwarte auch die Geschichte des Enzyklika-Projekts von 1938/39 dargestellt. Neben dem Mikrofilm aus Amerika konnte er dabei den deutschen Text verwenden, der ihm im Nachlaß von Gundlach zur Verfügung stand. Er erhielt nicht die Erlaubnis, ihn direkt zu zitieren, sondern durfte ihn nur paraphrasieren. Das hat er ausführlich getan und den Inhalt Abschnitt für Abschnitt wiedergegeben.Mit dem Buch von Johannes Schwarte, darauf macht er uns selbst aufmerksam, gehen Passelecq und Suchecky nun auf eine sehr seltsame Art um. So unterstellen sie Schwarte, er habe behauptet, den deutschen Text des Entwurfs gleichfalls auf dem amerikanischen Mikrofilm des LaFarge-Materials gefunden zu haben, während die deutsche Fassung auf diesem Film doch gar nicht vorhanden sei. Doch das behauptet Schwarte gar nicht - er sagt nur, daß er jene Zeugnisse, aus denen er "die Entstehungsgeschichte sowie das weitere Schicksal des Entwurfs" rekonstruiere, auf dem Mikrofilm zur Verfügung gestellt bekommen habe. Wenn Passelecq und Suchecky ihn etwas anderes sagen lassen, wenn sie ihn behaupten lassen, daß er den Entwurf selbst aus der amerikanischen Quelle kennengelernt habe - so suggerieren sie, daß er vom Gundlach-Nachlaß abgelenkt habe, daß er, wie sie schließen, "gebeten wurde, nicht alle seine Quellen offenzulegen". Im Vorumbruch der deutschen Übersetzung des Buches von Passelecq und Suchecky, der Schwarte zugespielt worden war, hatte es von Schwartes Quellenangabe mit Bezug auf den Mikrofilm sogar noch geheißen: "möglicherweise ist sie bewußt falsch"; auf Schwartes Protest hin hat Hanser diesen Zusatz vor dem Druck noch getilgt.Es ist vollkommen berechtigt, wenn Passelecq und Suchecky die bis heute andauernde Geheimniskrämerei der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle in Mönchengladbach beklagen, wo der Gundlach-Nachlaß aufbewahrt wird und wo sie nur die Erlaubnis erhielten, den deutschen Enzyklika-Entwurf einzusehen - nicht aber, ihn zu kopieren. Unser Rezensent Georg Denzler hat gefragt, ob man sich in Mönchengladbach etwa scheue, Gundlachs "gemäßigten Antijudaismus" publik zu machen. Es ist jedoch unredlich, Schwartes Dissertation selbst als Ausdruck solcher Heimlichtuerei zu verdächtigen, weil er in der Bibliographie seiner Arbeit den Gundlach-Entwurf lediglich als "unveröffentlichtes Manuskript" ohne genauen Fundort aufgeführt habe. Schwarte weist darauf hin, daß er einen Fundort im üblichen Sinne wissenschaftlichen Zitierens einfach nicht angeben konnte, weil sich der Nachlaß vollkommen ungeordnet in Gundlachs Wohnräumen befunden habe. Der "Fundort" im physischen Sinne war ein Kleiderschrank.Besonders irreführend ist es, wenn sie Schwartes Behandlung des Gundlachschen Enzyklika-Entwurfs dahingehend charakterisieren, daß Schwarte "des langen und breiten über die deutsche Fassung spricht". Das erweckt den völlig falschen Eindruck, Schwarte habe den Text lediglich kommentiert oder interpretiert, während er ihn in Wahrheit inhaltlich umfassend wiedergibt.Nimmt man noch hinzu, daß Schwarte in seinem Buch plausible Argumente, auch Zeugenaussagen, dafür anführt, daß Gundlach der Hauptautor des Enzyklika-Entwurfs und seine, die deutsche Fassung daher die maßgebliche Textversion war - so kommt man zu dem Schluß, daß in Johannes Schwartes Dissertation das Wesentliche über "Die unterschlagene Enzyklika" schon gesagt ist. Tatsächlich standen ihm alle wichtigen zugänglichen Quellen zur Verfügung (die vatikanischen Archive sind ihm und Passelecq/Suchecky gleichermaßen verschlossen geblieben), und wer das neue Buch mit Schwartes Dissertation vergleicht, wird keinen großen Erkenntnisfortschritt feststellen.In einem wichtigen Punkt, den Schwarte schon erwähnt, sieht man jetzt freilich klarer: LaFarges Kritik am Antisemitismus ist konkreter, politischer, auch vom traditionellen kirchlichen Antijudaismus freier als die entsprechenden Passagen bei Gundlach; freilich muß man hierzu eben wieder Schwartes Arbeit heranziehen, weil Passelecq und Suchecky bei ihrer Inspektion des deutschen Materials offenbar kein deutliches eigenes Bild von dem Gundlach-Text gewinnen konnten. Immerhin führt ihre Publikation der LaFarge-Fassung in diesem Punkt, durch Bereitstellung des Vergleichsmaterials, über Schwartes Darstellung hinaus.Johannes Schwarte hat den Hanser-Verlag im Januar über seine Sicht der Dinge informiert und Korrekturen verlangt. Die Verdächtigung einer "möglicherweise bewußten" falschen Angabe wurde daraufhin, wie oben erwähnt, getilgt, ansonsten aber ist das Buch unverändert erschienen. Der Verlag hat Schwartes Beschwerden lediglich an die Autoren weitergeleitet. Johannes Schwarte vermutet, daß Passelecq und Suchecky sich dank der Existenz seiner Dissertation in einer peinlichen Verlegenheit sahen: Sie konnten sein Buch nicht gut "übersehen", weil ihnen das den Vorwurf mangelhafter Recherche oder des Plagiats eingetragen hätte. Sie konnten aber auch nicht zugeben, daß der Fall der Beinahe-Enzyklika durch ihn hinreichend klar und umfassend bereits dargestellt war, soweit das bei der gegenwärtigen Quellenlage möglich ist - denn dieses Eingeständnis hätte ihr Buch eigentlich überflüssig gemacht, ihm zumindest den spektakulären Charakter genommen. Also hätten sie seine Arbeit als Teil eines klerikalen Vertuschungs-Kartells angeschwärzt, um dann auf eigenen, kirchenkritischen Wegen die bereits vorliegenden Ergebnisse noch einmal zu finden. Schwarte fragt, warum Passelecq und Suchecky sich bei ihren Recherchen nicht mit ihm in Verbindung gesetzt hätten. Eine Täuschungsabsicht läßt sich natürlich nicht beweisen. Aber daß "Die unterschlagene Enzyklika" im Lichte von Schwartes Mitteilungen viel von ihrem sensationellen Reiz verliert, ist doch unbestreitbar. ...

BLZ
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"Die unterschlagene Enzyklika" von Georges Passelecq und Bernard Suchecky, 1995 in Frankreich erschienen und jetzt auf deutsch bei Hanser herausgekommen, ist eines der interessantesten Bücher dieses Frühjahrs (siehe die Besprechung in unserer Literaturbeilage vom 20. März, S. X). Es erzählt die abenteuerliche Geschichte einer 1938 im Auftrag von Papst Pius XI. entworfenen, aber niemals offiziell abgesegneten oder gar publizierten vatikanischen Stellungnahme gegen den Rassismus im allgemeinen und den Antisemitismus im besonderen. Wäre der Text als Enzyklika, als päpstliches Lehrschreiben, veröffentlicht worden, so hätte das an der Vernichtung der europäischen Judenheit wahrscheinlich nichts geändert. Wahrscheinlich nicht. Auf jeden Fall jedoch hätte es dem Vatikan den bis heute quälenden Vorwurf erspart, zur Judenverfolgung geschwiegen zu haben. Aber Pius XI., der 1938 schon krank war und im Februar 1939 starb, hat sich um den Entwurf offenbar nicht mehr kümmern können. Und sein Nachfolger auf dem Papstthron, der diplomatische Pius XII., verfolgte die Sache nicht weiter.Das Buch von Passelecq und Suchecky wird auf großes Interesse stoßen, denn Kirchenkritik und Nationalsozialismus sind öffentlichkeitswirksame, in der Kombination sogar sensationsverdächtige Themen. Nun haben Passelecq und Suchecky keineswegs verheimlicht, daß sie nicht als erste auf die Enzyklika-Geschichte gestoßen sind. Der Fall wurde im Winter 1972/73 aufgebracht, im amerikanischen "National Catholic Reporter". Die Zeitschrift hatte aus dem Nachlaß des Jesuitenpaters John LaFarge, jenes Mannes, der von Pius XI. aus heiterem Himmel während einer Privataudienz mit der Ausarbeitung des Enzyklika-Konzepts betraut worden war, Mikrofilmkopien mit LaFarges Entwurf und mit Dokumenten zur Entstehungsgeschichte und zum weiteren Schicksal des Papiers auswerten können. Der "National Catholic Reporter" zitierte als zusammenhängend aus dem Entwurf aber nur die Passagen über den Rassismus im allgemeinen, nicht den sozialphilosophischen ersten Teil und auch nicht die Stellen über den Antisemitismus im besonderen.Wenn Passelecq und Suchecky (die mit beträchtlicher Mühe den Mikrofilm noch einmal auftreiben konnten) jetzt in ihrem Buch den vollständigen Text bringen, ist das also in der Tat eine Neuigkeit. Sie folgen dabei einer französischen Version des Entwurfs, die gleichfalls auf dem Mikrofilm erhalten und von LaFarge als "authentisch und vollständig" bezeichnet ist. Insgesamt existiert der Text in drei Sprachen: auf Englisch, Französisch und Deutsch, denn LaFarge, der sich von dem päpstlichen Auftrag überfordert fühlte, hatte sich zwei Mitbrüder aus dem Jesuitenorden beiordnen lassen: den Franzosen Gustave Desbuquois und den Deutschen Gustav Gundlach.Mit der deutschen, Gundlachschen Version hängen nun einige Fragen zusammen, die das Buch von Passelecq und Suchecky in ein merkwürdiges Licht rücken. Der Theologe Johannes Schwarte hat 1975 eine Dissertation über Gustav Gundlach veröffentlicht, der ein bedeutender Vertreter der katholischen Soziallehre war. In diesem Buch hat Schwarte auch die Geschichte des Enzyklika-Projekts von 1938/39 dargestellt. Neben dem Mikrofilm aus Amerika konnte er dabei den deutschen Text verwenden, der ihm im Nachlaß von Gundlach zur Verfügung stand. Er erhielt nicht die Erlaubnis, ihn direkt zu zitieren, sondern durfte ihn nur paraphrasieren. Das hat er ausführlich getan und den Inhalt Abschnitt für Abschnitt wiedergegeben.Mit dem Buch von Johannes Schwarte, darauf macht er uns selbst aufmerksam, gehen Passelecq und Suchecky nun auf eine sehr seltsame Art um. So unterstellen sie Schwarte, er habe behauptet, den deutschen Text des Entwurfs gleichfalls auf dem amerikanischen Mikrofilm des LaFarge-Materials gefunden zu haben, während die deutsche Fassung auf diesem Film doch gar nicht vorhanden sei. Doch das behauptet Schwarte gar nicht - er sagt nur, daß er jene Zeugnisse, aus denen er "die Entstehungsgeschichte sowie das weitere Schicksal des Entwurfs" rekonstruiere, auf dem Mikrofilm zur Verfügung gestellt bekommen habe. Wenn Passelecq und Suchecky ihn etwas anderes sagen lassen, wenn sie ihn behaupten lassen, daß er den Entwurf selbst aus der amerikanischen Quelle kennengelernt habe - so suggerieren sie, daß er vom Gundlach-Nachlaß abgelenkt habe, daß er, wie sie schließen, "gebeten wurde, nicht alle seine Quellen offenzulegen". Im Vorumbruch der deutschen Übersetzung des Buches von Passelecq und Suchecky, der Schwarte zugespielt worden war, hatte es von Schwartes Quellenangabe mit Bezug auf den Mikrofilm sogar noch geheißen: "möglicherweise ist sie bewußt falsch"; auf Schwartes Protest hin hat Hanser diesen Zusatz vor dem Druck noch getilgt.Es ist vollkommen berechtigt, wenn Passelecq und Suchecky die bis heute andauernde Geheimniskrämerei der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle in Mönchengladbach beklagen, wo der Gundlach-Nachlaß aufbewahrt wird und wo sie nur die Erlaubnis erhielten, den deutschen Enzyklika-Entwurf einzusehen - nicht aber, ihn zu kopieren. Unser Rezensent Georg Denzler hat gefragt, ob man sich in Mönchengladbach etwa scheue, Gundlachs "gemäßigten Antijudaismus" publik zu machen. Es ist jedoch unredlich, Schwartes Dissertation selbst als Ausdruck solcher Heimlichtuerei zu verdächtigen, weil er in der Bibliographie seiner Arbeit den Gundlach-Entwurf lediglich als "unveröffentlichtes Manuskript" ohne genauen Fundort aufgeführt habe. Schwarte weist darauf hin, daß er einen Fundort im üblichen Sinne wissenschaftlichen Zitierens einfach nicht angeben konnte, weil sich der Nachlaß vollkommen ungeordnet in Gundlachs Wohnräumen befunden habe. Der "Fundort" im physischen Sinne war ein Kleiderschrank.Besonders irreführend ist es, wenn sie Schwartes Behandlung des Gundlachschen Enzyklika-Entwurfs dahingehend charakterisieren, daß Schwarte "des langen und breiten über die deutsche Fassung spricht". Das erweckt den völlig falschen Eindruck, Schwarte habe den Text lediglich kommentiert oder interpretiert, während er ihn in Wahrheit inhaltlich umfassend wiedergibt.Nimmt man noch hinzu, daß Schwarte in seinem Buch plausible Argumente, auch Zeugenaussagen, dafür anführt, daß Gundlach der Hauptautor des Enzyklika-Entwurfs und seine, die deutsche Fassung daher die maßgebliche Textversion war - so kommt man zu dem Schluß, daß in Johannes Schwartes Dissertation das Wesentliche über "Die unterschlagene Enzyklika" schon gesagt ist. Tatsächlich standen ihm alle wichtigen zugänglichen Quellen zur Verfügung (die vatikanischen Archive sind ihm und Passelecq/Suchecky gleichermaßen verschlossen geblieben), und wer das neue Buch mit Schwartes Dissertation vergleicht, wird keinen großen Erkenntnisfortschritt feststellen.In einem wichtigen Punkt, den Schwarte schon erwähnt, sieht man jetzt freilich klarer: LaFarges Kritik am Antisemitismus ist konkreter, politischer, auch vom traditionellen kirchlichen Antijudaismus freier als die entsprechenden Passagen bei Gundlach; freilich muß man hierzu eben wieder Schwartes Arbeit heranziehen, weil Passelecq und Suchecky bei ihrer Inspektion des deutschen Materials offenbar kein deutliches eigenes Bild von dem Gundlach-Text gewinnen konnten. Immerhin führt ihre Publikation der LaFarge-Fassung in diesem Punkt, durch Bereitstellung des Vergleichsmaterials, über Schwartes Darstellung hinaus.Johannes Schwarte hat den Hanser-Verlag im Januar über seine Sicht der Dinge informiert und Korrekturen verlangt. Die Verdächtigung einer "möglicherweise bewußten" falschen Angabe wurde daraufhin, wie oben erwähnt, getilgt, ansonsten aber ist das Buch unverändert erschienen. Der Verlag hat Schwartes Beschwerden lediglich an die Autoren weitergeleitet. Johannes Schwarte vermutet, daß Passelecq und Suchecky sich dank der Existenz seiner Dissertation in einer peinlichen Verlegenheit sahen: Sie konnten sein Buch nicht gut "übersehen", weil ihnen das den Vorwurf mangelhafter Recherche oder des Plagiats eingetragen hätte. Sie konnten aber auch nicht zugeben, daß der Fall der Beinahe-Enzyklika durch ihn hinreichend klar und umfassend bereits dargestellt war, soweit das bei der gegenwärtigen Quellenlage möglich ist - denn dieses Eingeständnis hätte ihr Buch eigentlich überflüssig gemacht, ihm zumindest den spektakulären Charakter genommen. Also hätten sie seine Arbeit als Teil eines klerikalen Vertuschungs-Kartells angeschwärzt, um dann auf eigenen, kirchenkritischen Wegen die bereits vorliegenden Ergebnisse noch einmal zu finden. Schwarte fragt, warum Passelecq und Suchecky sich bei ihren Recherchen nicht mit ihm in Verbindung gesetzt hätten. Eine Täuschungsabsicht läßt sich natürlich nicht beweisen. Aber daß "Die unterschlagene Enzyklika" im Lichte von Schwartes Mitteilungen viel von ihrem sensationellen Reiz verliert, ist doch unbestreitbar. +++

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