MARTIN KLESMANN hat keine Bedenken gegen die Benennung des künftigen Flughafens.Der Flughafen von München ist nach dem verstorbenen CSU-Politiker Franz-Josef-Strauß benannt, der Flughafen Köln/Bonn nach dem christdemokratischen Ex-Bundeskanzler Konrad Adenauer. Es ist also nur von ausgleichender Gerechtigkeit, wenn der "Berlin Brandenburg Airport" in Schönefeld nun nach einem Sozialdemokraten benannt wird, nach Ex-Kanzler Willy Brandt.Es spricht nichts dagegen, Flughäfen nach verdienten, demokratisch legitimierten Politikern zu benennen - solange diese Politiker vom Volke mehrheitlich gewählt worden sind. Wichtig ist, dass auch die Entscheidung zur Namensgebung durch demokratisch legitimierte Mehrheiten zustande kommt. Dies ist der Fall. Man muss nicht zu jeder Detailfrage einen Volksentscheid abhalten.Und Willy Brandt, der sich immer als gesamtdeutsch handelnder Politiker sah, passt zu Berlin-Brandenburg. Er wurde als Regierender Bürgermeister von West-Berlin und später als Kanzler auch von vielen Ostdeutschen sehr geschätzt.Ein Flughafen ist auch immer so etwas wie eine Eingangstür in ein Land. Ausländischen Besuchern wird es womöglich positiv auffallen, dass der Flughafen der deutschen Hauptstadt nach einem Mann benannt ist, der als Hitler-Gegner schon in jungen Jahren sein Land verlassen musste. Später als Politiker suchte Brandt die Aussöhnung mit Osteuropa. Dabei bekannte er offen die deutsche Schuld. Womöglich werden sich Gäste aus Warschau oder Moskau, die in Schönefeld landen, daran erinnern. Das wäre gut für eine Stadt, die Ost-West-Drehscheibe sein will.Aus den euphorischen Pressemitteilungen der aktuellen Berliner SPD-Politiker wird indes deutlich, wie gerne sie sich mit der Legende Willy Brandt schmücken. Er war bis auf weiteres der letzte SPD-Spitzenpolitiker, auf den sich alle Sozialdemokraten einigen konnten.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de