Besondere Landidylle im Süden Berlins

Domäne Dahlem - Beruhigungsmittel für Gestresste

Gärten, Austellungen und Hofladen: Ein Ausflug lohnt sich doppelt und dreifach.

Ida Luise Krenzlin
3 Min
Auf der Domäne ist man als Tier gut aufgehoben.

Auf der Domäne ist man als Tier gut aufgehoben.

© Ida Luise Krenzlin

Rauwollige Pommernschafe weiden auf den Wiesen der Domäne Dahlem. Kühe fast ausgestorbener alter Rassen fressen eiweißreiches Lupinenkraut, Schweine grunzen zufrieden in der warmen Novembersonne, Hühner gackern in ihren Ställen. Willkommen auf der Domäne Dahlem, einer Landidylle im Süden Berlins.

Ein Ausflug lohnt sich doppelt und dreifach

Allein die Anreise beruhigt die Nerven gestresster Innenstadtbewohner. Mit der U3 zuckelt man langsam ins schöne Zehlendorf, und schon beim Verlassen des denkmalgeschützten Bahnhofsgebäudes „Dahlem Dorf“ hört man das Schmettern schwerer Schläge aus der Schmiede über die Königin-Luise-Straße bis auf den Bahnhofsvorplatz hallen.

Zur Domäne Dahlem gehören nicht nur nachhaltig bewirtschaftete Äcker, Gärten und Weiden, verschiedene Ausstellungen widmen sich landwirtschaftlichen Themen. Ein Schmied ist mit seiner Werkstatt ebenso ansässig wie eine Töpferin und ein Möbelrestaurator.

Töpferware in der Novembersonne.

Töpferware in der Novembersonne.

© Ida Luise Krenzlin

Im Hofladen gehen Kartoffeln, Fenchel und Kirschtomaten aus eigenem Anbau über den Ladentisch, im Landgasthof kann man sich mit Gerichten aus Bio-Nahrungsmitteln stärken. Ein Ausflug in die Domäne Dahlem lohnt sich also doppelt und dreifach.

Ein Kaufmannsladen und eine Fleischerei aus den Zwanzigern

Die Geschichte des landwirtschaftlichen Demonstrationsbetriebes geht bis ins Jahr 1200 zurück. Bereits vor mehr als 800 Jahren wurde auf dem ehemaligen Rittergut gepflügt und geerntet. Zwischen 1841 und 1945 war das Dahlemer Gut ein preußisches Staatsgut, daher der heutige Name Domäne Dahlem. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kaufte die Stadt Berlin den landwirtschaftlichen Betrieb, so wurde die Domäne zum Stadtgut, dem im Jahr 1976 allerdings das Aus drohte. Der noch immer rege „Verein der Freunde der Domäne Dahlem“ rettete zum Glück die letzten verbliebenen Ackerflächen vor einer Bebauung.

Um die Kuh geht es in der Ausstellung der Zehlendorfer Künstlerin Theresa Beitl. 

Um die Kuh geht es in der Ausstellung der Zehlendorfer Künstlerin Theresa Beitl. 

© Ida Luise Krenzlin

Im ehemaligen Herrenhaus befindet sich eine Dauerausstellung, die unter anderem einen Kaufmannsladen und eine Fleischerei aus den Zwanzigerjahren zeigt. Hier erfährt man, dass es damals 5000 Fleischereien in Berlin gab, an fast jeder Straßenecke eine. Und man erfährt auch vom traurigen Schicksal des renommierten Bienenzüchters Ludwig Armbruster (1886–1973), der das Institut für Bienenkunde auf dem Gelände der Domäne Dahlem mit so viel Inbrunst führte, dass es weit über die Grenzen Berlins bekannt war.

Seine Kurse für den Bau von Bienenkörben, die Honigprüfung und exotische Exponate wie Bienenkörbe aus verschiedenen  Erdteilen zogen nicht nur Berliner, sondern auch Wissenschaftler aus der ganzen Welt an. Als „Judenfreund“ wurde Armbruster 1934 zwangspensioniert und verlor sein Professorenamt. Erst 2007 rehabilitierte ihn die Humboldt-Universität.

Mädchen schieben Schubkarren, Jungs schneiden vertrockneten Mais zurück

Der 2015 eröffnete und mittlerweile mehrfach ausgezeichnete Ausstellungskomplex „Culinarium“ widmet sich Ernährungsthemen. Hunderte Exponate erklären die Essgewohnheiten im Wandel der Zeit, bis hin zu den unterschiedlichen Ernährungsweisen im geteilten Deutschland. Mitmachstationen für Kinder gibt es natürlich auch.


Tipps

Domäne Dahlem Königin-Luise-Straße 49, 14195 Berlin. Besuch des Freigeländes täglich 8–19 Uhr, Eintritt frei, Spende willkommen. 

Museum im Herrenhaus und Culinarium Sonnabend und Sonntag 10–17 Uhr,  Eintritt 5 Euro, ermäßigt 3 Euro.

Hofladen Sonnabend 8–14 Uhr.

Ökomarkt Sonnabend 8–13 Uhr.

Aktuelle Ausstellung „Faszination Kühe“ mit Bildern von Theresa Beitl. Am Sonntag, 12 Uhr, liest Cornelia Philipp Texte zum Thema Tier. Mit anschließendem Gespräch, moderiert von Theresa Beitl.  


Jetzt in den Herbstferien sieht man Kinder auf den Feldern der Domäne arbeiten. Mädchen schieben Schubkarren und sammeln die Pferdeäpfel von der Weide, zwei Jungs schneiden den vertrockneten Mais zurück. Auf dem Land wird nie gefaulenzt.

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