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Willkommensgeld und Augen-Scan: Wie im Alexa die Finanzwelt revolutioniert werden soll

Ein Fintech-Start-up will das bedingungslose Grundeinkommen und bietet dafür ein 50-Euro-Begrüßungsgeld an. Ein Selbstversuch am Alexanderplatz in Berlin.

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Werden diese runden, futuristisch anmutenden Kugeln die Finanzwelt verändern?

Werden diese runden, futuristisch anmutenden Kugeln die Finanzwelt verändern?

© Berliner Zeitung

Montag, 7. August, früher Nachmittag, mitten in den Schulferien im Alexa. Hauptsächlich sind es Jugendliche und Touristen, die die Mode- und Elektronikgeschäfte im Herzen Berlins bevölkern. Im Erdgeschoss des großen Einkaufszentrums stehen derweil im mittleren Gang, zwischen einem Feinkostladen und einem Optiker, drei Personen in schwarzen Shirts und schwarzen Hosen und werben für ein Kryptoprojekt, eine Art digitales Währungsprojekt, das die Finanzwelt revolutionieren soll. Das Projekt nennt sich Worldcoin und soll eine App für alles sein: Bankgeschäfte, Bezahlfunktionen, Versicherungen sowie ein neuer Identifikationsmechanismus. 

„Willkommen bei Worldcoin“, sagt einer der schwarz gekleideten Promoter, die in den vergangenen Tagen nach eigener Aussage mehrere Hundert Menschen für ihre Idee überzeugen konnten: Der ChatGPT-Mitbegründer Sam Altman und Alex Blania arbeiteten mehrere Monate an dem Projekt, bei dem Nutzer online beweisen können, dass sie Menschen sind. Das sei besonders wichtig in einer Zeit, in der verschiedenste Formen von Künstlicher Intelligenz immer relevanter werden.

Interessenten müssen für wenige Augenblicke in eine futuristisch anmutende Silberkugel schauen, auch „Orb“ genannt, und ihre Iris scannen lassen. So sollen „reale und einzigartige Menschen“ erkannt werden, für Maschinen und Roboter soll es hingegen bei Worldcoin keinen Platz geben.

Während ein Worldcoin-Promoter der Berliner Zeitung grundlegende Daten und Fakten rund um das Start-up erzählt, treten zwei jugendliche Frauen an die zweite Orb-Kugel heran und registrieren sich für die Worldcoin-App mit ihrem Iris-Scan. „Wir haben gehört, es gibt Willkommensgeld hier“, verrät eine Frau ihre Motivation für den Augenabgleich. Wer sich nämlich erfolgreich registriert, erhält eine sogenannte World ID sowie eine Art Begrüßungsgeld in Form von 25 Worldcoin-Tokens.

Stundenlange Schlangen in Japan und Singapur

Darüber hinaus zahlt das neue Fintech-Unternehmen auch noch einen weiteren Token pro Woche über die hauseigene App aus: Der aktuelle Kurs schwankt gerade um die zwei Euro, man kann also mit 50 realen Euro rechnen. „In anderen Ländern standen die Leute stundenlang an für die Registrierung, in Japan oder Singapur zum Beispiel“, sagt ein Promoter der Berliner Zeitung.

„Worldcoin“-Gründer Sam Altman im Gespräch mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron

„Worldcoin“-Gründer Sam Altman im Gespräch mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron

© ABACAPRESS/imago

Er zeigt auf seiner App, dass sich seit dem Unternehmenslaunch knapp über zwei Millionen User registriert haben. Der Gründer Sam Altman träumt von einem Plan, über seine Plattform eine Art bedingungsloses Grundeinkommen auszuzahlen, wenn Maschinen und Roboter immer mehr die Arbeit der Menschen übernehmen. Bevor die Firma Worldcoin die Welt mit ihrer Idee erobern kann, muss jedoch noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. Hierzulande gibt es nämlich erst zwei Registrierungs-Orbs: Im Alexa in Berlin sowie im fränkischen Erlangen, wo die Technologie maßgeblich entwickelt wurde.

Kritik aus der Bundespolitik

Doch das in San Francisco und Berlin ansässige Unternehmen spaltet die Tech-Szene und steckte in den vergangenen Tagen auch viel Kritik aus der Politik ein. Das Bundesinnenministerium warnt vor Sicherheitsrisiken und moniert den technologischen Ansatz von Worldcoin. Demnach sei die Iris des Auges als Identifizierungsmerkmal eines Menschen keine lobenswerte Errungenschaft. Auch die Weitergabe von biometrischen Daten an Staaten oder andere Unternehmen könne wohl nicht vollständig ausgeschlossen werden.

Das Unternehmen Worldcoin selbst betont – besonders beim Launch in Deutschland –, der Schutz der Privatsphäre sowie das Prinzip der Datenminimalisierung sei ihm wichtig. Man achte und halte sich an deutsche und europäische Datenschutzgesetze, so der Worldcoin-Promoter im Alexa.

Nach Angaben von Worldcoin werde man in Zukunft noch mehr Märkte erschließen wollen. Weltweite Hotspots seien derzeit die USA, Mexiko und Chile sowie Indien und Japan. In Europa soll der Start des Kryptoprojektes vor allem in Spanien und Portugal gut angelaufen seien. „Digitale und vor allem dezentrale Bezahlsysteme sind die Zukunft“, sagt der Promoter, „und die 25 Worldcoins, ich sage mal so: Haben oder Nichthaben, es gibt ja schließlich Geld.“ Dass man dafür seine Körperdaten frei zur Verfügung stellt, fällt bei 50 Euro dann doch lieber unter die Orb-Kugel.

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