Katerina Tichonowa

Putins Tochter reiste unbemerkt zigmal nach Deutschland

Katerina Tichonowa und ihre Bodyguards sollen laut einem Bericht mehr als 20 Mal in den vergangenen Jahren nach Deutschland gereist sein. Den Sicherheitsbehörden fiel offenbar nichts auf.

Team News Kathrin Merz kme
2 Min
Katerina Tichonowa: Wladimir Putins Tochter besuchte Deutschland seit 2015 mehrfach (Archivild).

Katerina Tichonowa: Wladimir Putins Tochter besuchte Deutschland seit 2015 mehrfach (Archivild).

© Imago/Eastnews

Den deutschen Sicherheitsbehörden sind offenbar über Jahre hinweg Besuche einer Tochter des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Deutschland entgangen - und das, obwohl sie samt Bodyguards in die Bundesrepublik kam. Nach gemeinsamen Recherchen des Magazins Spiegel und der russischen Investigativplattform IStories flog Katerina Tichonowa seit 2015 mehr als 20 Mal nach Deutschland. In München traf sie laut dem Bericht vermutlich ihren Lebensgefährten.

Die Reisen Tichonowas rekonstruierten Spiegel und IStories aus Buchungsunterlagen. Dabei handelt es sich um geleakte Passagierdaten, Passkopien und interne E-Mails aus dem russischen Sicherheitsapparat. Tichonowa flog demnach unter echtem Namen, ausgestattet mit einem von Italien erteilten EU-Visum mit der Nummer ITA031963667.

Polizei und Sicherheitsbehörden fielen die Einreisen offenbar nicht auf, obwohl Tichonowa stets in Begleitung mutmaßlich bewaffneter Personenschützer war, berichtet der Spiegel. An der Einreise gehindert wurde sie demnach anscheinend nicht, obwohl die Bundespolizei am Flughafen ihren Pass und ihr Visum kontrolliert haben dürfte. Allerdings lasse sich das nicht mehr detailliert rekonstruieren, da Einreisedaten in Deutschland prinzipiell nicht erfasst werden.

Reisedokumente von Tichonowas Bodyguards wiesen Unstimmigkeiten auf

Die deutschen Sicherheitsbehörden erfuhren laut dem Bericht nur durch Zufall von einer bevorstehenden Reise Tichonowas im Herbst 2019 nach Deutschland. Die Behörden seien misstrauisch geworden, da Reisedokumente von Tichonowas Bodyguards Unstimmigkeiten aufgewiesen hätten.  

„Da schlappen bewaffnete Personenschützer der russischen Präsidentengarde unbemerkt durch Bayern und niemanden interessiert es“, kritisierte der SPD-Innenexperte und Bundestagsabgeordnete Sebastian Fiedler den Vorgang gegenüber dem Spiegel. Der Fall sei „ein illustres Beispiel“ dafür, „dass wir in den vergangenen Jahrzehnten keine Strategien entwickelt haben, den russischen Agenten und ihren Aktivitäten etwas entgegenzusetzen. Wir können so nicht weitermachen.“ Einem Regime, das in Europa einen Angriffskrieg entfache, müsse Deutschland „mit einem deutlichen Aufwuchs operativer Fähigkeiten der Sicherheitsbehörden entgegentreten“.

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