Bei einem russischen Raketen- und Drohnenangriff auf Kiew und das Umland sind in der Nacht zum Montag nach ukrainischen Behördenangaben mindestens elf Menschen getötet und mindestens 46 verletzt worden. Sieben Todesopfer gab es demnach im Stadtgebiet, ein weiteres im Bezirk Butscha nordwestlich der Hauptstadt. Die Angaben stammen von Behörden der Stadt und des Gebiets Kiew.
Nach den Worten von Tymur Tkatschenko, dem Leiter der Militärverwaltung der Stadt Kiew, wurde im Bezirk Podilskyi ein Wohnhaus zwischen dem fünften und neunten Stockwerk teilweise zerstört. Im Bezirk Darnytskyi seien mehrere mehrstöckige Wohngebäude beschädigt worden, unter den Trümmern würden Menschen vermutet. „Das sind Wohnhäuser. Orte, an denen Menschen schliefen und ihr gewöhnliches Leben führten“, erklärte Tkatschenko.
Der Gouverneur des Gebiets Kiew, Mykola Kalaschnyk, berichtete zudem von Schäden an Häusern, Geschäften und weiteren zivilen Einrichtungen in Butscha, Wyschhorod und Browary.
Mehrere Angriffswellen über Stunden
Der Angriff zog sich nach Berichten des Kyiv Independent über mehrere Stunden hin. Explosionen wurden gegen 1.40 Uhr, 2.10 Uhr und 3.15 Uhr Ortszeit registriert. Tausende Menschen suchten in U-Bahn-Stationen Schutz, während die ukrainische Luftwaffe vor mehreren Dutzend anfliegenden Raketen warnte.
Für nahezu alle Regionen der Ukraine galt Luftalarm. Die polnische Luftwaffe ließ nach eigenen Angaben vorsorglich Kampfjets zum Schutz des eigenen Luftraums aufsteigen.
Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte bereits am Vorabend vor einem großangelegten russischen Angriff gewarnt und die westlichen Partner aufgefordert, die Lieferung von Patriot-Raketen zur Luftabwehr zu beschleunigen. „Das ist typisch für Putin: direkt nach dem amerikanischen Unabhängigkeitstag und vor dem Nato-Gipfel in Ankara“, sagte Selenskyj laut Kyiv Independent.
Angriff kurz vor Treffen mit Trump
Der Angriff erfolgt wenige Tage vor einem geplanten Treffen Selenskyjs mit US-Präsident Donald Trump am Rande des Nato-Gipfels in der Türkei am 8. Juli. Zuvor hatte Trump nach Angaben des Kremlberaters Juri Uschakow rund 90 Minuten mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin telefoniert und Vermittlung angeboten.
Putin hatte in den Tagen davor angekündigt, die großangelegten Angriffe auf ukrainische Städte fortzusetzen. Bereits am 2. Juli waren bei einem Angriff auf Kiew 31 Menschen getötet und 102 verletzt worden.
Parallel meldeten russische Telegram-Kanäle nach Angaben des Kyiv Independent einen ukrainischen Drohnenangriff auf die Ölraffinerie Slawneft-YANOS in Jaroslawl, rund 700 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt.
Der Gouverneur der Region Jaroslawl, Michail Jewrajew, bestätigte laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax eine Drohnenattacke und ließ die Ausfahrt aus Jaroslawl Richtung Moskau sperren. Eine amtliche Bestätigung, dass die Raffinerie getroffen wurde, lag zunächst nicht vor.
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