Mehrere Stunden ist es her, dass die Herzen der Laborschweine aufgehört haben zu schlagen. Dann plötzlich ist wieder Aktivität messbar – und auch andere lebenswichtige Organe wie Nieren und Leber weisen auf einmal wieder normale Zellfunktionen auf. Was den Forschern der Yale University in einer kürzlich veröffentlichten Studie gelungen ist, könnte in Zukunft Organtransplantationen erleichtern. Doch auch ethische Fragen stellen sich, wenn Wissenschaftler an der Grenze von Leben und Tod experimentieren.
Konkret testeten die US-Forscher ein neues Perfusionssystem mit dem Namen OrganEx, eine Maschine, die ähnlich funktioniert wie die Herz-Lungen-Maschinen, die zum Beispiel in der Herzchirurgie eingesetzt werden. Eine Stunde nach dem künstlich bei den Schweinen herbeigeführten Herzstillstand begann OrganEx damit, ein Gemisch aus Blut und einer Speziallösung durch den Körper der Tiere zu pumpen. Sechs Stunden später stellten die Forscher fest: Die Organe waren wieder funktionsfähig.
OrganEx: Einsatz bei Herzinfarkten und Schlaganfällen denkbar
„Unter dem Mikroskop war es schwierig, ein gesundes Organ von einem Organ zu unterscheiden, das erst nach dem Tod mit der OrganEx-Technologie behandelt worden war“, sagte Zvonimir Vrselja, Co-Autorin der Studie, in einer Mitteilung der Universität. Auch habe man den gesamten Blutkreislauf der Schweine wiederherstellen können.
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„Es gibt zahlreiche potenzielle Anwendungen für diese aufregende neue Technologie“, fügte Stephen Latham, Direktor des Yale Interdisciplinary Center for Bioethics, hinzu. So könne man dank OrganEx künftig nicht nur die Verfügbarkeit von Spenderorganen erhöhen, sondern zum Beispiel auch Menschen helfen, deren Organe infolge eines Schlaganfalls oder Herzinfarkts beschädigt wurden.
Forscher: Todeskriterien überdenken
Letztlich stellen sich durch die jüngsten Erkenntnisse jedoch auch einige ethische Fragen. „Wir müssen alle zukünftigen Studien sorgfältig überwachen, insbesondere solche, die die Durchblutung des Gehirns einschließen“, betonte Latham. Zu den neu aufgeworfenen Fragen gehört auch, was diese Forschungsergebnisse für unser Verständnis des Todes und die Praxis von Ärzten im Krankenhaus bedeuten könnten.
„Die neuesten Erkenntnisse werfen eine Reihe von Fragen auf“, schreibt Brendan Parent, Direktor für Transplantationsethik an der NYU Grossmann School of Medicine, in einem Kommentar zur Studie. „Nicht zuletzt auch die, ob die medizinische und biologische Feststellung des Todes überdacht werden muss.“
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