„Wir haben es satt!“

Tausende Berliner demonstrieren gegen die Agrarindustrie

Die Grüne Woche dient als Kulisse für einen Streit über die richtige Agrarpolitik.

BLZ
2 Min
Viele Bauern haben für eine Neuausrichtung der Landwirtschaft protestiert.

Viele Bauern haben für eine Neuausrichtung der Landwirtschaft protestiert.

© dpa

Den Auftakt der Demonstration von Bauern, Umwelt- und Tierschützern bildete ein Konvoi, an dem sich laut Veranstalter 130 Traktoren beteiligten. Die Demonstranten überreichten am Landwirtschaftsministerium ein Papier mit Forderungen. Rund 100 Organisationen, darunter Verbände von konventionell und ökologisch wirtschaftenden Bauern, hatten zu dem Protestmarsch aufgerufen. Sie fordern einen Richtungswechsel und positionieren sich gegen Massentierhaltung. Auch Poltiker der Grünen nahmen teil.

Anlass der Proteste ist die Agrarmesse Grüne Woche, die am Freitag in Berlin begonnen hatte. Der Vorsitzende der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, kritisierte Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) am Freitag scharf. „Die CSU-Agrarpolitik ist ein Scherbenhaufen.“ Die Messe wäre der richtige Ort, die Agrarwende zu verkünden, doch der „Schnitzelminister Schmidt“ führe lieber einen ideologischen Feldzug gegen Vegetarier und Veganer.

Schmidt sagte am Samstag: „Es wird nicht so bleiben können wie es ist.“ Wer an Lösungen in „revolutionären Akten“ glaube, übersehe dabei jedoch, dass Verbesserungen unter dem rollenden Rad erreicht werden müssten. „Kernaufgabe der Landwirtschaft ist und bleibt die Ernährungssicherung.“ Schmidt rief zudem zu einer „Gemeinschaftsaktion“ mit den Bauern auf.

Ähnliche Ansätze forderten Gegendemonstranten am Berliner Hauptbahnhof. Dort kamen nach Angaben der Veranstalter rund 700 Menschen und 50 Traktoren am Samstagmorgen zusammen. Sie warfen der „Wir haben es satt“-Demonstration Diffamierung vor. Ihr Gegenmotto lautete „Wir machen Euch satt“. Es sei die vorrangige Aufgabe „Lebensmittel in ausreichender Menge und sicherer Qualität ressourcenschonend zu erzeugen“, sagte eine Sprecherin. „Das wird in den gesellschaftlichen und politischen Diskussionen heute leider viel zu häufig vergessen.“ (dpa)

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