Sie faszinierte den chinesischen Philosophen Konfuzius, die antiken Griechen, aber auch – 3000 Jahre später – den Begründer der Evolutionstheorie, Charles Darwin: die Orchidee. Woran es liegt, dass die Königin der Blumen ihre Einstufung als wunderschön quer durch die historischen Epochen halten konnte, weiß man nicht so genau. Ist aber auch nicht so wichtig. Wichtiger scheint: Auch heute noch fasziniert uns die Pflanzenfamilie der Orchidaceae, und zwar vor allem dann, wenn wir ihre Blütenpracht bewundern dürfen.
Am Wochenende ist genau das möglich. Die Biosphäre Potsdam lädt zur Orchideenblüte 2018.
Anders als bei den meisten Blumenschauen stehen die Pflanzen in Potsdam allerdings nicht in Reih und Glied auf Schautischen. „Die Orchideen sind in die Biosphäre integriert. Sie sind also so zu bewundern, wie man sie vielleicht auch in der Natur entdecken könnte. Auf und zwischen Bäumen, in Nischen, aber wir haben auch darauf geachtet, dass sie nicht allzu schwer zu entdecken sind“, erklärt Ivonne Bartsch. Die 40-Jährige ist leitende Gärtnerin der künstlichen tropischen Landschaft vor den Toren Berlins, betreut auch das „Event Orchideenblüte“ von Anfang an, also seit rund zehn Jahren.
Die Orchidee ist eine Überlebenskünstlerin
Was als kleinere Ausstellung zu Ostern begann, ist zur riesigen Schau gewachsen. Rund 1000 Orchideen sind dieses Jahr zu sehen, 100 verschiedene Sorten. Ausgedrückt in der Anzahl der Blüten heißt das, so Bartsch: „10.000 werden’s schon sein.“
Dass die Orchideen schon im Februar und März blühen und nicht erst zu Ostern ist kein biologisches Wunder und hat auch nichts mit dem Klimawandel zu tun. Die Orchidee ist eine Überlebenskünstlerin und kann, so die Rahmenbedingungen stimmen, jederzeit ihr farbenfrohes Fortpflanzungsprozedere – also die Blüte – starten.
„Die Bedingungen sind aber nicht für alle Orchideen gleich. Für manche muss es zum Beispiel ein paar Monate relativ kühl sein (ungefähr 5 Grad Celsius) damit sie danach blühen“, so Bartsch. Das und andere Begehrlichkeiten anderer Orchideensorten passt natürlich gar nicht zu den tropischen Temperaturen in der Biosphäre. Deshalb kommen die Orchideen erst nach Potsdam, wenn sie „zur Blüte fertig“ sind. Ihre Jugend verbringen die nicht unbedingt pflegeleichten Exoten in Niedersachsen. Dort, in Dahlenburg, hat eine der bundesweit größten Spezialgärtnereien für Orchideen ihren Sitz, mit der die Biosphäre für ihre alljährliche Super-Schau kooperiert.
ORCHIDEENBLÜTE 2018
Wo? Biosphäre Potsdam, Georg-Hermann-Allee 99, 14469 Potsdam
Wann? noch bis 25.3., täglich, Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 9 bis 18 Uhr, Sonnabend und Sonntag, 10 bis 19 Uhr.
Die Orchideenblüte ist im regulären Ticketpreis enthalten, eine Tageskarte für Erwachsene kostet 11,80 Euro, für Kinder (5-13 J.) 7,80 Euro, eine Familienkarte (2 Erw. mit bis zu 3 Kindern) 33,50 Euro.
Spezialführung zur Orchideenblüte: Sa, 15 Uhr, Zusatzkosten: 6,80 Euro, Anmeldung: per E-Mail info@biosphaere-potsdam.de oder 0331 - 550 74-0
Weitere Infos: www.biosphäre-potsdam.de
Jedes Jahr werden auf diese Weise nicht nur neue, noch prächtigere Züchtungen ausgestellt, sondern auch Raritäten. „Dieses Jahr haben wir eine ,Angraecum veitchii’, eine ganz seltene Orchidee, die im Handel so nicht erhältlich ist“, so Gärtnerin Bartsch. Damit man den Star unter den Tausend Blumenköniginnen auch findet, ist die Angraecum in einem eigenen Terrarium drapiert. Die Urform der Orchidee ist nämlich, das wissen viele nicht, gar nicht so prächtig. „Sie ist nur wenige Zentimeter groß und einfach nur grün, also fast unsichtbar“, erklärt die Fachfrau.
Das, was wir uns vorstellen, wenn wir von Orchideen sprechen, bezeichnet für Biologen und andere Experten nur einen kleinen Ausschnitt aus der Pflanzenfamilie – nämlich die auf große Blüten und Farbenpracht bedachten Züchtungen exotischer Exemplare aus den Tropen Asiens und Südamerikas. Besonders beliebt und in zig Farben und Formen auch in Potsdam zu sehen: die Vanda Orchidee.
Schmuckstücke aus Blüten
Aus 500 ihrer Blüten haben Chef-Gärtnerin Bartsch und ihr Team auch ein beziehungsweise zwei Höhepunkte der Schau gebastelt, die Besucher am Eingang bewundern können: zwei riesige Schmetterlinge, bestehend nur aus Blüten.
Wer solche Gestecke aus Orchideen selbst basteln will, muss ich noch etwas gedulden. Am 8. März, gibt’s dazu einen Workshop in der Biosphäre. Sich schon jetzt dafür anzumelden kann nützen. Ebenfalls mit Anmeldung, aber schon am morgigen Sonnabend, findet eine Spezialführung durch das Tropenhaus statt – mit noch mehr Wissen zur Orchidee (15 Uhr).
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