Wohnen in Berlin

Günstige Mietwohnungen werden immer seltener

Die Kosten für die eigenen vier Wände steigen weiter.

Ulrich Paul
4 Min
Scheint in Berlin mittlerweile ein Naturgesetz zu sein: Die Immobilienpreise steigen.

Scheint in Berlin mittlerweile ein Naturgesetz zu sein: Die Immobilienpreise steigen.

© imago/Jürgen Ritter

Für Menschen mit geringen Einkommen wird es immer schwerer, eine preiswerte Wohnung in Berlin zu finden. Denn die Anzahl der günstigen Wohnungen, die zur Vermietung angeboten werden, hat sich weiter verringert. Während im Jahr 2015 noch 22 Prozent der Wohnungen für Mieten unter 7 Euro je Quadratmeter angeboten wurden, waren es 2016 nur noch 18 Prozent. Das geht aus dem Wohnungsmarktbericht 2016 der Investitionsbank Berlin (IBB) hervor, der am Freitag präsentiert wurde.

„Man sieht, dass sich die Anspannung des Wohnungsmarktes deutlich verstärkt hat“, sagte Stadtent-wicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke). Zu den Ursachen gehöre die anhaltende Zuwanderung und die noch nicht ausreichende Zahl fertiggestellter Neubauwohnungen. Zugleich existiere eine Reserve an freien Wohnungen de facto nicht mehr. „Das anhaltende Wachstum der Stadtbevölkerung ist erfreulich, macht die Angebotslücke gerade im unteren Preissegment aber noch größer“, so Lompscher.

Grundlage des IBB-Berichts sind die Mieten von rund 70.000 Wohnungen, die über das Internetportal Immobilienscout angeboten wurden. Laut Bericht beläuft sich die mittlere Angebotsmiete 2016 auf 9,07 Euro je Quadratmeter (kalt). Dieser Wert bezieht allerdings alle Mietangebote des Jahres von Januar bis Dezember ein – und nivelliert damit den Anstieg zum Jahresende. Sehr viel näher an der aktuellen Entwicklung sind die Mietangebote von durchschnittlich 9,65 Euro je Quadratmeter aus dem vierten Quartal 2016, wie aus dem Bericht hervorgeht. Diese Angebote liegen um 8,3 Prozent über denen im vierten Quartal 2015. Entspannung auf hohem Niveau zeichnet sich nur für die Neubauwohnungen ab. Hier bleiben die Mietangebote im dritten Jahr in Folge bei durchschnittlich 13 Euro je Quadratmeter.

Am teuersten in Berlin sind Wohnungen in den Innenstadtbezirken Friedrichshain-Kreuzberg, Charlottenburg-Wilmersdorf und Mitte. Hier finden sich überwiegend Altbauwohnungen aus der Gründerzeit, die besonders begehrt sind. Vergleichsweise günstige Angebote finden sich dagegen noch in den Außenbezirken Marzahn-Hellersdorf und Spandau, die durch die Großsiedlungen aus den 70er- und 80er-Jahren geprägt sind.

Gerademal 69 Sozialwohnungen in 2015

Der IBB-Generalbevollmächtigte Matthias von Bismarck-Osten, sagte, das Angebot an Wohnungen komme mittlerweile durch den Neubau „in die Gänge“. Im vergangenen Jahr sei der Bau von rund 25.000 Wohnungen genehmigt worden. Bis diese gebaut sind, vergehen jedoch immer einige Jahre, manche genehmigte Wohnungen werden auch gar nicht errichtet.

Die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt wird sich wohl in den nächsten drei Jahren nicht ändern.

Die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt wird sich wohl in den nächsten drei Jahren nicht ändern.

© picture alliance / dpa

Der IBB-Generalbevollmächtigte sagte, er rechne damit, dass im Jahr 2016 rund 15 000 Wohnungen fertiggestellt wurden. Interessant: Bis Ende 2015 waren laut Lompscher rund 43.000 Wohnungen genehmigt worden, deren Bau noch nicht begonnen hatte oder die noch nicht fertiggestellt waren. Rechnet man die im Jahr 2016 genehmigten Wohnungen hinzu, sind bei einer geschätzten Fertigstellung von 15.000 Wohnungen im Jahr 2016 derzeit noch rund 53.000 Neubau-Wohnungen in Berlin in Vorbereitung. Der Anteil der preiswerten Wohnungen unter den neu errichteten Quartieren ist jedoch noch immer gering. Im Jahr 2015 wurden nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gerade mal 69 Sozialwohnungen fertiggestellt, 2016 waren es 100.

Konsequenzen verlangt

Der Geschäftsführer des Berliner Mietervereins, Reiner Wild, erklärte, „für die überwiegende Zahl der Mieterhaushalte“ habe sich die Situation auf dem Wohnungsmarkt „weiter verschlechtert“ – und forderte Konsequenzen. „Aufgrund früherer Untersuchungen und Berechnungen des Mietervereins müssen wir davon ausgehen, dass bei zwei Drittel aller Wiedervermietungen Mieten oberhalb der Mietpreisbremse gefordert und auch gezahlt werden“, so Wild.

Diese Missachtung der Mietpreisbremse müsse Folgen für den Mietspiegel haben. „Es kann nicht sein, dass widerrechtlich geforderte Mieten zur Leitlinie für Mieterhöhungen in bestehenden Mietverhältnisses werden“, so Wild. Hintergrund: In den Mietspiegel fließen die Mieten ein, die sich in den vergangenen vier Jahren verändert haben. Je höher die Mietspiegelmiete, desto höher sind die Spielräume für die Vermieter, die Miete zu erhöhen.

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