Der Straßenwärter von der Autobahnmeisterei Rangsdorf ist amtierender Deutscher Meister im Schneepflugfahren. Als er aus dem Truck steigt, nicken die anderen Männer anerkennend. „Die Weltmeisterschaft kann kommen“, scherzen sie, „der Pott geht nach Deutschland.“ Dann schwingt sich der nächste in den Lkw und steuert ihn mit beeindruckender Sicherheit rückwärts über eine Hindernisstrecke, die auf dem Hof der Autobahnmeisterei Erkner aufgebaut ist.
Deutschlands beste Winterdienstfahrer haben sich diese Woche hier zu einem Trainingslager zusammengefunden. Die vier Zwei-Mann-Teams haben im Vorjahr bei den deutschen Meisterschaften der Schneepflugfahrer die ersten Plätze belegt und nun bereiten sie sich gemeinsam auf die im Februar stattfindende Weltmeisterschaft vor – die „Snowfighters World Competition“ im polnischen Gdansk.
Zum allerersten Mal dabei
„Deutschland nimmt zum ersten Mal an solch einem Kräftemessen teil, und wir wollen natürlich zeigen, was wir können“, sagt Andreas Müller. Er ist der Chef der Autobahnmeisterei Erkner und so etwas wie der Bundestrainer der besonders geschickten Fahrer aus Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Hessen. Seit vielen Jahren engagiert sich der 60-jährige gelernte Bauingenieur im Arbeitsausschuss Winterdienst der deutschen Forschungsgesellschaft Straße und Verkehr, um sich und seine Kollegen über aktuelle Trends der Technik und wissenschaftliche Umweltstandards auf dem Laufenden zu halten.
Alle vier Jahre trifft sich die Branche zum Winterdienst-Weltkongress, in dessen Rahmen auch die Fahrer-Meisterschaft ausgetragen wird. Dieses Mal ist Polen der Gastgeber. „Das ist eine gute Gelegenheit, auch mal die Jungs, die direkt auf der Straße ihren verantwortungsvollen Dienst versehen, mit ins Boot zu holen“, sagt Andreas Müller. Dem Jogi Löw der deutschen Winterdienstler ist es maßgeblich zu verdanken, dass Brandenburg im Vorjahr erstmals eine deutsche Meisterschaft für die Räumkommandos ausrichtete und das deutsche WM-Team ermittelte.
Nun hat er die Crème de la crème der Branche zusammengetrommelt – zum Feinschliff für den Auftritt auf internationaler Bühne. Er besorgte die Fahrzeuge, die in Polen beim Wettstreit fahren, hier aber nicht gebräuchlich sind. Er besorgte auch Fotos vom Streckengelände und Skizzen vom Parcours mit allen Prüfungselementen. Und er bereitete auf dem Betriebsgelände in Erkner einen Übungsplatz vor, auf dem die Männer drei Tage lang trainieren.
So machen sie sich nicht nur mit dem ungewohnten Fahrzeug vertraut, einem niederländischen Fabrikat. Wieder und wieder gehen sie wie die Rodler vor dem Start ihre Geschicklichkeitsstrecke gedanklich durch und diskutieren den Schwierigkeitsgrad jedes Elements.
Die Hausmeister der Straße
„Das ist schon aufregend“, sagt Champion Enrico Helmke. Dann fährt er weiter Slalom und Kurven und manövriert vor- und rückwärts durch enge Gassen. Der 38-Jährige hat den Beruf gelernt. Sie nennen sich die „Hausmeister der Straße“. Helmke liebt die Vielseitigkeit sowie die Herausforderungen der Technik und der Jahreszeiten – wobei er den Winterdienst als „die große Kür vom Ganzen“ bezeichnet.
Dann schwingt er sich wieder mit seinem Beifahrer Tom Schultchen auf den Bock, um das Teamwork in der Fahrerkabine zu verfeinern. Gemeinsam machen sie sich daran, mit den Schneepflügen, die vorn und seitlich an den Fahrzeugen montierten sind, verschiedene Hindernisse aufzunehmen oder sie akkurat zu schieben oder sie punktgenau auf markierte Felder oder Linien abzulegen. Die Reifen und Tonnen, die sie bugsieren, symbolisieren dabei die kleinen, großen oder breiten Schneehaufen des wahren Winterdienstler-Lebens.
„Natürlich macht das in erster Linie Spaß, aber es hat auch viel mit unserer Praxis zu tun“, sagt Mathias Pötsch, deutscher Vizemeister von der Straßenmeisterei Luckau. Sein Betrieb ist auch für die Räumung von Straßen innerhalb von Ortschaften zuständig. „Da gibt es schon jede Menge knifflige Situationen“, sagt er. „Aber schadet es nichts, immer noch was dazu zu lernen. Außerdem bin ich gespannt auf die Kollegen aus anderen Ländern.“
Noch touchieren sie bei ihren Trainingsfahrten den einen oder anderen Kegel. Noch säuft ihnen das noch recht unbekannte Fahrzeug beim heftigen Lenkmanöver auch mal ab. Noch rutscht ihnen das Reifenset mitunter von der Schippe. Aber der Ehrgeiz hat sie alle gepackt.
„Das wird schon. Einsatzbereitschaft, Stehvermögen, Teamfähigkeit, Verständnis der Technik – das bringen schließlich nicht nur diese Jungs, sondern alle Winterdienstler zur Genüge mit“, sagt Coach Müller. Dann stellt er den Männern mit den filigranen Fahrkünsten die nächsten Schneeattrappe in den Weg.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de