"Wir haben die Nase voll von dem Bündnis"

Gilbert Schomaker
3 Min

Die Abstimmung war eindeutig: 20:1 votierten die Mitglieder der SPD-Abteilung Frohnau gegen die Fortsetzung des Bündnisses mit der CDU. "Bei uns an der Basis rumort es gewaltig. Wir haben die Nase voll von dem Bündnis mit der CDU", sagte am Freitag Brigitte Lange, die der Abteilung, der kleinsten Gruppierung innerhalb der Berliner Sozialdemokratie, vorsteht.Viele Parteimitglieder hätten nach dem Wahlergebnis resigniert, beschrieb Thomas Gaudszun, der am Sonntag aus dem Abgeordnetenhaus herausgewählt wurde, die Stimmung. "Die Anhänger und Gegner einer weiteren Regierungsbeteiligung findet man an der Basis im rechten wie im linken Lager", sagte Gaudszun. Er als Parteilinker müsste eigentlich gegen eine große Koalition sein, sagte Gaudzun. "Aber wie sollen wir eine Oppositionsrolle in der Praxis ausfüllen? Ich kann sie mir nicht vorstellen", sagte der ehemalige Abgeordnete."Mit unserer Arbeit als kleiner Koalitionspartner sind wir nicht richtig rübergekommen", sagte Rainer Winrich aus Karow. "Innerhalb meiner Abteilung fragen sich schon viele, wie häufig die SPD noch in eine große Koalition eintreten muss, bis sie auf dem Niveau der FDP in Berlin angekommen ist", sagte Winrich. Die Menschen dächten doch nur an ein dickes Portmonee, das habe er im Straßenwahlkampf zur Genüge erlebt. "Da kümmert man sich um Abwasserkanäle oder Lauben und erhält von 600 Stimmen in meinem Kreis nur 100, während CDU und PDS über 500 Stimmen bekommen", sagt ein enttäuschter Wahlkämpfer. Bereits eine Woche vor dem Wahltag fand auch in der Karower Abteilung eine Abstimmung für den Fall eines Wahldesasters statt. Falls die SPD ihr schlechtestes Wahlergebnis noch einmal unterbieten sollte, so das Ergebnis der Abstimmung, dann sollte man ernsthaft über den Ausstieg aus der großen Koalition nachdenken. Am Sonntag erzielte die SPD ihr schlechtestes Ergebnis nach 1945. "Wir hier in Karow sehen nun eine erneute Senatsbeteiligung sehr, sehr kritisch", sagte Winrich.Uwe Ziesak, selbst stellvertretender Kreisvorsitzender in Spandau, gab die Stimmung in Kladow wieder. "Wir wollen raus aus der Koalition, um die Partei zu erneuern. Wer jetzt drinbleiben will, denkt doch hauptsächlich an seinen Posten", sagte Ziesak. Noch konkreter wurde Brigitte Lange aus Frohnau: "Fugmann-Heesing und Böger verkörpern doch den Niedergang in den letzten Jahren. Sie konnten nicht klar machen, wieso man so sparen musste", sagte die Abteilungsvorsitzende. "Die kleben doch alle an ihren Senatsstühlen", sagte sie.Hans-Peter Seitz, parlamentarischer Geschäftsführer, verglich den Diskussionsprozess an der Basis mit einem Reifungsprozess. Es dauere noch, bis sich die Partei ein klares Bild gemacht habe. Man müsse sich überlegen, wie man über Inhalte wieder Stimmen gewinnen könne. "Die Sozialdemokratie ist nicht zum Selbstzweck da, sondern für die Bürger", sagte Seitz."Die kleben doch alle an ihren Senatsstühlen. " Brigitte Lange, SPD-Abteilung Frohnau

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