„Wo im Haus die U-Bahn hält, bekommt man Bestes für sein Geld“

Viele Berliner Traditionsfirmen gibt es heute gar nicht mehr: die Supermarktkette und ehemalige Meierei Bolle, Pelz Lösche am Kurfürstendamm und das Big Eden, „Berlins Diskothek Nummer 1“. Doch die Werbung für diese verlorenen Orte ist vielen Berlinern noch in guter ...

BLZ
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Viele Berliner Traditionsfirmen gibt es heute gar nicht mehr: die Supermarktkette und ehemalige Meierei Bolle, Pelz Lösche am Kurfürstendamm und das Big Eden, „Berlins Diskothek Nummer 1“. Doch die Werbung für diese verlorenen Orte ist vielen Berlinern noch in guter Erinnerung.

Ob für Nostalgiker oder all jene, die sie nicht mehr selbst erlebt haben: Hier kommt unsere Auswahl typischer Berliner Werbeanzeigen, orginelle Werbesprüche und waschechter Berliner, die als Testimonials in TV-Spots geworben haben.

Kuno sprach zu Kunigunde: “Paech-Brot ist in aller Munde!”

Erinnern Sie sich noch an die Paech-Brot-Werbung? Hier die besten Sprüche zum Nachlesen.

Ganz furchtbar schimpft der Opapa – die Oma hat kein Paech-Brot da.

Ach liebe Mutti, bitte, bitte, gib mir doch noch ‘ne Paech-Brot-Schnitte!

Haste im Verkehr mal Frust, mit Paech-Brot kriegste wieder Lust.

Pelz Lösche am Kurfürstendamm

Obwohl ich in Ost-Berlin aufgewachsen bin, kenne ich Pelz Lösche seit frühester Kindheit. Die TV-Spots liefen immer vor der Tagesschau im Dritten. Sie gehörten zu meinem täglichen Fernsehabend. Obwohl ich auf spannende Spots aus der Welt von Matchbox, Mattell und Monchichi wartete, fand ich die Damen genauso faszinierend, die sich in langen Pelzmänteln in der Kudamm-Filiale drängelten.

Das musste der Traum vom Westen für die Erwachsenen gewesen sein. Jeder Spot endete mit den Worten: „... bei Pelz Lösche am Kurfürstendamm.“ Der Original-Spot zeigt zugleich auch die Innenausstattungtrends des Geschäfts in der City West.

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Harald Juhnke

Bleiben wir noch etwas am Kudamm. Harald Juhnke und das Pekingenten-Plakat an der Budapester Straße wurde zur Ikone. Jeder, der am Zoo-Palast vorbei die Budpaester entlang ging, musste an dem Leuchtwürfel vorbei. Harald Juhnke mit Stäbchen in der Hand vor einer krossen Peking-Ente sitzend. Die Werbung für Berlins ältestes China-Restaurant Tai Tung hatte familiäre Gründe: Juhnke war seit 1971 mit der Tochter des Restaurant-Besitzers Yunlay Hsia verheiratet.

Das Tai Tung hat mittlerweile dicht gemacht, die legendäre Juhnke-Werbung ist längst verschwunden. Wo sich früher Ramsch- und Souvernierläden angesiedelt hatten (und am Ende des Bauriegels eine Treppe zum Techno-Club Linientreu führte), befindet sich heute das Bikini-Haus mit teuren Design-Shops. Auch der benachbarte Zoo-Palast wurde inzwischen renoviert, allein Harald fehlt. Und das Linientreu.

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Big Eden

Entweder man hat die Achtziger selbst erlebt (und kann sich hoffentlich noch daran erinnern), oder man hat unlängst die tolle Dokumentation B-Movie: Lust & Sound in West-Berlin über diese historische Ära in West-Berlin gesehen. Eines ist jedenfalls klar: In Berlin konnte man schon immer sehr gut feiern. Für die Kudamm-Prominenz, Stars auf Durchreise und die Schickeria mit Faible für Schampus war die Kudamm-Disko Big Eden die Anlaufstelle im Berliner Nachtleben.

Wenn Heimweh- und Liebeskummer-Spezialist Sascha Hehn ("Schwarzwaldklinik", "Traumschiff") mal Drehpause hatte, kam er (aus München!) in die Mauerstadt, um hier zu feiern.

Rolf Eden konnte den Schauspieler sogar für einen TV-Spot gewinnen. Darin bringt Sascha Hehn das Flair des Clubs auf den Punkt: „Was soll'n wir reden - geh'n wir ins Eden!". Das Video konnten wir leider nicht auftreiben, allen Eden-Fans sei aber der Dokumentarfilm "The Big Eden" von Peter Dörfler ("Achterbahn") empfohlen. Hier ist der Trailer:

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Pfitze wirbt für edle Tropfen

Bleiben wir noch etwas im alten West-Berlin. Die ARD-Serie "Praxis Bülowbogen" lief von 1987 bis 1996 wie geschnitten Brot. Hauptdarsteller war Günter Pfitzmann, ebenfalls ein Berliner Original. Mit Kodderschnauze und viel Charme war Pfitze auch als Werbefigur beliebt. 1992 machte er Werbung für schnapshaltigen Herrenkonfekt: Die „Edlen Tropfen“ von Trumpf.

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Berliner Kindl und Schultheiss

Die Berliner sind trinkfreudig, sie feiern und tanzen gerne. Welches Getränk geht hier wohl am häufigsten über den Tresen? Wein, Sekt, Prosecco - alles Gesöff für die „feinen Pinkel vom Kudamm“, wie jene, die im Big Eden gastierten. Im proletarischen Berlin dagegen wird bis heute lieber eine Molle gezischt, vor hundert Jahren genauso wie heute. Nichts geht über ein frisch gezapftes Bier mit einer schönen Krone, auch Blume genannt. Prost!

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Werbung im Osten

Mal abgesehen davon, dass jeder Ostberliner, der Westfernsehen geschaut hat, sowieso die West-Werbung kannte, war Werbung im Ostteil der Stadt weit weniger präsent. Es gab zwar Brandwände mit Marken-Logos, Parolen, und auch das Neue Deutschland warb mit Leuchtreklame am S-Bahnhof Alexanderplatz. Aber insgesamt wurde weit weniger geworben.

Viele Ostberliner können sich bestimmt noch an das Emblem der HO-Kaufhallen erinnern: Drei stilisierte Männchen beim Einkaufen. Auch das Emblem der Konsum-Geschäfte für den täglichen Bedarf dürften noch viele kennen.

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LKW Tatra Motokov

Eine großformatige Werbung hat bis heute überdauert und befindet sich gleich neben dem Verlagsgebäude der Berliner Zeitung. Auf dem Dach eines Hochhauses am Anfang der Karl-Marx-Allee machte der tchechische Automobilhersteller Tatra für seine Lastwagen Werbung - und tut das bis heute.

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Farbfilm, unvergessen

Wo der begehrte ORWO-Farbfilm beworben wurde, ist nicht überliefert. Vielleicht in einer Illustrierten, die an einem Berliner Kiosk über den Tresen ging? Oder vielleicht in einer Fachzeitschrift in West-Berlin? Dort gingen die begehrten Farbfilme nämlich in den Export.

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Karstadt am Hermannplatz

Kann sich noch jemand an folgenden Werbespruch in den Berliner U-Bahnen erinnern? „Wo im Haus die U-Bahn hält, bekommt man Bestes für sein Geld.“ Meine ganze Schulzeit über habe ich auf dem Weg zur Schule und auf dem Heimweg auf diese Anzeigen, die auf den Fensterklappen über den Dreiersitzreihen am Kopf und Ende eines Waggons angebracht waren, geschaut. Wie bescheuert!

Immerhin hat sich der Spruch besser als viele Spanisch-Vokabeln in mein Langzeitgedächntnis gesetzt. Er wirbt nicht für die BVG, sondern für Karstadt am Hermannplatz. Dort halten U8 und U7, ein Ausgang führt direkt in das Karstadt-Gebäude. Die Werbung hing entsprechend in den Zügen der Linien U8 und U7. Eine ähnliche Situation herrscht am Leopoldplatz, wo die U6 ebenfalls fast im Karstadt hält - dort habe ich den Spruch aber nie gesehen.

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Berliner Polizei warnt in Bussen

Keine Werbeanzeige im eigentlichen Sinne, aber dennoch omnipräsent in der ganzen Stadt war die Warnung der Berliner Polizei vor Langfingern: „Gedränge nur dem Dieb gefällt, drum Augen auf und Hand aufs Geld.“ Hauptsächlich in den wichtigen Buslinien war die Warnung angebracht und sollte die Wilmersdorfer Witwen mit Schlenkertasche in der Armbeuge darauf aufmerksam machen, dass es auch in Berlin Langfinger gibt. Heuzutage ist die Berliner Polizei moderner aufgestellt - und warnt per Twitter-Kampagne vor Taschendiebstahl.

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Das Ankerwerk

Im thüringischen Rudolstadt stand das Ankerwerk, ein traditionsreiches Werk für chemisch-pharmazeutische Präparate und Heilmittel. Hergestellt wurden dort das bekannte Panthenolspray, das in keinem Sommerurlaub fehlen durfte, sowie das Pflaster Ankerplast.

Ebenfalls in der DDR wurde Gothaplast hergestellt, und die beiden Werke lieferten sich herrliche Werbesprüche-Scharmützel. Gothaplast dichtete: „Gothaplast wird sehr geschätzt wenn sich jemand leicht verletzt“. Die Replik von Ankerplast bringt es schlagkräftig auf den Punkt: „Wenn Du eine Wunde hast, schütze sie mit Ankerplast“.

Erinnern Sie sich noch an Reklame aus Ost- oder West-Berlin? Haben Sie sogar Fotos davon? Dann schreiben Sie uns an online@berliner-zeitung.de

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