Wohnraum: Auf dem Land wird zu viel gebaut

In Städten wie Berlin, Frankfurt am Main oder Köln explodieren die Mieten, weil die Nachfrage nach Wohnraum riesig ist. Auf dem Land hingegen stehen zunehmend Wohnungen und Einfamilienhäuser leer. Doch nicht nur das: In vielen ländlichen Regionen wird weiterhin im großen Stil gebaut – und zwar viel mehr, als eigentlich nötig wäre. Das geht aus einer neuen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) hervor.

BLZ
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Berlin - In Städten wie Berlin, Frankfurt am Main oder Köln explodieren die Mieten, weil die Nachfrage nach Wohnraum riesig ist. Auf dem Land hingegen stehen zunehmend Wohnungen und Einfamilienhäuser leer. Doch nicht nur das: In vielen ländlichen Regionen wird weiterhin im großen Stil gebaut – und zwar viel mehr, als eigentlich nötig wäre. Das geht aus einer neuen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) hervor. Ein Überblick.

Warum klaffen Angebot und Nachfrage nach Wohnraum auf dem Land auseinander?

Die Provinz in Deutschland blutet vielerorts aus. Junge Leute wollen nicht mehr auf dem Land oder in Kleinstädten leben. Sie ziehen in die Metropolen, wo das Leben aufregender ist und es gute Jobs gibt. In den Städten wird’s eng, die Mieten steigen. Auf dem Land hingegen lassen sich Häuser und Wohnungen immer schlechter vermieten. Die Bevölkerung dort altert rapide. Auch das trägt dazu bei, dass vor allem größere Wohnimmobilien  leer stehen.

Was genau haben die IW-Forscher herausgefunden?

In den deutschen Landkreisen sind zwischen 2011 und 2015 etwa ein Fünftel mehr Wohnungen entstanden, als aufgrund der demographischen Entwicklungen hätten gebaut werden müssen. „Bei den Einfamilienhäusern sind es sogar mehr als doppelt so viele“, schreiben die Experten. Einige Beispiele: Im Landkreis Ostprignitz-Ruppin (Brandenburg) hätte im genannten Zeitraum der Bau von 69 Wohnungen ausgereicht. Tatsächlich sind 202 Wohnungen entstanden. Damit wurde der Baubedarf zu 295 Prozent gedeckt. Im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg sind 197 Wohnungen gebaut worden – gereicht hätten ganze sieben. Die Überdeckung betrug hier 2.764 Prozent. In weiten Teilen Ostdeutschlands gibt es überhaupt keinen Neubaubedarf. In den Metropolen des Landes und vielen Universitätsstädten wird hingegen regelmäßig weniger gebaut, als eigentlich nötig wäre.

Wie kommt es zu dieser Diskrepanz zwischen Bedarf und Neubautätigkeit auf dem Land?

Das IW Köln nennt mehrere Ursachen. „Sehr stark wirken hier die Niedrigzinsen, welche die Finanzierung günstiger und damit den Kauf einer Immobilie attraktiver machen“, schreiben die Experten. Damit sei auch die Erschwinglichkeit von großen Einfamilienhäusern in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Hinzu komme, dass auf dem Land reichlich Bauflächen vorhanden sind. Viele Bürgermeister versuchten „nach wie vor durch die großzügige Ausweisung von Bauland neue Einwohner anzuziehen“. Dies gelinge in der Regel jedoch nicht. Angesichts der günstigen Finanzierung würden auf dem Land Neubauten gegenüber Altbauten bevorzugt. „Damit entstehen neue Leerstände.“

Was bedeutet das für Bauherren und Investoren?

Wer sich und seiner Familie heute auf dem Land den Traum von den eigenen vier Wänden erfüllt, muss sich darüber im Klaren sein, dass dies auf lange Sicht ein schlechtes Geschäft werden könnte. Vielerorts dürften Immobilien in den kommenden Jahren deutlich an Wert verlieren. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) prognostizierte unlängst, dass in einem Drittel aller deutschen Landkreise die Marktwerte für Wohnungen bis 2030 um mehr als ein Viertel zurückgehen werden. In einigen Regionen scheinen sogar Wertverluste von 50 Prozent oder mehr möglich.

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